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Wiesenfütterung - Einseitigkeit durch großes Angebot?

 
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DaLo
Lästermaul


Anmeldungsdatum: 05.04.2006
Beiträge: 210

BeitragVerfasst am: 23.08.2013 09:16    Titel: Wiesenfütterung - Einseitigkeit durch großes Angebot? Antworten mit Zitat

Hallo,

mich treibt seit einiger Zeit eine Frage um, die ich hoffentlich verständlich formuliert bekomme. Confused
Es heißt ja, dass es am optimalsten ist, wenn man den Kaninchen so große Mengen an Wiese zur Verfügung stellt, dass sie frei selektieren und wählen können. Ich nehme jetzt mal den Idealfall an, dass die Kaninchen immer und stets in unbeschränkter Menge aus z.B. 50 verschiedenen Pflanzen wählen können. Jetzt frage ich mich, wie das in der Praxis aussieht. Kann es sein, dass die Kaninchen sich dennoch durchweg (da sie die freie Auswahl haben) nur auf meinetwegen 5 Pflanzen beschränken und die anderen 45 ignorieren? Sich also letztlich durch die freie Wahl einseitiger ernähren?

Auf den Mensch übertragen. Ich habe einen übervollen Teller, der dreimal zum satt werden reicht. Also suche ich mir nur die beliebten Speisen aus. Würde aber die gesamte Menge gerade zum satt werden reichen, würde ich auch den Spinat essen Wink.

Oder darf man so nicht denken, da Tiere viel vernünftiger als der Mensch agieren, was ich aber eigentlich nicht glaube.

Gruß, Dagmar
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suntrek
Lästermaul


Anmeldungsdatum: 09.03.2013
Beiträge: 242
Wohnort: Bielefeld

BeitragVerfasst am: 23.08.2013 11:40    Titel: Re: Wiesenfütterung - Einseitigkeit durch großes Angebot? Antworten mit Zitat

Ich gebe ja immer meisten über 50 Pflanzen und meine fressen die meisten davon auch wenn nicht alle Pflanzen der einzelnen Pflanze gefressen werden. Nur manche Pflanzen wie z.B. Rainfarn wird nur wenn sie es brauchen gefressen.
_________________
Mit freundlichen Grüßen Jasmin und ihr tierischer Anhang.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8515
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 23.08.2013 12:49    Titel: Re: Wiesenfütterung - Einseitigkeit durch großes Angebot? Antworten mit Zitat

Ich sage es mal so, vergleich die Kaninchen mal mit dir und deinen Vorlieben. In der Regel wirst du wahrscheinlich auch eine Handvoll Speisen haben, die du bevorzugst bei freier Wahl. Es gibt aber immer wieder Momente, da hat man zwischendurch gerne was anderes, oftmals braucht man es auch nicht in grossen Mengen. Biologisch gesehen könnte/dürfte das mit dem Körper zu tun haben, der ein Verlangen nach einem Stoff hat, z.B. eine Aminosäure, ein Mineral oder ein Vitamin usw. das wir zu wenig mit unserer Nahrung aufnehmen, aber in einem gewissen Lebensmittel häufiger vorkommt. Durch grosse Vielfalt und eben auch genug sogenannte problematische oder (leicht bis mittel) giftige Pflanzen, die normalerweise kaum gefressen werden, ist eben diese Abwechslung und Ausweichmöglichkeit vorhanden.

Apropos was auch interessant ist, das mal durchzuführen, wenn du Nüsse magst, so viele Nüsse über eine Zeit lang zu essen, wie du magst. Ich wette mit dir, nach einer gewissen Zeit kannst du die eine oder andere Nussart nicht mehr sehen - pausiere und überprüfe dein Appetit auf Nüsse in regelmässigen Abständen und ich wette, nach einer gewissen Zeit wirst du sie eher wieder mögen. Beim Ganzen gibt es also offensichtlich einen relativ einfachen Regulationsmechanismus über den Appetit, der angeregt wird, wenn man die Nüsse braucht und der gebremst wird, wenn man schon genug Nüsse gegessen hat.
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Manche Menschen sind Steine und manche sind Otter.
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Andreas
Kaninchen würden Wiese kaufen


Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 24.08.2013 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dagmar,

wenn ich manche Beiträge mit Listen von Pflanzen sehe, die angeblich verfüttert werden, habe ich den Eindruck, als handele es sich um einen Wettbewerb: wer bietet mehr? Vieles ist schlicht unglaubwürdig, weil Pflanzen nun mal unterschiedliche Wachstumszeiten und auch Standorte haben. Bei manchen "Selbstdarstellern" scheinen Frühling, Sommer und Herbst zusammen zu fallen...

Ich nutze mal ein Beispiel von Turcek & & Stiavnica, die aus Beobachtungen den Verzehr von Pflanzenarten durch Wildkaninchen feststellten:
- sehr häufig oder bevorzugt befressen: 26 Arten
- regelmäßig befressen: 22 Arten
- wenig, selten oder nur örtlich befressen: 24 Arten

Das macht in Summe über das Jahr 72 verschiedene Pflanzenarten. Es liegt auf der Hand, dass diese 72 Arten nicht zu jedem Zeitpunkt des Jahres zur Verfügung stehen und gefressen werden (können).

Das sind als Beispiel jene Arten, die als "sehr häufig oder bevorzugt" angegeben wurden. Das dürfte so mancher besorgten Tierhalterin den Schweiß auf die Stirn treiben, ist jetzt aber nicht das Thema... Wink
Bergulme
Gewöhnlicher Spindelstrauch (Europäisches Pfaffenhütchen)
Gewöhnlicher Liguster
Rosskastanie
Schlehdorn
Waldkiefer
Zerreiche
Luzerne
Rispenhirse (Echte Hirse)
Gartenbohne
Roggen
Acker-Kratzdistel
Bibernelle
Gabel-Leimkraut (Gabeliges Leimkraut)
Gemeine Schafgarbe
Gewöhnliche Kratzdistel
Gewöhnliche Wegwarte
Gewöhnlicher Feldrittersporn
Große Brennnessel
Kermesbeeren
Krause Distel
Odermennig
Schwarzer Nachtschatten
Sichelklee (Gelbe Luzerne)
Weißer Gänsefuß
Windenknöterich (Acker-Flügelknöterich)

Es gibt Quellen, die zum Beispiel angeben, dass sich Kaninchen in Südspanien b]vorwiegend[/b] von nur 9 verschiedenen Pflanzenarten ernähren würden, eine belastbare Quelle dafür habe ich aber noch nicht gefunden. Alle Quellen, die sich wirklich mit dem Thema "gefressene Pflanzenarten" beschäftigen, geben wesentlich mehr an. Der Begriff "vorwiegend" heißt aber auch, dass es zusätzlich noch andere Arten gibt, die gefressen werden.

Wie auch immer: die Diversität hängt von der Region und der Verfügbarkeit von Nahrung ab, wobei Kaninchen nach Angaben in der Literatur ihr Habitat eher nach Vorkommen von Fressfeinden als nach Nahrungsqualität auswählen. Das heißt, die Sicherheit hätte Vorrang. Ich kann das auf Grund eigener Beobachtungen nicht wirklich bestätigen. Kaninchen riskieren viel...

DaLo hat Folgendes geschrieben:
Es heißt ja, dass es am optimalsten ist, wenn man den Kaninchen so große Mengen an Wiese zur Verfügung stellt, dass sie frei selektieren und wählen können. Ich nehme jetzt mal den Idealfall an, dass die Kaninchen immer und stets in unbeschränkter Menge aus z.B. 50 verschiedenen Pflanzen wählen können.

Da steckt schon ein Teil der Antwort drin: "Idealfall".

DaLo hat Folgendes geschrieben:
Jetzt frage ich mich, wie das in der Praxis aussieht. Kann es sein, dass die Kaninchen sich dennoch durchweg (da sie die freie Auswahl haben) nur auf meinetwegen 5 Pflanzen beschränken und die anderen 45 ignorieren? Sich also letztlich durch die freie Wahl einseitiger ernähren?

Das hängt von der Qualität dessen ab, was ihnen angeboten wird. Im obigen Beispiel von Turcek sind es über das Jahr 72 Pflanzenarten, aus denen die Tiere frei wählen können. Die meisten Kräuter sind im Winter nicht verfügbar, also wird sich in dieser Zeit die Auswahl auf Gräser, Schößlinge, Laub/Nadeln, Rinde und abgestorbenen Pflanzen beschränken.
Ist im Sommer alter Löwenzahn im Sammelgut, aber junger Klee, wird wahrscheinlich letzterer bevorzugt gefressen. Ist frisches Labkraut vorhanden, wird dieses wohl der alten Luzerne vorgezogen usw. ... Wenn der Halter denkt, dass seine Tiere nur Pflanze X gern frist, weil das mal der Fall war, wird er auch diese immer mitbringen, egal, wie alt und holzig die ist. Manche geben aus Angst eh nur 3 - 5 bekannte und zuverlässig zu bestimmende Pflanzenarten, so lange die noch einigermaßen grün sind.

Mein Hauptaugenmerk liegt nicht so sehr auf den Arten, sondern auf der Qualität - also junge, frische Pflanzen. Da kann dann schon mal der Löwenzahn, Spitzwegerich und Klee deutlich überwiegen, obwohl auch noch andere Pflanzen wachsen. Die sind dann aber eben schon zu alt... Mit Gräsern würde ich die Auswahl an verschiedenen Pflanzenarten im Schnitt auf ca. 20 schätzen. Mal mehr, mal weniger. Außerdem ändert sich natürlich de Zusammensetzung übers Jahr.

Wenn man große Mengen verschiedene Gräser und Kräuter in entsprechender Qualität (hoher Anteil frische, junge Blätter) anbietet, ist zumindest der Bedarf an den so genannten Rohnährstoffen (Eiweiß, Fett, Rohfaser, Wasser und Vitamine) gedeckt. Zusätzlich bekommt das Tier sekundäre Pflanzenstoffe, die in Trockenfuttern in der Regel nicht mehr existent sind. Hinweis dafür sind z. B. Versuche der Futtermittelindustrie, mittels phytogenen Zusatzstoffen wie denen aus Thymian die Gesundheit von Tierbeständen zu verbessern. Mit Erfolg... Wink Das, was da zugesetzt wird, ist das, was bei der Ernte, Lagerung und Verarbeitung der Grundstoffe für Trockenfutter verloren gegangen ist oder von Anfang an gar nicht vorhanden war. In der Regel sind es leicht verderbliche Verbindungen wie Amino- und ungesättigte Fettsäuren, wasserlösliche Vitamine etc. Das, heißt, man muss nicht unbedingt Thymian füttern, weil dessen Inhaltsstoffe auch in anderen Pflanzen vorhanden sind.

Die Untersuchungen zum Wert sekundärer Pflanzenstoffe stehen noch relativ am Anfang, aber es ist schon jetzt klar, dass er mehr als unterschätzt wird. So wurde die Wirkung der Furocumarine wie z. B. Bergapten und Imperatorin im Bärenklau als krampflösend bzw. -verhindernd klinisch nachgewiesen. Diese Pflanze wird schon seit dem Mittelalter in der Volksheilkunde z. B. bei Epilepsie eingesetzt... Man versucht, diese Stoffe zu gewinnen und einzusetzen, weil die Nebenwirkungen nicht so verheerend sind wie die der derzeit eingesetzten Medikamente. Vor allem für Kinder ud Jugendliche sind die katastrophal, weil sie in der Wachstums- und Lernphase extrem eingeschränkt werden. Aber wie wir wissen: das letzte Wort hat die Pharmaindustrie.

Fakt ist, dass Kaninchen nach Bedarf und Geschmack fressen - also nicht anders als jedes andere Säugetier. Ist die Qualität schlecht, fressen sie weniger und versuchen, anderweitig den Bedarf zu decken. Bis zu einem gewissen Grad ist das möglich. Beispiel: Heu und Gemüse. Es darf nur nichts dazwischen kommen. Bei arttypischer Ernährung können Kaninchen ein stabiles Immunsystem aufbauen und Krankheitserreger abwehren. Auch Parasiten werden damit nieder gehalten. Ist die Nahrung suboptimal, müssen Medikamente dieses Defizit gewissermaßen bekämpfen. Aber die meisten bekämpfen ja nur Symptome. Die Ursache ist immer noch da. Man schaue sich mal die Empfehlungen mancher Tierärzte im Krankheitsfall an - da kommen auf einmal Dinge ins Spiel, die andere ganz normal das ganze Jahr über füttern Smile

DaLo hat Folgendes geschrieben:
Oder darf man so nicht denken, da Tiere viel vernünftiger als der Mensch agieren, was ich aber eigentlich nicht glaube

Manchmal werden Fragen gestellt, die man nur mit einem Buch beantworten könnte Wink

Kaninchen sind nachweislich in der Lage, das Aminosäueremuster in der Nahrung zu erkenen und die Aufnahme von Futter entsprechend zu regulieren. Sie unterscheiden zwischen "Bio" und "Koventionell" angebautem Futter. Sie nehmen in bestimmten Situationen bestimmte Stoffe auf, die sie normalerweise nicht fressen. Sie selektieren aus einem pelletierten, verdorbenen Futter die "sauberen" Pellets... Das alles hat nichts mit "Vernunft" zu tun. Gewöhnlich wird es als "Instinkt" bezeichnet. Einerseits sind es erworbene Fähigeiten, anderseits erlernte und außerdem ist es das "Gehorchen" auf Körpersignale. Das ist beim Menschen prinzipiell das Gleiche.

Was ich aus eigener Beobachtung sagen kann ist, das Hauskaninchen bei weitgehend arttypischer Nahrung genauso fressen, wie die Wildtiere. Völlig normal, ohne Schlingen oder andere abnorme Verhaltensweisen.


Quelle: Turcek, F. & Stiavnica, B. (1959): Beitrag zur Kenntnis der Fraßpflanzen des Wildkaninchens, Oryctolagus cuniculus (Linne, 1758), in freier Wildbahn. Säugetierkundliche Mitteilungen 7. 151-153
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suntrek
Lästermaul


Anmeldungsdatum: 09.03.2013
Beiträge: 242
Wohnort: Bielefeld

BeitragVerfasst am: 24.08.2013 22:25    Titel: Antworten mit Zitat

Andreas hat Folgendes geschrieben:

Das sind als Beispiel jene Arten, die als "sehr häufig oder bevorzugt" angegeben wurden. Das dürfte so mancher besorgten Tierhalterin den Schweiß auf die Stirn treiben, ist jetzt aber nicht das Thema... Wink
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Kermesbeeren
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Odermennig
Schwarzer Nachtschatten
Sichelklee (Gelbe Luzerne)
Weißer Gänsefuß
Windenknöterich (Acker-Flügelknöterich)


Ich muss mal sagen das diese Artenauswahl mir zum Großtteil bekannt vorkommt. Denn viele Pflanzen davon frisst Max auch häufig und gerne das wären Gartenbohne, schwarzer Nachtschatten, große Brennessel, Windenknöterich, Odermenning, weißer Gänsefuß, Odermenning, krause Distel, Wegwarte, Kratzdistel, Gewöhnliche Schafgarbe, Bibernelle, Acker-Kratzdistel, Roggen, Rispenhirse (habe ich im Garten angebaut für die Wellis eigentlich) und Waldkiefer.
Das sind die Arten die ich anbieten kann von der Auswahl also hier finde. Die anderen außer die Rosskastanie habe ich hier nicht.
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Mit freundlichen Grüßen Jasmin und ihr tierischer Anhang.
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Schlappohr
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Anmeldungsdatum: 15.02.2013
Beiträge: 360

BeitragVerfasst am: 25.08.2013 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Kaninchen haben alle paar Tage andere Vorlieben.
Die Pflanzenwelt ändert sich auch so schnell, dass es ständig anderes Futter gibt.
Ich fütter zwar ca. 50 verschiedene Pflanzen pro Tag, aber nur wenige Arten werden davon in größeren Mengen gefressen. Je nachdem wo ich sammel, ist die Zusammensetzung auch anders und täglich werden Pflanzen, die nicht mehr gefressen werden durch andere ersetzt.

Die letzte Woche über haben meine Kaninchen zu 70% Sonnenblumenblätter und Ringelblumen gefressen. Gestern wurde davon kaum noch etwas gefressen und heute waren die beiden Pflanzen unberührt, dafür wurde ganz viel Dill, Winde, Breitwegerich und Löwenzahn gefressen.

Meist gibt es hier 2-5 Pflanzen, die über ein paar Tage besonders viel gefressen werden und alle anderen Pflanzen werden nur minimal gefressen.
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davX
Team


Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8515
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 25.08.2013 20:27    Titel: Re: Wiesenfütterung - Einseitigkeit durch großes Angebot? Antworten mit Zitat

Ich finde gerade die Betonung der Qualität des Futters ein absolut zentraler Punkt.

Was bringt es, wenn ich sagen wir dutzende verschiedene Pflanzen anbiete, aber das meiste davon hat eine Qualität, die vom Nährwert und dem Gehalt von Vitalstoffen, Aminosäuren (insb. auch dessen Verhältnis usw.) her minderwertig ist?

Was die Selektion angeht, könnte man eigentlich eine Reihe von Freilandstudien hier mal etwas genauer unter die Lupe nehmen, dabei ist es unerheblich, ob es nun tatsächlich Kaninchen sind, oder Degus oder sonst ein pflanzenfressender Kleinsäuger... die Muster sind eigentlich oft sehr ähnlich: meistens gibt es ein paar wenige Arten, die werden saisonal oder übers Jahr durch in grossen Mengen gefressen, während viele andere Arten in eher kleineren bis kleinen Mengen konsumiert werden. Oft sind in solchen Studien 20-50 oder noch mehr Pflanzen, die gefressen werden, je nach Genauigkeit und Aufwand, der getrieben wird. Grundsätzlich je genauer und detaillierter die Analyse und je grösser die untersuchte Anzahl der Tiere und das untersuchte Gebiet, desto grösser die Vielfalt und desto näher dürfte das Resultat auch an der Wirklichkeit sein. Im kleinen Rahmen angelegte Studien haben nämlich das Manko, dass sie nur einen räumlichen und/oder zeitlichen Ausschnitt zeigen.

Ich habe hier mal etwas Informationen zur Ernährung von Chinchillas und Degus zusammengetragen, die vielleicht auch interessant sein dürfen, was das Thema Vielfalt und Menge angeht - gerade beim Degu habe ich das dank besseren Daten etwas ausführlicher gestalten können als bei den Chinchillas:
http://www.degupedia.de/wiki/index.php/Nahrung_der_Wildchinchillas
http://www.degupedia.de/wiki/index.php/Nahrung_der_Wilddegus
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Sabine
Nager-Erforscher


Anmeldungsdatum: 09.04.2013
Beiträge: 24
Wohnort: Riegelsberg

BeitragVerfasst am: 28.08.2013 13:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hm.


Andreas hat Folgendes geschrieben:
... manche Beiträge mit Listen von Pflanzen sehe, die angeblich verfüttert werden, habe ich den Eindruck, als handele es sich um einen Wettbewerb: ...


... ich denke da auch oft "die Tastatur hält still ...". Also ich habe zwar noch nie bewusst gezählt, bin aber sicher, dass ich definitiv nicht ganzjährig auf 50 verschiedene Pflanzenarten pro Tag komme ... ich würde sogar behaupten, 50 sind es an einem einzigen Tag des Jahres.

Was mir allerdings sehr stark auffällt, ist dass der Artenreichtum auf den Wiesen seit meiner Kindheit _deutlich_ zurückgegangen ist. Die Gründe sind ja bekannt. Häufiges Mähen, Düngen, intensives Bewirtschaften eben.

Ich pflanze eben zusätzlich im Garten, was geht, bzw. lasse es dort wachsen.

Und ich kreise sehr oft um die Gedanken, dass wir - welche Tiere wir auch als "Haustiere" halten - wir immer nur einen mehr oder weniger guten Kompromiss zustandebringen. Man kann versuchen, der Natur so nahe wie möglich zu kommen - aber man kommt niemals wirklich heran. Wollte man es perfekt, müsste man auf Tierhaltung vollständig verzichten. Und da will ich gar nicht hin - aber "nah dran" sollte es doch möglichst sein.

In Deiner Auflistung, Andreas, ist mir die Gartenbohne ins Auge gesprungen. Hey - davon habe ich gerade jede Menge im Gemüsegarten ... ich war noch nie auf die Idee gekommen, den Kaninchen etwas von den Blättern zu geben.

By the way - weiß wohl jemand, wie es mit wildem Wein ist (Blätter)?

Bei uns ist eine dumme Sache, dass die Wiesen jetzt schon pilzig werden (Grün wird mehltaufleckig oder rostrot pilzig) und ich gehe immer weiter und suche immer länger, um meinen Korb voll zu bekommen. Wir liegen im Bachtal und da ist es sehr feucht. Es gibt hier im weiteren Umkreis auch keine Wildkaninchen.
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Andreas
Kaninchen würden Wiese kaufen


Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 28.08.2013 21:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sabine,

Zillig, 1934 hat Folgendes geschrieben:
Das Wildkaninchen richtet in den Weinbergen der Untermosel erhebliche Schäden an und macht sich seit einigen Jahren auch an der Obermosel als Rebschädling bemerkbar.
Quelle: Zillig, H. (1934): Das Wildkaninchen als Rebschädling an der Mosel und in den übrigen deutschen Weinbaugebieten. Journal of Pest Science Vol. 10, 7. 80-83


Mangold & Fangauf, 1950 hat Folgendes geschrieben:
Buschbohnenkraut wird in jungem Zustand sehr gern gefressen (Fraßschäden durch Wildkaninchen in Gärten!). Da sie meist nur in ausgereiftem Zustand zur Verfügung stehen, sind sie nur im Gemisch mit anderem Grünfutter zu verwenden. Bei Futternot ein durchaus brauchbares Kaninchenfutter. [...] Bohnen (sowohl Acker- wie auch Speisebohnen) werden ganz oder geschroten im allgemeinen schon nach kurzer Gewöhnung gut angenommen. Der Verzehr beträgt 30-40 g je Tier und Tag.[...] Weinranken können unbedenklich verfüttert werden, aber nicht zuviel, sondern als Beifutter. Sie werden nicht sehr gern gefressen.
Quelle: Mangold, E.; Fangauf, R. (1950): Handbuch der Kaninchenfütterung. Radebeul: Neumann Verlag GmbH

Anm.: Buschbohne = Gartenbohne

freundliche Grüße,
Andreas
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Sabine
Nager-Erforscher


Anmeldungsdatum: 09.04.2013
Beiträge: 24
Wohnort: Riegelsberg

BeitragVerfasst am: 29.08.2013 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Andreas hat Folgendes geschrieben:
Anm.: Buschbohne = Gartenbohne


... danke Andreas (einfach immer wieder schön, dass gleich alles mit Quellen belegt ist Wink)!

... wir haben Stangenbohnen, aber das wird ja zu Buschbohnen keinen Unterschied machen ... wird also (inkl. Weinblättern) mal als Beigabe ausprobiert Smile.
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Andreas
Kaninchen würden Wiese kaufen


Anmeldungsdatum: 27.02.2009
Beiträge: 1228

BeitragVerfasst am: 30.08.2013 21:16    Titel: Antworten mit Zitat

Sabine hat Folgendes geschrieben:
...immer wieder schön, dass gleich alles mit Quellen belegt ist...

keine halben Sachen... Wink

Sabine hat Folgendes geschrieben:
... wir haben Stangenbohnen, aber das wird ja zu Buschbohnen keinen Unterschied machen ...

Gartenbohne = Buschbohne = Stangenbohne

freundliche Grüße,
Andreas
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Schlappohr
Freak


Anmeldungsdatum: 15.02.2013
Beiträge: 360

BeitragVerfasst am: 31.08.2013 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Auf diesen Bildern sieht man gut, dass das Futterangebot in den unterschiedlichen Jahreszeiten sehr variiert. Eine einseitige Ernährung ist somit gar nicht möglich.

Futter im Frühjahr:



Futter im späten Sommer:
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