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Laengere Wild-Degubeobachtungen hinsichtl. Sozialverhalten?

 
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SaScha
Fellnase


Anmeldungsdatum: 24.08.2020
Beiträge: 2
Wohnort: D - 7439*

BeitragVerfasst am: 19.01.2021 19:28    Titel: Laengere Wild-Degubeobachtungen hinsichtl. Sozialverhalten? Antworten mit Zitat

Hallo,
ich dachte immer, wenn es das gäbe, dann wäre es schon vielfach zitiert/angeführt worden.
Aber da ich erst kürzlich wieder einen ganzen Infoschatz entdeckt hatte, der praktisch die ganze Zeit ungesehen fertig vorgedacht "unter meiner Nase" gewachsen ist und ich hätte mir mit viel eigene Überlegungen und Nachschlagen die letzten Jahre sparen können ... frage ich jetzt doch mal:

Gibt es eine (oder mehrere) wirklich aussagekräftige Quellen/Artikel/Bücher, in denen jemand ganz bestimmte Degugruppen über eine längere Zeit in der Natur beobachtet hat?
Also so wie zum Beispiel Wildpferdeherden oder Wolfsrudel.
Einzelne Tiere wurden unterschieden (wenn nötig gekennzeichnet) und mitverfolgt, wie sich so eine Gruppe entwickelt. Was der engere Kern ist, wie und ob es eine Zu- oder Abwanderung von Nachbargruppen gab.
Besonders interessant natürlich anlässlich der massiven Probleme in Gefangenschaft in den ersten 2 Jahren auch: was aus den geborenen Jungtieren wurde. Wie endeten Konflikte? Konnte man regemäßige Vertreibungen gerade von halbstarken Männchen und dann solche Zusammenschlüsse wie Junghengstegruppen beobachten? (Und wenn ja, wie ging es für diese weiter?).

Vermutlich ein schöner Traum, oder... vielleicht gibt es ja doch bisschen etwas?

LG Sabine


Zuletzt bearbeitet von SaScha am 19.01.2021 19:34, insgesamt einmal bearbeitet
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SaScha
Fellnase


Anmeldungsdatum: 24.08.2020
Beiträge: 2
Wohnort: D - 7439*

BeitragVerfasst am: 19.01.2021 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

... sorry eigentlich hatte der Beitrag auch ein Thema ("Längere Wild-Degubeobachtungen hinsichtl. Sozialverhalten?"), aber das löscht es mir leider immer wieder raus Sad
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8464
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 20.01.2021 12:00    Titel: Re: Laengere Wild-Degubeobachtungen hinsichtl. Sozialverhalt Antworten mit Zitat

Hallo Sabine,

ich habe es korrigiert. Umlaute werden leider nicht angenommen im Titel. Versuche meinerseits das zu reparieren schlugen leider fehl.

Zitat:

Gibt es eine (oder mehrere) wirklich aussagekräftige Quellen/Artikel/Bücher, in denen jemand ganz bestimmte Degugruppen über eine längere Zeit in der Natur beobachtet hat?

Ich stelle mal die Gegenfrage, was stellst du dir unter Sozialverhalten vor? Weil, es gibt schon Unterschiede zwischen Degus und Wölfe. Bei letzteren Tiere zu markieren und dann ihr Verhalten in einer Gruppe über längere Zeit zu beobachten und dokumentieren ist möglich, bei Degus denke ich, ist das eher schwierig. Dazu kommt die relativ kurze Lebenserwartung der Degus in der Wildnis. Die meisten werden nicht älter als vielleicht 1-2 Jahre, wenn es hoch kommt sind es vielleicht 3-4 Jahre.

Studien gibt es natürlich eine Reihe bei den Degus. Natürlich keine Bücher.
In den 1970er Jahre hatte der Amerikaner Fulk was dazu veröffentlicht im Journal of Mammalogy:

Fulk, G. (1976): Notes on the activity, reproductive and social behavior of Octodon degus. Journal of Mammalogy 57: 495-505.
https://academic.oup.com/jmammal/article-abstract/57/3/495/872273?redirectedFrom=fulltext

In den 1980er und 1990er Jahre gab es dann einige Studien insbesondere von den Chilenen selbst, wobei es da teilweise eher noch um ökologische Beobachtungen ging, das Verhalten bei Prädatorendruck war beispielsweise ein wichtiges Thema, das unter anderem von Le Boulengé und Fuentes beschrieben wurde oder Lagos und Kollegen. Und dann ab dem Jahr 2000 fing das goldene Zeitalter an mit vielen interessanten und tollen Studien. Fast schon ein Feuerwerk, was da publiziert wurde, vieles davon ist auch frei zugänglich in der Zeitschrift "Revista Chilena de Historia Natural":

* Le Boulengé, E. Fuentes, E.R. (1978): Quelques données sur la dynamique de population chez Octodon degus (Rongeur Hystricomorphe) du Chili central. La terre et la vie 32: 325-341.
* Lagos et al. 1995: Microhabitat Use by a Small Diurnal Rodent (Octodon degus) in a Semiarid Environment: Thermoregulatory Constraints or Predation Risk? Journal of Mammalogy 76(3):900–905. Copenhagen. https://academic.oup.com/jmammal/article-abstract/76/3/900/864741
* Vásquez, R.A. (1997): Vigilance and social foraging in Octodon degus (Rodentia: Octodontidae) in central Chile. Revista Chilena Historia Natural 70: 557-563.
* Vásquez et al. (2002): The influence of habitat on travel speed, intermittent locomotion, and vigilance in a diurnal rodent. Behavioral Ecology 13(2): 182–187. https://academic.oup.com/beheco/article/13/2/182/200699

Vieles habe ich eigentlich hier schon vor Jahren dokumentiert:
http://degu.re4.ch/ratgeber/allgemeines_lebensweise.html

Seit da kam allerdings auch wieder viel Neues und Spannendes dazu.

Konkret zum Thema Zu- und Abwanderung erinnere ich mich auch an vereinzelte Studien. Das ist aber wie gesagt bei Degus schwieriger zu machen. Es gab mehrere Studien, da wurden tatsächlich Degus markiert und es gab sogar Studien, da bekamen die Degus einen kleinen Sender und wurden überwacht, wo und wie sie ihre Zeit verbringen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass Degus ziemlich streng tagaktiv sind und die Nacht in ihren Bauen verbringen.
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8464
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BeitragVerfasst am: 30.01.2021 12:45    Titel: Re: Laengere Wild-Degubeobachtungen hinsichtl. Sozialverhalt Antworten mit Zitat

Apropos, ich fand diesen Artikel einer der aufschlussreichsten, um sich die Lebensweise der Degus besser zu verstehen, wie ihre Umgebung überhaupt aussieht:
https://ieb-chile.cl/wp-content/uploads/2019/02/Vasquez_2009_Quercus.pdf

Der Artikel ist zwar auf Spanisch, aber um den Text geht es mir weniger, als um die sehr aufschlussreichen Fotos im Artikel. Man sieht darin die Gangsysteme und oberirdischen Wege, welche die Degus anlegen.

Das hier sind übrigens meine Fotos, die ich gemacht habe von einem Standort, wo wir Degus sahen und mehr noch, vorallem hörten (ihre Warnrufe):
http://www.degupedia.de/wiki/index.php?title=Valle_del_Encanto
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BeitragVerfasst am: 30.01.2021 13:00    Titel: Re: Laengere Wild-Degubeobachtungen hinsichtl. Sozialverhalt Antworten mit Zitat

Beispielhaft dafür, was in Degustudien gerne gemacht wird, ist folgende Studie:

Quirici et al. (2013): Relatedness does not predict vigilance in a population of the social rodent Octodon degus. Acta Ethol. 16: 1-8. doi: 10.1007/s10211-012-0131-3
https://repositorio.uc.cl/xmlui/bitstream/handle/11534/11859/Relatedness%20does%20not%20influence%20vigilance%20in%20a%20population%20of%20the%20social%20rodent%20Octodon%20degus.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Was wurde gemacht? Man hat Degus am westlichen Stadtrand von Santiago gefangen, hat sie mit schwarzer Haarfarbe markiert und dann wieder freigelassen. Dann hat man das Verhalten der markierten Degus beobachtet und dann ausgewertet. Da man hier noch die Verwandtschaft als Kriterium hatte, wurde den gefangenen Degus ein kleines Stück vom Ohr genommen, um es dann genetisch zu analysieren (DNA-Analyse).

Das hier ist eine ältere Studie, bei der der Versuchsaufbau etwas einfacher war. Da wurden einfach Degus beobachtet, wie verhalten sie sich, es wurden Aktivitäten beobachtet, kategorisiert und gemessen. Es wurde da nachgewiesen, dass Degus deutlich weniger Zeit aufwenden um die Umgebung zu überwachen auf Gefahren, wenn die Gruppengrösse steigt, in der sie sich befinden, wenn sie auf der Bodenoberfläche auf Futtersuche gehen.
http://rchn.biologiachile.cl/pdfs/1997/4/Vasquez_1997.pdf
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