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Essbare Gärten statt ölabhängige Landwirtschaft

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8571
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 01.01.2013 22:04    Titel: Essbare Gärten statt ölabhängige Landwirtschaft Antworten mit Zitat

Huhu,

Permakultur ist immer wieder hier ein Thema. Leider ist es nicht ganz einfach mit der Umsetzung ohne entsprechendes Land... zumindest bei mir happert es hier zur Zeit besonders. Dennoch finde ich das Thema enorm wichtig und ich habe letzthin einen wirklich sehr gut gemachten Dokfilm gesehen von BBC, leider ist er nur in Englisch, aber die 48 Minuten lohnen sich absolut!

Hier der Film:
https://www.youtube.com/watch?v=qVBYgg013KM

Als kleine Hilfe will ich hier noch ein paar Stichworte geben:

Der Film zeigt sehr eindrücklich wie abhängig unsere moderne Landwirtschaft vom Öl ist, die Supermärkte, die wir heute haben wären ohne Öl undenkbar, ein Grossteil der Nahrung ist heute importiert. Wenn ich bedenke, dass ich überall immer wieder Fruchtbäume sehe, deren Früchte einfach auf den Boden fallen und nicht genutzt werden, so ist das ein Ausdruck dieses Profitdenkens des Öls, seien es nun Haselnusssträucher oder Kastanienbäume oder Walnussbäume oder gar teilweise Obstbäume hierzulande oder die Mandelbäume, welche ich letzten Herbst in Spanien gesehen habe auf La Palma (Puntagordo) oder El Hierro (La Frontera). Die Ölförderung hat jedoch seinen Höhepunkt überschritten und auch wenn der Rückgang nur sehr leicht ist (ich glaube 2% pro Jahr oder so), so wird es doch ein stetiger Rückgang geben in den nächsten 150 Jahre, welche das Öl mehr und mehr verteuern wird und die enormen Mengen an Öl lassen sich nicht einfach mit Agrotreibstoffe ersetzen, denn die Mengen dazu sind viel zu gross, auch alternative Energien werden grosse Mühen haben, gerade in der Landwirtschaft einen Ersatz zu bieten, dazu werden sie wohl nicht ausreichen, es wird in Zukunft ein Umdenken geben müssen und eine andere Form der Bewirtschaftung, die einerseits wieder mehr Menschen und Bauern brauchen wird, die andererseits aber schonender mit den Böden umgeht und ohne künstliche Düngemittel auskommt und wohl den Einsatz von Maschinen stark reduzieren muss. In welche Richtung es gehen könnte, genau damit beschäftigt sich dieser Film ebenfalls.

Am Anfang steht eine Farm, die sehr extensiv bewirtschaftet wird und von Ziegen, Rinder und anderen Haustieren genutzt wird. Der Boden ist sehr lebendig und reich an Organismen, das Gras selber ist nicht vergleichbar mit anderen Farmen, denn es ist ein regelrechter, artenreicher Grasfilz, welcher den Boden zuverlässig schützt und den Weidetiere Nahrung bietet. Die Bauern, welche die Farm bewirtschaften verwenden keine Maschinen ausser einen Quad. Eines der Geheiminsse besteht darin, dass der Boden nicht gepflügt wird. Dadurch bleibt der Boden intakt, doch dazu brauchte es erst auch mal einen guten Boden, der aufgebaut werden muss. Durch das Pflügen wurden zahlreiche Böden über die Jahre immer artenärmer und lassen sich letztlich nur noch durch gezielte Düngungen aufrechterhalten.

Doch mit Viehwirtschaft alleine kann man kein Land wie Grossbritanien ernähren, es braucht auch Feldfrüchte, Gemüse und Co. Dazu gibt es die Permakultur und die Waldgärten. Im Film kommt dann unter anderem auch der Permakultur- und Waldgarten-Experte Patrick Withfield zu Wort, aber auch andere erfahrene Leute und es werden auch Farmen vorgestellt, die Permakultur praktisch betreiben.

Noch eine wichtige Sache sind schliesslich die Nutzung der Bäume und Hecken, was eben mit der ganzen Waldgartenidee auch gemacht wird, wir aber gerade hier im Forum unter dem Begriff "schnaiteln"/Scheitelfutter oder Laubwirtschaft mehrere Male angesprochen hatten. So werden die bislang wenig beachteten Hecken aufgewertet zu ertragreichen Lebensräumen, die produktiver sind, als das Land, welches sie umgibt. Das Laub ist beliebt bei dem Vieh, die Blätter lassen sich nutzen für Salate oder Suppen, die Beeren sind essbar und lassen sich teilweise auch verarbeiten zu Marmelade usw. und teilweise werden auch Knospen, Blüten oder die Rinde der Sträucher genutzt, je nach dem.

Alles in allem finde ich den Film einen grossartig gemachten Augenöffner, der sehr viele Themen anspricht und näher bringt und der vor allem auch Anhaltspunkte gibt, in welche Richtung es gehen soll, wenn man sich für diese Themen interessiert und nach weiteren Informationen und Anregungen sucht.

Ach ja, auch vorkommen tun die alten Zeiten, damals nach dem Krieg, als Selbstversorgergärten einen grossen Teil der Bevölkerung ernähren mussten, ein Modell, das in der Zukunft wieder an Bedeutung gewinnen könnte, aber auch wie vor der industriellen Revolution die Äcker bestellt wurden: mit Pferden und anderen Tieren. Doch dahin wolle man nicht mehr zurück, so die Meinung des Films. Ich bin mir da aber nicht so ganz sicher, denn in Deutschland gibt es heute noch Leute, welche genau diese Form der Landwirtschaft pflegen, mit starken Pferden mähen sie Streuobstwiesen, ernten Feldfrüchte usw. Als "Starke Pferde" sind diese Tiere bekannt... sicher wird das vermutlich auch in Zukunft eher eine Nische bleiben, aber anstatt Landwirtschaft und Pferdehaltung immer weiter von seinem gemeinsamen praktischen Nutzen zu trennen, wäre es doch sinnvoll, hier wieder anzufangen, diese beiden Richtungen zusammenzuführen und ich bin mir sicher, dass Pferde auch in Zukunft ihre Freunde finden werden, die dann aber daran Interesse haben dürften, das Praktische mit dem Nützlichen zu verbinden. Gerade im Tourismus könnte es zum Beispiel auch interessant sein, Interessenten einen Einblick zu geben in die traditionelle Bewirtschaftung der Felder mit Pferden oder mit Kursen zur weiteren Verbreitung beizutragen und das Einkommen des Hofs auf eine breitere Basis zu stellen.

Ach ja, noch etwas, wir hatten es in der letzten Zeit öfters vom Mensch-Tier-Verhältnis, das in gewissen Kreisen seltsame Blüten treibt. Das hier ist auch so ein Beispiel eines Mensch-Tier-Verhältnis, das aber ganz praktischerweise es versteht das Nützliche mit dem Guten zu vereinen. Eine nachhaltigere Welt mit mehr Biodiversität, in der es nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen besser geht.
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