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Herstellung von Grünmehle und Luzernegrünmehl

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8492
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 09.06.2013 09:01    Titel: Herstellung von Grünmehle und Luzernegrünmehl Antworten mit Zitat

Huhu,

das Thema wurde kürzlich erwähnt, ich will daher hier etwas genauer darauf eingehen.

So ist bemerkenswert, dass die Luzerne für das Grünmehl zu Pellets gepresst wird... es ist letztlich ein wirtschaftlicher und logistischer Schritt, um die Luzerne platzsparend zu transportieren. Die Pellets werden im Futtermischwerk dann wiederum zermahlen und mit den übrigen Komponenten gemischt, woraus dann die Pellets gepresst werden.

Eine interessante Info dazu fand ich beim Nöseberger Strukturmüsli:

Zitat:

Ein Hauptbestandteil der meisten handelsüblichen Pellets ist die Luzerne. Jeder verantwortungsvolle Futtermittelhersteller kennt die wertvollen Inhaltsstoffe dieser Pflanze. Um sie preiswert über weite Strecken transportieren zu können, wird die Luzerne am Erntestandort gehäckselt, heißluftgetrocknet, zermahlen und pelletiert. Hammermühlen zerschlagen die für unsere Kaninchen so wertvollen Strukturen zu einem Schrot.

Bei den Futtermittelfirmen angekommen, werden die Luzernepellets dann erneut zermahlen, um mit anderen mehligen Komponenten gemischt zu werden. Bei dieser zweiten Zermahlung zerfällt die Luzerne zu feinstem Mehl, dem Luzernegrünmehl.

Quelle: http://www.noesenberger-kaninchenfutter.de/seiten/ueber-uns/enterocolitis.php


Leider ist es nicht ganz einfach detailliertere Informationen im Internet zu finden und mein Mischfutterbuch habe ich zur Zeit nicht hier. Aufschlussreich ist jedoch ein Patent, was so möglich ist, in der Grünmehlherstellung:
http://www.patent-de.com/19991021/DE19817028A1.html

Vorab muss ich hier noch sagen, ein Patent kann gängige Praxis sein bei einer Firma, die ihr bewährtes Verfahren schützen will, genauso gut, kann es sich aber auch auf ein Patent auf Vorrat handeln, das eine Möglichkeit beschreibt, die letztlich aber nicht umgesetzt wird, technisch aber machbar wären.

Zitat:

Die Lösung besteht darin, daß das Grünfutter zuerst in einer Grünfutterpresse entsaftet wird und die darin erzeugte feuchte Preßmasse in einem Trommeltrockner nachgetrocknet wird und das so erzeugte Trockengut in einem Zyklon entstaubt wird und danach dem Zerkleinerer zugeführt wird und das darin entstehende Grünmehl in der Trockenfutterpresse zu Preßlingen, wie Tabletten oder Briketts, verdichtet ausgeformt wird.

Durch das Vorschalten der Grünfutterpresse können unterschiedliche Grünfutterarten, insbes. auch Frischfutter ökonomisch entsaftet werden, wodurch für die Nachtrocknung ein wesentlich geringerer Energieaufwand benötigt wird. [...]

http://www.patent-de.com/19991021/DE19817028A1.html


Doch was passiert mit dem ausgepressten Saft? Dazu gibt die Patentbeschreibung etwas weiter unten im Text ebenfalls Auskunft:

Zitat:

Der abgepreßte Grünsaft dient der Fütterung von Tieren ebenso wie die Waschflüssigkeit des Naßwäschers, in der sich die ausgeschiedenen Staubpartikeln anreichern, als Tierfutter Verwendung findet.

Quelle: Ebenda


Nach dem Entsaften wird das ausgepresste Grünfutter also getrocknet, was in der Beschreibung des Patentes hier mittels Brenner erzeugter heisser Luft, welche in Form eines Injektionsluftstrahls in den Trommeltrockner eingelassen wird. Danach gelangt das getrocknete Futtergut in einen Zyklon (Fliehkraftabscheider), in dem im Beispiel hier eine weitere Trocknung und eine Trennung von Staub und gröberer Partikel geschieht, aus letzterem wird das gereinigte/entstaubte Trockengut gewonnen. Danach wird dieses einem Häcksler zugeführt, es entsteht Grünmehl. Auch dieses wird nochmals von einem Zyklon respektive Fliehkraftabscheider in grobes und feines Trockengut getrennt, ersteres gelangt in ein Futtersilo, letzteres verbleibt in der Abluft. Diese wird abgeführt und mittels Kondensator und Nasswäscher gereinigt, bevor sie durch ein Kamin abgelassen wird.

Und was geschieht mit dem entstaubten Trockengut? Es wird zu Pressfutter verarbeitet:

Zitat:

Das getrocknete Feingut, das Grünmehl, wird am unteren Austritt des Silos durch eine Presse geleitet, in der Preßkörper in Form von Tabletten oder Briketts daraus hergestellt werden, welche mit einem Gebläse oder einem Elevator in einen Preßkörperspeicher überführt werden. Dieser ist vorzugsweise mit Rostböden ausgerüstet, so daß loses, sich ablösendes Feingut abgesiebt wird. Dieses Feingut wird in einem Nebenstrom in die Zuleitung des Zyklons des Silos eingeleitet und somit recycelt. Am unteren Auslauf des Preßköperspeichers ist eine Verpackungsvorrichtung angeordnet, in der beispielsweise Palettenbehälter oder Säcke mit den Preßkörpern gefüllt werden.

Quelle: Ebenda


Herstellungsprozess von Grünmehl
Fassen wir also alles zusammen, dann wird das Grünmehl wie folgt hergestellt:

1. Das Grünzeug wird getrocknet, im Beispiel des Patentes mittels Trommeltrockner und eingelassener heisser Luft, wobei das Patent als Neuheit proklamiert der Sache eine Grünzeugsaftpresse vorzuschalten, um den Flüssigkeitsgehalt auf ökonomische (aber für das Trocknungsgut nicht sehr schonende Weise) zu reduzieren.
2. Mittels Fliehkraftabscheider wird der Staub abgetrennt
3. Das Trockengut wird in einem Häcksler zerkleinert
4. Das Trockengut wird nochmals mit einem Fliehkraftabscheider entstaubt
5. Die staubige Abluft der Fliehkraftabscheider wird in einem Nasswäscher gereinigt.
6. Das entstaubte Trockengut gelangt in ein Silo zur Lagerung bis zur Weiterverarbeitung
7. Das Trockengut wird durch einen Pressvorgang in Briketts oder Tabletten (=Cobs oder Pellets?) gepresst.
8. Der abgepresste Grünfuttersaft und die beim Nasswäscher anfallenden und nun in Wasser gebundenen Stäube werden


Das Ganze lässt sich übrigens durchaus als "umweltfreundlich" bezeichnen, denn was man als ressourcensparend bezeichnen kann, was letztlich auf "umweltfreundlich" verkürzt wird (wobei ich da jetzt nicht weiter ausholen will, dass das Thema umweltfreundlich weit mehr Aspekte u.a. indirekte Faktoren miteinbezieht, als das man dem so gerecht werden könnte) ist letztlich auch aus ökonomischer Sicht interessant. Man spart also letztlich auch Material und Geld, was denn auch sehr klar im Text durchdringt:

Zitat:

Die gesamte Anlage ist äußerst umweltfreundlich, da praktisch nur die Restgase des Brenners und die Feuchtigkeit aus der Preßmasse am Kamin in die Umwelt austreten. Der abgepreßte Grünsaft dient der Fütterung von Tieren ebenso wie die Waschflüssigkeit des Naßwäschers, in der sich die ausgeschiedenen Staubpartikeln anreichern, als Tierfutter Verwendung findet.

Die Trockenfutterpreßlinge lassen sich sehr lange speichern. Sie benötigen ein geringes Lagervolumen und ein geringes Transportvolumen, falls sie einer fernliegenden Futterverwertung zugeführt werden.

Quelle: Ebenda


Zum Thema Kosten bei der Herstellung (v.a. Trocknung) und Heizölbedarf zur Trocknung habe ich noch eine Quelle gefunden, die interessants ein dürfte. Und zwar finden sich in der folgenden Folien-Präsentation auf Seite 9 interessante Infos:
http://www.lfl.bayern.de/aktuelles/40840/schaetzl.pdf

So wird beim Energiebedarf zum "Verdampfen von Wasser" bei Frischfutter (Trockenmasse 17%) ein Verbrauch von 25 l Heizöl pro dt Cobs angegeben, während durch Welkgut (35% Trockenmasse) der Bedarf auf 10 l sinkt.

Zum Thema Zyklon/Fliehkraftabscheider gibt es unter anderem bei Wikipedia noch weiterführende Infos, ich erwähne sie hier zur Ergänzung und als Hintergrundinfo:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fliehkraftabscheider

Offene Fragen:
- Inwiefern gibt es Abweichungen zu der exemplarischen Beschreibung dieses Patents?
- Wie fein ist die Partikelgrösse von Grünmehl? Wie stark variieren diese zwischen verschiedenen Herstellern? Gibt es gewisse Normwerte, die sich zum Beispiel aus praktischen, ökonomischen oder herstellungstechnischen Aspekten ergeben?
_________________
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