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Deguernährung: Neue Erkenntnisse

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8391
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 30.04.2006 00:18    Titel: Deguernährung: Neue Erkenntnisse Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

erst kürzlich habe ich eine interessante Studie gefunden, die die Ernährung verschiedener Säugetiere in Chile vergleicht, darunter auch die der Degus. Damit habe ich endlich das Puzzlestück gefunden zu ersten aufschlussreichen Informationen zur Deguernährung in der Wildnis.

In der Studie werden die Ernährungsinfos in einer grossen, mehrseitigen Tabelle zusammengefasst. Dabei sind wohl die Angaben zusammengeschrumpft worden auf eine kleine Anzahl interessanter Daten, aber immerhin, sie ist schon einmal ein vielversprechender Anfang.

Ich habe die Daten gestern noch ausgewertet und das es für den Degu mehrere Studien gibt habe ich da einen Durchschnitt gebildet und bin dabei auf folgende Werte gekommen.

Der Speiseplan wildlebender Octodon degus setzt sich wie folgt zusammen:

0,0 % Pilze (Hongos)
73,0 % Pflanzen (Tejido vegetal)
25,0 % Samen (Semillos)
0,0 % Früchte (Frutos)
2,0 % Insekten (Insectos)

Diese Daten basieren auf drei Studien.
Anzahl untersuchter Tiere: n = 141 + x (Da bei einer Studie es keine Angaben zur Anzahl gibt habe ich an dieser Stelle das Mittel der ersten beiden genommen, also x = 70,5)

Die Rohdaten

Code:

 n   Hongos Tejido vegetal  Semillos  Frutos Insectos  Fuente
--------------------------------------------------------------
67     0,0        74,5        25,2      0,0      0,3  Messerve (1981)
74     0,0        67,0        32,4      0,0      0,6  Messerve et al. (1983)
ne     0,0        78,0        17,0      0,0      5,0  Glanz & Messerve (1981)


LITERATURA CITADA
-----------------

GLANZ WE & PL MESERVE (1981) An ecological comparison of the small mammal communities in California and Chile. En: Conrad CE & WC Oechel (eds) Dynamics and management of Mediterranean type ecosystems: 220-226. United States Forest Service, Pacific Southwest Forest and Range Experiment Station, Berkeley, California, General Technical Report PSW-58.

MESERVE PL (1981) Trophic relationships among small mammals in a Chilean semi-arid thorn scrub community. Journal of Mammalogy 56: 1-19.

MESERVE PL, RE MARTIN & J RODRíGUEZ (1983) Feeding ecology of two Chilean caviomorphs in a central Mediterranean savanna. Journal of Mammalogy 64: 322-325.


Berechnung

Gewichteter Prozentsatz pro Studie berechnen:

pg = n * p

n: Anzahl Tiere
p: Prozentanteil Futter


Gewichtete Prozentsätze aufsummieren:

sum = pg1 + pg2 + pg3

Neuer Prozentsatz berechnen, Summe der Prozentsätze durch Summe aller Tiere:

pn = sum/ (n1 + n2 + n3)


Resultate

Resultate ohne Berücksichtigung der Studie mit der unbekannten Anzahl untersuchter Degus:

n = 67 + 74 = 141

Pflanzen: 9949,5/141 = 70,563...% -> 70,6 %
Samen: 4086/141 = 28,978...% -> 29,0 %
Insekten: 64,2/141 = 0,4553...% -> 0,5 %

Total: 100,1 %
Korrektur: knappeste Zahl abrunden:
Insekten: 0,4 %

Resultate mit Berücksichtigung der dritten Studie:

Annahme eines Wertes für die Anzahl Degus der dritten Studie:

Da nichts bekannt ist, wird angenommen, dass die Zahl einen Drittel der Gesamtzahl beträgt. Durch Berechnung des Mittelwerts kann diese ermittelt werden:

x = (67 + 74) / 2 = 70,5

Pflanzen: 15 448,5/211,5 = 73,042...% -> 73,0 %
Samen: 5284,5/211,5 = 24,985...% -> 25,0 %
Insekten: 416,7/211,5 = 1,970...% -> 2,0 %

Total: 100,0 %

Fazit

Vereinfacht würde das heissen, ca. 3/4 zellulosehaltige Pflanzenteile, 1/4 Sämereien und etwa 2 % Insekten, wobei diese warscheinlich vernachlässigbar sind, zumal Degus in Gefangenschaft offensichtlich auch ohne tierische Proteine auskommen.

Das ist jetzt allerdings erst das erste Zwischenresultat. Mein ursprüngliches Ziel die Quelle für die 10 % Sämereien zu finden, die so oft zitiert werden, habe ich noch nicht erreicht. Ebenfalls weiss ich noch nicht im Detail was die zitierten Quellen wirklich im Detail herausgefunden haben. Und zusätzlich ist auffällig, dass bei allen Studien Messerve stets mitgewirkt hat. Dadurch fehlt eine unabhängige Studie, die möglicherweise auf andere Zahlen kommt und ebenfalls fehlt ein Vergleich zwischen den verschiedenen Jahreszeiten. Hier ist noch Bedarf zum Nachforschen. Ich werde versuchen weiteres herauszufinden, bis dahin soll das mal als kleine Vorkost gelten. Man darf sich also auf kleinere Änderungen bei den Futterempfehlungen gefasst machen.

Für alle die bis dahin tapfer mitgelesen haben zum Schluss noch die Quelle zum selber nachlesen (etwas Spanischkenntnisse wären allerdings von Vorteil, auch wenn sie für die Tabelle zu lesen nicht nötig sind). Die Publikation lässt sich übrigens bei folgendem Link zusätzlich als PDF herunterladen. Das ist gerade hilfreich für die Lesbarkeit der Tabellen. Diese sind in der HTML-Version nahezu unleserlich.

Quelle:
http://www.scielo.cl/scielo.php?pid=S0716-078X2005000300013&script=sci_arttext&tlng=es

SILVA, SERGIO I. Posiciones tróficas de pequeños mamíferos en Chile: una revisión. Rev. chil. hist. nat., sep. 2005, vol.78, no.3, p.589-599.
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Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 4542
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BeitragVerfasst am: 01.05.2006 18:20    Titel: Re: Deguernährung: Neue Erkenntnisse Antworten mit Zitat

Bei einem so hohen Sämereienanteil (der dann übrigens dem Durchschnittswert des Sämereienanteils europäischer Wildkaninchen in den Sommermonaten entspräche) würde ich erwarten, daß auch der Anteil an ölhaltigen Sämereien sehr viel höher liegt, wie wir bisher von ausgehen.
Wenn also diese Untersuchungen tatsächlich verifiziert werden können, heißt das für uns, wir füttern zu mager!
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8391
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 22.10.2006 00:23    Titel: Re: Deguernährung: Neue Erkenntnisse Antworten mit Zitat

Die Diskussion über Medio Ambiente und spanische Quellen habe ich abgetrennt und befinden sich nun in folgendem Artikel:
http://www.degupedia.de/forum/viewtopic.php?t=400
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