Bevor sich industrielle Mischfutter in der Tierernährung duchsetzen konnten, war Grünfutter in Form von Wiesengras und -kräuter, Gemüse oder Obst die übliche Ernährungsgrundlage unserer Pflanzen fressenden Haustiere. Auch wenn Mischfutter aus der modernen Tierernährung kaum mehr wegzudenken sind und gerade bei grossen Tierbeständen und Futterrationen die Fütterung bestimmt vereinfachen, so ist Grünfutter nach wie vor eine wichtige und vor allem auch eine natürliche Nahrungsergänzung. So trägt es durch seinen Gehalt an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen zu einer gesunden Ernährung bei und beugt Mangelerscheinungen vor. Durch den Gehalt an wertvollen strukturierten Rohfasern leistet es einen wertvollen Beitrag zur Zahnpflege, zur Abnutzung der Backenzähne und wirkt sich positiv auf die Verdauung im Darm aus, da es die Darmwände stimuliert und die Darmperistaltik fördert. Allerdings sollte man bei der Verfütterung von Frischfutter beachten, dass man unverträgliche Pflanzen, insbesondere aber auch Giftpflanzen meidet und keine unbekannten Pflanzen verfüttert.
Wie jede Ernährungsumstellung sollte man auch bei der Gewöhnung an Frischfutter die Tiere langsam an diese Kost gewöhnen. Das erreicht man, indem man ihnen anfänglich in kleinen Mengen Frischfutter anbietet und die Mengen allmählich steigert. Eine abrupte Futterumstellung kann dagegen zu schweren Durchfällen führen, welche lebensgefährlich für die Tiere sein können. Daher ist eine vorsichtige Gewöhnung an Grünfutter äusserst wichtig. Bei der Einführung von Frischfutter sollten zudem nicht zu viele Pflanzen aufs Mal eingeführt werden. Am besten wird pro Mal nur eine neue Pflanze eingeführt. Die Tiere und ihre Reaktion sollte dann beobachtet werden. Treten dabei keine Probleme auf, können weitere Pflanzen in Betracht gezogen werden. Andernfalls sollte die betreffende Pflanze wieder von dem Speiseplan gestrichen werden.
Aufpassen sollte man im Frühling bei jungen Gräsern, welche oftmals einen hohen Proteingehalt aufweisen. Werden plötzlich solche proteinreiche Gräser verfüttert, kann das zu Darmtympanie (Aufgasungen im Darm) führen, welche für das Tier tödlich verlaufen können (vgl. Ewringmann & Glöckner 2005).
Beim Sammeln von Pflanzen im Freien sollte man darauf achten, dass man mit Herbiziden, Abgasen oder anderen Schadstoffen belastete Pflanzen meidet. Daher sollte man nicht in der Nähe von viel befahrenen Strassen (diese enthalten einen hohen Gehalt an giftigen Schwermetallen) oder in der Nähe von Feldern pflücken, die mit Pflanzenschutzmittel behandelt werden. Ebenso Vorsicht geboten ist, wenn in der Nähe von Obstbäumen oder in Weinbergen gesammelt wird, die gespritzt wurden. Beim Sammeln sollte man sich auf die Pflanzen beschränken, die man selber kennt und von denen man weiss, dass sie für die Tiere geeignet sind. Ein gutes Pflanzenbestimmungsbuch hilft hier giftige Pflanzen zu meiden. Man sollte auch gut aufpassen mit ähnlich aussehenden Pflanzen. Einige ungiftige Pflanzen haben ähnlich aussehende, giftige Doppelgänger, welche aber mit genügend Vorsicht und genauem Hinschauen gemieden werden können. Geeignete Gräser und Wildkräuter sind Wiesengräser, Löwenzahn, Spitzwegerich, Vogel-Sternmiere, Hirtentäschel, Gänseblümchen, in kleineren Mengen eignen sich auch Sauerampfer und Klee. Auch im eigenen Garten findet man einige gute Kräuter, die man in kleinen Mengen als Ergänzung des Speiseplans anbieten kann. Dazu gehören unter anderem Dost, Thymian, Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse, Ringelblume, Basilikum, Petersilie, Lavendel, Boretsch, Giersch.
Obst und Gemüse sind sicher für viele Leute der Inbegriff von Frischfutter, da sie einfach erhältlich und selbst in grösseren Mengen erschwinglich sind und sind im Vergleich zu Wildgemüse und -kräuter einfach verfügbares Grünfutter. Man sollte aber bedenken, dass Frischfutter in Form von Obst und Gemüse längst nicht bei allen Tierarten ihren Ernährungsgewohnheiten entspricht, denn Gemüse hat oft einen sehr hohen Wassergehalt und eher wenig Rohfaser (insbesondere Tomaten, Zucchini oder Gurken), Früchte dagegen enthalten grössere Mengen an Einfachzuckern, an welche die Verdauung einiger Kleinsäugern nicht angepasst ist. So ist es gerade für Pflanzenfresser, die in der Natur kaum Früchte fressen, sinnvoll, Obst gegen Wurzelgemüse auszutauschen. Bei Tierarten, die zu Diabetes neigen, wie Degu (Octodon degus) oder Fette Sandratte (Psammomys obesus) sollte man Obst und Früchte gänzlich streichen. Aufpassen sollte man auch bei Kohlarten, die in grösseren Mengen Blähungen verursachen können. Eine vorsichtige Gewöhnung an diese Gemüse kann dem aber vorbeugen. Geeignete Gemüse sind Feldsalat, Endivie, Chicorée, Gartensalat, Eisbergsalat, Gurke, Zucchini, Schwarzwurzel, Pastinake, Tomate, Karotte, Topinambur. Als Früchte eignen sich Beeren, Apfel, Banane, Kirschen (Vorsicht, die Steine enthalten cyanogene Glykoside, welche im Körper zu giftiger Blausäure umgewandelt werden), Weintrauben. Zitrusfrüchte sollten wegen ihrem Säuregehalt nicht verfüttert werden. Ebenfalls nicht verfüttern sollte man Avocados. Diese können für Tiere giftig wirken und gar zum Tod führen (Reichling et al. 2005). Ebenfalls meiden sollte man Küchenzwiebeln und Knoblauch, deren Zwiebeln für die Tiere giftig sind.
Angesichts der Tatsache, dass Äste als wichtige Einrichtungs- und Nagegegenstände gelten, wird gerne vergessen, dass Äste auch als Nahrung dienen. Ein frischer Ast mit Laub bietet ein Vielfaches an Nutzen. Er dient als Versteck (solange er noch Blätter trägt), als Klettergerüst, als Beschäftigungs- und Nageobjekt und letztlich auch als Nahrung. Bei vielen Wildtieren steht Laub von Bäumen oder Sträuchern auf dem Speiseplan, sei es als saisonale Ergänzung während der Dürrezeit, wenn üppige Kräuter- und Grasfluren austrocknen oder das ganze Jahr durch, z.B. bei Baum- oder Waldbewohner. Ausserdem enthalten Äste Minerale und sind gut für den Zahnabrieb, Grund genug, um selber auch Äste zu sammeln. Doch woher bekommt man sie?
Für den primären Nagespass und zum Klettern eignen sich beispielsweise Korkrinde, welche im Zoofachhandel erhältlich ist. Als Nahrungsergänzung ist Korkrinde freilich nicht geeignet. Daher ist es unentbehrlich, dass man Äste aus der Natur beziehen kann. Am besten fragt man einen Förster aus der Umgebung an. Die Kontaktadresse kann man aus dem Telefonbuch oder den Gelben Seiten heraussuchen. Oftmals zeigen sich die Forstleute erfreut ob solchen Anfragen und helfen gerne weiter. Sie verfügen ausserdem über gute Baumkenntnisse, was gerade für den Laie hilfreich sein dürfte, der sich mit Bäumen nicht so gut auskennt. Alternativ kann man auch im Bekanntenkreis fragen, Arbeitskollegen, Verwandte oder Vereinsmitglieder, manchmal kann man über sie einfach an Holz kommen. Gerade wenn die Obstbäume zurückgeschnitten werden, kommt man oft auch einfach zu Ästen. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit selber Äste zu schneiden, bei den eigenen Bäumen oder dann in freier Natur. Wichtig dabei ist, dass nur gesund aussehende Äste verwendet werden. Von krankem und totem Holz lässt man sicherheitshalber besser die Finger.
Die Äste können mit Laub direkt in den Käfig gelegt werden. Abspülen ist nicht nötig, wenn die Äste sauber sind. Bei Staub und Verschmutzung ist es aber sinnvoll die Äste mit kaltem Wasser gründlich abzuwaschen, etwas trocknen lassen und erst dann in den Käfig geben. Mit einem gründlichen Blick sollte man ausserdem kontrollieren, ob Blätter mit Vogelkot verunreinigt sind. Ist dies der Fall sollte die Stelle grosszügig entfernt und entsorgt werden. Sollten die Äste mit Flechten bewachsen sein, sollte man diese gut entfernen oder die Äste besser nicht verwenden.
Geeignete Bäume sind Obstbäume, Weide, Haselnuss, Hainbuche, Linde, Birke, Erle, Pappel. Problematisch oder allenfalls bedingt geeignet sind Eiche, Rotbuche, Walnuss, Tannen und Fichten. Die Eiche enthält grosse Mengen an Gerbstoffen, welche die Verdauung beeinträchtigen. Daher wird bei vielen Tierarten von Eiche abgeraten. Von Rotbuche wird ebenfalls bei einigen Tierarten abgeraten. Die Bucheneckern enthalten ausserdem grössere Mengen an Oxalsäure und gelten daher als schwach giftig. Walnuss enthält herbizidähnlich wirkende Pflanzenstoffe und sollte daher ebenfalls nicht verfüttert werden. Bei Tanne und Fichte gibt es zwar positive Erfahrungen bei Meerschweinchen und Kaninchen, dennoch wird von Nadelbäumen generell oft abgeraten. Wer diese dennoch verfüttern will, sollte sich vorher gut informieren und Fütterungserfahrungen über diese Bäume einholen. Dies gilt auch für die anderen genannten Baumarten. Keinesfalls verfüttern sollte man giftige Arten wie Lebensbäume, Zypressen, Robinie oder Eibe.
In kalten Jahreszeiten wird bekanntlich das Angebot an Frischfutter knapper, nur wenige Pflanzen haben noch Saison und die Kälte bremst auch das Wachstum der Pflanzen draussen in der Natur. So wird es schwieriger an frisches Grün zu gelangen um den Speiseplan unserer Heimtiere zu bereichern. Da ist es naheliegend, auf Zimmer- und Topfpflanzen als praktische Frischfutterquelle zurückgegriffen wird. Doch welche Pflanzen sind geeignet? Gerade bei den Zimmerpflanzen gibt es sehr viele Giftpflanzen und unbekömmliche Arten, dass man hier keine Experimente wagen sollte. Nur wenige Zimmerpflanzen sind denn auch wirklich auch zum Verfüttern geeignet. Dazu gehören unter anderem die Grünlilie (Chlorophytum comosum), die Kalisie (Callisia repens), besser bekannt als Golliwoog, Vogel-Sternmiere (Stellaria media), Katzengras (verschiedene Gräser werden unter diesem Namen verkauft) und das Zyperngras (Cyperus involucratus).
Anstelle von Zimmerpflanzen kann man auch eigens für Futterzwecke Sämereien aussähen. Am besten eignen sich da Getreide als auch im Handel erhältliche Katzengrassamen (welche allerdings letztlich auch wieder Getreidesamen sind). Für die Aussaat wählt man eine grosse flache Schale, bedeckt diese etwas mit Erde, welche man anfeuchtet und streut dann die Samen aus. Diese können dann mit Erde etwas zugedeckt oder mit dem Finger angedrückt werden. Die Erde sollte leicht feucht gehalten werden, Staunässe sollte man dagegen vermeiden. Nach wenigen Tagen fangen die Samen an zu spriessen und bilden zarte, grüne Sprossen. Diese können nun geerntet und als vitaminreicher, frischer Leckerbissen verfüttert werden. Man sollte ausserdem aufpassen, dass die Erde und die Samen nicht anfangen zu schimmeln.
Da auch Äste für Nagetiere wichtig sind sowohl als Nagematerial, als auch als ergänzende Nahrung, wäre es interessant auch in dieser kalten Saison die Tiere mit frischem Nagematerial zu versorgen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn wenn draussen die Bäume ihre Blätter verlieren, wird es schwierig die Bäume zu identifizieren, da markante Erkennungsmerkmale wie Blätter, Blüten oder Früchte fehlen. Mit einem kleinen Trick kann man sich allerdings die Baumerkennung erheblich erleichtern. Man nehme einen Zweig von dem Baum, den man bestimmen will und stelle ihn in eine mit Wasser gefüllte Vase ein. In ein paar Tagen wird der Ast ausschlagen und Blüten oder Blätter bilden. Dadurch wird die Erkennung wesentlich vereinfacht und der Zweig kann natürlich auch so verfüttert werden und wird durch die frischen Triebe und Blätter gleich nochmals als Futterobjekt für die Tiere aufgewertet.
Zur Bestimmung von Pflanzen in freier Natur sind gut illustrierte Naturführer und Bestimmungsbücher eine gute Hilfe. Sie helfen bei der Identifikation von Pflanzen. Allerdings bieten diese Bücher keine Hilfe bei der Frage ob eine bestimmte Pflanze zum Verfüttern geeignet ist. Giftpflanzen können mithilfe von Giftpflanzenbüchern (z. B. Altmann 2003; Alberts & Mullen 2003; Frohne & Pfänder 2004; Roth et al. 1994) oder entsprechenden Webseiten wie Clinitox (www.clinitox.ch) oder dem Giftpflanzen-Kompendium (www.giftpflanzen.com) ermittelt werden.
Die Eignung von Futterpflanzen für verschiedene Kleinsäuger kann unter Umständen durchaus variieren. Daher ist es sinnvoll, wenn man Anhaltspunkte zu möglichen Futterpflanzen hat. Dabei behilflich sein können entsprechende Bücher oder Webseiten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Zu erwähnen wäre da das Vogelfutterpflanzen-Buch (Schnabl 2002), verschiedene Artikel zum Thema (Honigs 2007; Küpfer 2007; Sistermann 2007; Wilde 2007) aber auch die am Ende dieses Artikels aufgelisteten Pflanzenlisten. Vor dem Verfüttern einer neuen Pflanze sollte allerdings abgeklärt werden, ob nicht bereits Erfahrungen zu der Pflanze bei der Tierart vorliegen, denen man sie verfüttern will. Für diesen Fall können unter Umständen auch artspezifische Fütterungslisten hilfreich sein, welche von verschiedensten Kleinsäugerseiten angeboten werden. Allerdings variiert deren Qualität teils stark und oft findet man auch Angaben, welche auf Gerüchten oder Falschinformationen basieren. Daher ist es wichtig, die Infos kritisch zu hinterfragen, auch mit anderen Quellen zu vergleichen und versuchen die Hintergründe herauszufinden, denn nicht alles, was als giftig bezeichnet wird, ist für die Tiere auch tatsächlich schädlich. Gute Beispiele sind z. B. die Oxalsäure haltige Sauerampfer, welche deswegen in Verruf geriet oder der blähende Klee. Gerade die Sauerampfer findet man in älterer Literatur öfters empfohlen und ebenso wie der Klee ist es eine Frage der Fütterung und der Menge, ob diese Pflanzen vertragen werden.
Autor: D. Küpfer, 21. Dezember 2007