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"Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirklich a

 
   Degupedia-Forum » Tierhaltung artgerecht » "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirklich a Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
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atropa belladonna
Freak


Anmeldungsdatum: 02.12.2008
Beiträge: 1252

BeitragVerfasst am: 01.11.2009 21:53    Titel: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirklich a Antworten mit Zitat

Was ist für Euch gute Heimtierhaltung? Worauf kommt es an?

Ich stelle mir diese Frage schon ziemlich lange. Ich habe sehr viele Degus und halte diese nach Ansichten mancher (zumeist frischgebackener und über-engangierter) Deguhalter vermutlich alles andere als artgerecht ["vermutlich" deswegen, weil ich noch keinen von ihnen zu mir eingeladen und um ihre Meinung gebeten habe].

Ich gebe zu, dass ich mitunter noch die ganz alten Volieren mit noch nichtmal einem Quadratmeter Grundfläche benutze. Shocked Und darin sitzen dann zu allem Überfluss auch noch Degus, die diese Voliere schon seit rund sieben Jahren ihr Zuhause nennen. Shocked Also fast ein Fall für den Tierschutz *ironie*

Nein ernsthaft. Die Arten der Degubehausungen sind bei mir wirklich alles andere als gerecht verteilt: manche haben zu zweit sehr viel Platz, andere weniger. Manche Degus halte ich einzeln. Manche Degus halte ich eine Weile in Hamsterknästen, weil sie meinen, einen Egotrip schieben zu müssen und alles verbeißen, was ihnen in die Quere kommt. Freilich: die Sache mit dem Hamsterknast ist eine Übergangslösung. Lange hat ein Tier in SO einem Winzkäfig bei mir noch nie gelebt, denn auf kurz oder lang wird ein größerer Käfig frei oder die Sache erledigt sich durch einen Sinneswandel (sprich: erfolgreicher Re- oder Neuvergesellschaftung).

Oft genug habe ich mich aber gefragt, ob es nicht besser wäre, einige Degus abzugeben. In ein anderes Heim, wo sie mehr Platz hätten und wo meine Solisten vielleicht sogar nen netten Freund oder ne nette Freundin finden und nicht mehr alleine sind. Manchmal kommen solche Gedanken durch. Aber dann frage ich mich zum einen: wollen die das überhaupt?

Ich habe noch nie ein Tier aus meinem Bestand abgegeben. Alle Tiere, die ich aufnahm, blieben bei mir bis zu ihrem Tod.

Ich gehe mit meinen Tieren auch nicht immer sehr freundlich um. Es gibt auch schon mal mächtig Ärger, wenn die Damen und Herren Sklaventreiber meinen, ihre Meinung durchdrücken zu müssen. Selbst gegen den Mausekäfig flog schon mal ein Schuh, weil Opa Maus denkt, er könne morgens um sieben Uhr am Wochenende gitternagenderweise eine Nuss einfordern...

Auf der anderen Seite mache ich dann aber folgende Erfahrungen und Beobachtungen:

- ich habe zu all meinen Tieren eine persönliche Bindung, einen "Draht". Ich spüre sehr schnell, wenn etwas mit ihnen nicht in Ordnung ist. Manchem Tierhalter gelingt das noch nicht mal bei einer handvoll Tieren.

- meine Tiere werden immer älter und bleiben zum Teil bis ins hohe Alter hinein ziemlich bis sehr vital

- Zahnprobleme verschwinden bzw. schleichen sich aus

- die Fälle von "vermeidbaren" Krankheiten (dazu zähle ich Erkältung, Magen-Darm-Beschwerden usw.) sind - im Vergleich zur Anzahl der Tiere - aufs Jahr gerechnet schwindend gering. Und

- die Überlebensrate meiner Tiere bei Krankheit hat sich in den letzten Jahren sukzessive gesteigert

- chronisch kranke Tiere kann ich mittlerweile sehr gut versorgen, somit ihre Lebensqualität und -länge etwas positiv beeinflussen

- Neuankömmlinge blühen physisch und psychisch immer auf. Egal wie zurückhaltend und egal mit welcher Vorgeschichte.

Wenn ich andere Geschichten mitbekomme, wo Tiere oft sterben, weil sie medizinisch nicht oder falsch versorgt werden, zwar einen riesigen Käfig haben mit allem Schnickschnack, aber nie Freilauf und kein vernünftiges Futter bekommen...... Ich weiß nicht, was wiegt es auf? Wie seht Ihr das? Was ist für Euch gute Heimtierhaltung ("artgerecht" habe ich mit Absicht nicht geschrieben)?
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Murx Pickwick
Quoten-Kobold


Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 4645
Wohnort: Runkel

BeitragVerfasst am: 01.11.2009 22:42    Titel: Re: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirkli Antworten mit Zitat

Meiner Meinung nach ist folgendes wichtig:
- gute Beobachtung der Tiere, denn nur so kann man überhaupt ein Gespür dafür entwickeln, wie es der Baggage denn heute mal wieder so geht und kann frühzeitig Krankheiten und Streitpunkte erkennen.
- Förderung der Intelligenz, also Beschäftigung ... ne Kaninchengruppe auf einem leeren Fußballfeld zu halten mag zwar möglich sein, ist jedoch für die Kaninchen mit Sicherheit weniger schön wie ne Wohnungshaltung mit Buddelkasten, freien Rennstrecken und am Rand vom Zimmer vielfältige Versteckmöglichkeiten.
- die Möglichkeit, Futter zu erarbeiten. Den Tieren ist nicht gedient damit, daß sie ihr ewig gleiches, abgemessenes Futter in immer den gleichen Futterschalen an genau der gleichen Stelle wie immer bekommen.
- Eingehen auf die Persönlichkeiten der einzelnen Tiere - speziell die Vergesellschaftung ist ein komplexes und sehr schwieriges Thema, ein Vergesellschaften übers Knie gebrochen geht bestenfalls noch mit Kellerasseln und Meerschweinchen, aber bestimmt nicht mit Kaninchen, Chins, Ratten, Degus oder was auch immer ... wenn sich kein passender Deckel für ein hochsoziales Tier finden läßt, kann es durchaus besser für dieses Tier sein, alleine zu bleiben und den Halter als Beschäftigungstherapie zu beanspruchen.
- bei Tieren, welche sich dem Menschen anschließen, persönliche Ansprache und Grenzen setzen - dazu kann durchaus Ausbildung und Dressur zählen. Für einige wenige Tierarten ist eine Ausbildung sogar lebenswichtig für ihr Wohlbefinden.
- das Machbare umsetzen, ohne aus den Augen zu verlieren, daß Tierhaltung nunmal auch bedeutet, Kompromisse einzugehen. Wenn das Leben mit den Tieren nur noch aufs Tier ausgerichtet ist, ist was grundlegend falsch an der Tierhaltung.
- die bestmögliche Ernährung, die nach momentanen Wissenstand machbar ist. Das muß nicht immer heißen, daß die Ernährung dem der Wildtiere entspricht. Ernährung ist halt genau wie Haltung immer ein Kompromiß.
- Tierhaltung auf eine Art und Weise, die Krankheiten vorbeugt, Zahnprobleme erst gar nicht aufkommen läßt etc ...
- Geduld

Das A und O ist jedoch immer noch die Beobachtung. Sicher ist es schön, seinen Degu zwangszuknuddeln, aber nur durch Beobachtung von Degus untereinander und dem Verhalten des Degus einem selbst gegenüber kann man herausbekommen, ob es der Degu überhaupt mag, geknuddelt zu werden. Es soll sogar Meerschweinchen geben, die sehr gerne gestreichelt werden und auf den Schoß genommen werden, trotzdem Meerschweinchen da normalerweise eher sehr reserviert sind und keine Annäherung mögen ...
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davX
Team


Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8544
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 03.11.2009 03:09    Titel: Re: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirkli Antworten mit Zitat

Das Thema ist zweifellos wichtig. Auch ich mache mir viele Gedanken, und vor allem vor ein paar Jahren stellte ich mir viele Fragen, Zweifel usw. Inzwischen hat sich ja einiges gebessert und ich kann auch nicht verschweigen, dass die eigene Erfahrung und der Austausch hier und beispielsweise auch im CB mich sehr in meinen Überzeugungen bestärkt hat. Natürlich muss eine gewisse kritische Sichtweise bleiben, die es erlaubt, das eigene Tun zu hinterfragen und nicht einfach als gegeben und für die Ewigkeit richtig anzusehen.

Was für mich wichtig ist...? Vieles hat Murx eigentlich schon erwähnt, was auch ich für wichtig erachte bei der Tierhaltung. Meine Schwerpunkte liegen bei Beschäftigung, artgerechter, vielseitiger Ernährung und Gehegegestaltung. Durch die Aussenhaltung ist mir jedoch aufgefallen, dass es durchaus noch weitere Aspekte gibt, denen ich bislang zu wenig Beachtung beigemessen habe: das Klima und Sonnenstrahlung beispielsweise. Den Degus scheint es draussen besser zu gehen, selbst bei kühlen Temperaturen, bei "schlechtem" Wetter, also bei Regen und so. Was auch sehr auffällig war, wie sie die Sonne geniessen. Die haben sie draussen natürlich ungefiltert. Das Thema Krankheit hat bei mir dagegen eher geringe Bedeutung, weil ich versuche, es gar nicht soweit kommen zu lassen. Ich habe zwar einige Degus in Vergangenheit durch Krankheiten verloren, aber die Möglichkeiten sind irgendwie doch eher beschränkt, vielleicht fehlt es auch bloss am geeigneten Wissen. Was ich auch hier beobachten kann, die Degus werden älter, allerdings bei meiner geringen Deguzahl von einem Trend zu sprechen wäre vielleicht doch etwas gewagt.

Was das Weggeben von Degus angeht, bin ich auch der Ansicht, dass es gut wäre, die Tiere zu behalten, wenn es möglich ist. Ich hatte einmal Nachwuchs (Ü-Ei), da stand ich vor der Entscheidung, denn der Käfigraum wurde langsam eng. So gab ich dann zwei Tiere ab. Damit blieb es jedoch und was mir wichtig war, ich gab gleichgeschlechtliche ab, zwei Weibchen, während ich ein Männchen und ein Weibchen behielt. Der Hintergedanke, dass die Verantwortung bezüglich neuem Nachwuchs bei mir bleibt. Das Männchen wurde später kastriert und nach kurzer Quarantäne/Einzelhaft erfolgreich in die Gruppe wiederintegriert. In jüngster Zeit war er dann eine sehr wertvolle Hilfe bei der grossen Vergesellschaftung, um die Brücke zum bisher einzeln lebenden Pflegedegu (nachdem die Artgenossen einer nach dem anderen starben), Vana, mein ganz spezieller Degu. Die Aussenhaltung hat ihr nochmals gut getan. Sie ist zutraulich wie noch nie, selbstbewusst und wie und sehr aufgeweckt.
Bei den Pflegedegus war es auch so eine Sache des Entscheidens. Die hätten eigentlich nur vorübergehend bleiben sollen. Am Ende war die Frage, ob sie zurück sollen, die Besitzerin wollte jedoch ihren Bestand reduzieren und hatte, wenn ich mich nicht täusche schon einige der anderen Degus, die bei anderen Deguhalter zur Pflege waren, abgegeben. Wir einigten uns dann darauf, dass sie bei mir bleiben.

Zitat:

- das Machbare umsetzen, ohne aus den Augen zu verlieren, daß Tierhaltung nunmal auch bedeutet, Kompromisse einzugehen. Wenn das Leben mit den Tieren nur noch aufs Tier ausgerichtet ist, ist was grundlegend falsch an der Tierhaltung.

Was mir hierbei in den Sinn kommt, dass eben der Halter selber nicht vergessen werden darf. Wer pflegt die Tiere und kümmert sich um sie und versorgt sie? Der Halter. Er sollte aber nicht zugunsten seiner Tiere wichtige Lebensqualität einbüssen, die ihm letztlich an die Substanz gehen kann, noch soll er sich die Tierhaltung möglichst schwer machen. Es ist letztlich der Kompromiss möglichst das Optimum für Mensch und Tier herauszuholen, so sehe ich das.

Zitat:

ein Vergesellschaften übers Knie gebrochen geht bestenfalls noch mit Kellerasseln und Meerschweinchen

Nope, zumindest auf Dauer möche ich da schon widersprechen, denn auch wenn es zu keinen offenen Aggressionen kommt, darf eines nicht unterschätzt werden, der Stress. Das kann dazu führen, dass ein Tier so stark abmagert, dass es aus der Gruppe genommen bzw. die Gruppe umgestellt werden muss und dadurch der Stressfaktor beseitigt wird. Zudem gibt es bei Degus auch widersprüchliche Angaben. Beispielsweise erwähnte Weir 1970 war das glaubs, dass Degus ohne grosses Geplänkel einfach zusammengeführt werden könnten und in diesem Punkt sehr unproblematisch seien. Das steht im harten Kontrast zu vielen VGs in Foren, auch zu meinen eigenen Erfahrungen. Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass es stark auf die Zucht der Tiere ankommt. Die Degus von Weir kamen aus einer Laborkolonie aus Santiago und wurden vermutlich zuvor schon über Jahrzehnte in Menschenobhut gezüchtet. Dieser Zuchtstamm dürfte daher vermutlich sehr verträglich sein, wie das bei einigen Zuchtstämmen der Fall ist. Selbst bei den sonst relativ unverträglichen Goldhamster gibt es Zuchtlinien, die sehr verträglich sind und beispielsweise zu zweit gehalten werden können. Wobei das alles ändert ja nichts an der Tatsache, dass bei der Vergesellschaftung sehr gut auf die Bedürfnisse der Tiere eingegangen werden soll. Natürlich gehört auch ausprobieren dazu und den Tieren dann etwas Zeit zu geben, dass sie sich aneinander gewöhnen können. Überhaupt ist die Zeit und Geduld vermutlich einer der Schlüsselfaktoren für den Erfolg. Das ist zumindest mein Eindruck. Zwang ist aus meiner Sicht jedoch das genaue Gegenteil, weil es muss was auf die Schnelle hingebogen werden, die Bedürfnisse der einzelnen Tiere bleiben dabei oft auf der Strecke... aber ich denke, damit erzähle ich nichts Neues.

Zitat:

Das A und O ist jedoch immer noch die Beobachtung. Sicher ist es schön, seinen Degu zwangszuknuddeln, aber nur durch Beobachtung von Degus untereinander und dem Verhalten des Degus einem selbst gegenüber kann man herausbekommen, ob es der Degu überhaupt mag, geknuddelt zu werden.

*g* das erinnert mich an die Erzählungen von Nicole über ihren Kuscheldegu, der sich so gar nicht an die Regeln des Klischées hält... Wink
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Wieselchen
Freak


Anmeldungsdatum: 24.09.2008
Beiträge: 254

BeitragVerfasst am: 03.11.2009 11:32    Titel: Antworten mit Zitat

Viel wurde ja nun schon gesagt.
Aber ich finde einen großen Käfig (oder viel Auslauf, oder viel Weidefläche...) auch einfach sehr wichtig. Erst einmal unabhängig von der Strukturierung. Ich sehe, dass die Degus bei den knapp 5 m im Flur endlich mal richtig laufen können. Die 2,5 m im großen Käfig gehen auch noch einigermaßen, grade weil man am Ende nicht stehenbleiben muss, sondern in einem Loch verschwinden kann. Bei Pauls 1,80 m wird es schon kritisch, die 1,55 m auf denen grad zwei Degus sitzen sind zu wenig. Ich habe bei meinen Degus einfach das Gefühl, dass diese Möglichkeit (auch ohne Laufrad) mal ein wenig zu laufen immens wichtig ist.

Wie wichtig die Strukturierung ist, habe ich dieses Wochenende mal wieder sehr klar gemerkt. Nachdem ich dem ganzen Tag Milben im Käfig gejagt habe, reichte die Energie abends nur noch zu einer Notausstattung. Ich war wirklich erschrocken, wie die Käfigfläche gefühlt zusammenschrumpfte, als fast gar nichts drinnen stand. Die Degus hatten nichts zu tun, traten sich auf die Füße und waren super schreckhaft und gefühlt 'grantig'.

Der Punkt ist allerdings, dass man einen sehr großen, leeren Käfig recht einfach in einen tollen Käfig umwandeln kann. Einen kleinen gut strukturierten Käfig hingegen kann man kaum noch verbessern.
Und wenn die Tiere einen riesen, gut strukturierten Käfig und vernünftiges Futter haben, aber einen Halter, der sich ansonsten fast gar nicht um die Tiere kümmert, und auch nicht zum Tierarzt geht, dann haben es die Tiere nach meinem Empfinden besser als welche, in einem kleinen, gute strukturierten Käfig mit einem sehr aufmerksamen, gute beobachtenden Halter sitzen.
Optimal wäre natürlich, wenn alles positive zusammen kommt.

Ansonsten finde ich es auch nicht schlimm Tiere wieder abzugeben. Zumindest die Tiere, die keine enge Bindung zu ihrem Menschen aufbauen. Wenn die eigenen Platz- oder Zeitkapazitäten den Tieren nicht gerecht werden und ich mir sicher sein kann, dass die Tiere anderswo "besser" gehalten werden würden, finde ich es schon legitim. Andererseits ist dann natürlich die Frage, warum derjenige nicht Tiere aufnimmt, denen es noch schlechter geht als bei mir. Hm. Ich glaube, dass muss man einfach abwägen.
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Luder
Freak


Anmeldungsdatum: 29.06.2009
Beiträge: 365

BeitragVerfasst am: 03.11.2009 11:47    Titel: Re: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirkli Antworten mit Zitat

Aber "darf" man denn nur Tiere aufnehmen denen es schlecht geht? Darf ich nicht auch Tiere irgendwo kaufen? Ist das gleich verwerflich?

Mit diesen Gedanken schlage ich mich immer mal rum, weil ich ständig ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich über Züchter oder Zeitungsannoncen nachdenke. Wahrscheinlich liegt es u.a. auch daran, das man halt in Foren unterwegs ist. Ich weiß es nicht.

Ich denke, man darf bei der Tierhaltung auch ein wenig egoistisch sein. Man darf nicht die Pflege und Verantwortung übertreiben und über alles stellen. Es gibt halt auch noch anderes im Leben was wichtig ist.

Natürlich darf man nie die Grundbedürfnisse dadurch vernachlässigen und auch Platz sollte gewisser vorhanden sein.
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atropa belladonna
Freak


Anmeldungsdatum: 02.12.2008
Beiträge: 1252

BeitragVerfasst am: 03.11.2009 13:28    Titel: Antworten mit Zitat

Nur ganz kurz, da ich eben speziell über diese Aussagen gestolpert bin:

Luder hat Folgendes geschrieben:
Man darf nicht die Pflege und Verantwortung übertreiben und über alles stellen. Es gibt halt auch noch anderes im Leben was wichtig ist.


davX hat Folgendes geschrieben:
Er sollte aber nicht zugunsten seiner Tiere wichtige Lebensqualität einbüssen, die ihm letztlich an die Substanz gehen kann, noch soll er sich die Tierhaltung möglichst schwer machen. Es ist letztlich der Kompromiss möglichst das Optimum für Mensch und Tier herauszuholen, so sehe ich das.


Die (Art der) individuelle(n) Tierhaltung hat viel mit der persönlichen Einstellung des Menschen selbst zu tun. Daraus leitet sich dann auch der Umgang mit den Heimtieren ab. Für mich sind Tiere gleichwertige Lebewesen mit Rechten und Bedürfnissen [bevor hier falsche Assoziationen aufkommen: bei Bedarf bitte in der Thread-Mottenkiste hinsichtlich meiner Einstellung zu PETA und anderen Tierrechtler-Orgas wühlen!). Tiere sind dem Menschen von ihrem Verhalten her nicht unähnlich. Von daher leben wir hier mit unseren Viechern in einer ziemlich individuellen Gemeinschaft. Die Kerlchen benötigen mitunter aber auch viel Hilfe und Unterstützung. Ich habe seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht und richte meinen Tagesablauf nach Möglichkeit nach den Tieren aus. Ich sehe dabei zu, dass ich und meine Partnerschaft nicht auf der Strecke bleiben, aber manchmal ist es schon ziemlich hart, das gebe ich zu. Andererseits weiß ich, dass diese Menge an Degus nicht immer bei uns sein wird - mein Bestand reduziert sich seit Jahren sukzessive auf natürliche Weise, d.h. ich nehme nur noch in äußersten Fällen ein neues Tier auf. In den letzten anderthalb Jahren war das einmal.

Ich habe durch die Tiere sehr viel gelernt und lerne noch immer, nicht zuletzt haben sie mir geholfen, meine Berufung zu finden. Deshalb ist das Thema "Deguhaltung" für mich eigentlich ein sehr breitgefächertes, das weit über die Anforderungen "simpler" Heimtierhaltung hinaus geht. Die Tiere sind für mich Freunde, Partner, irgendwo auch Kinder (besonders jene, die bei uns geboren sind). DURCH die Tiere habe ich neue nette Menschen kennengelernt, einige Freundschaften schließen können, wie gesagt - meine Berufung gefunden -, viel über mich selbst gelernt. Trotzdem, so denke ich, habe ich einen realistischen und kritischen Blick auf mich und das was ich tue behalten.

Ich weiß um meine freakige Einstellung und erwarte sie auch nicht ansatzweise bei anderen zu finden. Cool Very Happy
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Luder
Freak


Anmeldungsdatum: 29.06.2009
Beiträge: 365

BeitragVerfasst am: 03.11.2009 15:02    Titel: Re: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirkli Antworten mit Zitat

Wow!

Das nenn ich mal Verantwortungsbewusst!

Ich würde meine Tiere niemals vernachlässigen, weil mir grad was im Privatleben wichtiger ist! Das nur als Erklärung falls ich falsch rübergekommen bin.

Aber es gibt halt auch wichtige andere Dinge in meinem Leben, wie z.B. meine Kinder. Und die gehen definitiv in gewissen Bereichen vor. Und das dann der Hund evtl. mal zu kurz kommt, damit muss er leben. D.h. das der ein oder andere Spaziergang eben nicht soo lang ausfällt und es nur ne kurze Pipi-Runde gedreht wird.

Das Pflücken fürs Kaninchen bau ich immer ein. Das wird zwischen zwei Terminen gepflückt, so kommt man auch an unterschiedliche Kräuter, hat also auch Vorteile.

Gelyncht werd ich jetzt evtl. weil ich nur ein Kaninchen habe. Ja, das habe ich irgendwo aus egoistischen Gründen. Für zwei ist nicht der Platz und da würde mir mein Mann auch einen erzählen. Geplant ist allerdings ein Umzug, so wir denn endlcih mal was finden, am liebsten mit Garten, und dann wird (wenn der Platz es zulässt) auch stehenden Fusses ein Partner angeschafft. Aber ich finde es jetzt nicht so verwerflich wie evtl. andere.

Zumindest versuche ich seinen anderen Bedürfnissen so gut es geht nachzukommen. Sprich, er lebt auf dem Balkon mit dauerhaft Freilauf, er bekommt Wiese von Frühjahr bis Herbst und kann draußen tun und lassen was er will. Wenn er wollte, könnte er auch in die Wohnung, aber das Angebot nimmt er nicht an.
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Das Problem vieler Hunde ist die konsequente Inkonsequenz ihrer Halter.
Oliver Jobes, (*1966)
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saloiv
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Anmeldungsdatum: 14.03.2009
Beiträge: 400

BeitragVerfasst am: 03.11.2009 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Meiner Meinung nach muss das ganze ausgeglichen sein. Weder der Mensch sollte unzufrieden sein weil er nur noch für die Tiere arbeitet, noch das Tier weil der Mensch es vernachlässigt. Nur dann ist dieses Zusammenleben möglich.

Ich für meinen Teil finde artgerechte Haltung wahnsinnig wichtig, gerade so Tiere wie Kaninchen, die leben einfach von der Haltung, sonst verkümmern sie. Menschen sind Kaninchen ziemlich egal, gut die bringen Futter (sehr praktisch) und außerdem streicheln sie (auch oft total schön) aber ansonsten leben Kaninchen recht unabhängig vom Menschen und daher finde ich bei solchen Tieren mehr die Haltung als die Beziehung zum Menschen wichtig.
Bei den Meerschweinchen ist es genauso und ganz extrem ist es bei den Tauben.

Andere Tiere sind wahnsinnig auf den Menschen geprägt. Beispielsweise Katzen, Hunde etc.
Hier steht die Beziehung zum Menschen und weniger die Haltung im Vordergrund. Der ein oder andere Hund wird glücklicher bei einer alten Dame sein die ihn über alles liebt und sich viel mit ihm beschäftigt aber kaum noch laufen kann und somit große Spaziergänge wegfallen, als bei einem Mensch der den ganzen Tag arbeitet und den Hund zu Hause lässt udn dafür mit Spaziergängen den Bewegungsdrang befriedigt.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8544
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 04.11.2009 17:41    Titel: Re: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirkli Antworten mit Zitat

Zitat:
Tiere sind dem Menschen von ihrem Verhalten her nicht unähnlich. Von daher leben wir hier mit unseren Viechern in einer ziemlich individuellen Gemeinschaft. Die Kerlchen benötigen mitunter aber auch viel Hilfe und Unterstützung.

Absolut. Ich denke da ähnlich.
Meine Berufung habe ich zwar nicht gefunden durch die Degus, sie haben mir aber viel gegeben und obwohl ich zeitweile schon den Gedanken hatte, mit der Deguhaltung aufzuhören, sprich die ganze Sache auszuschleichen, habe ich doch wieder umgedacht, denn es gibt immer noch so viel zu entdecken, zu erleben und erfahren mit Degus, das selbst nach 10 Jahren Deguhaltung...
Diesen Sommer vor 10 Jahren zogen meine ersten Degus ein, tja ich hatte zwar mal ein paar Monate Pause zwischendurch, als mir die ersten Degus starben, aber das war sogleich meine aktivste Zeit in den Deguforen. Es ist echt erstaunlich.

Zitat:

Ich weiß um meine freakige Einstellung und erwarte sie auch nicht ansatzweise bei anderen zu finden.

Sind wir nicht alle etwas freakig hier? Laughing

Zitat:

Gelyncht werd ich jetzt evtl. weil ich nur ein Kaninchen habe.

Öhm... eigentlich nicht. Aber ich bin ehrlich gesagt etwas erstaunt, weil ich bei dir stets den Eindruck hatte, dass du wahrscheinlich ganz viele Kaninchen hast so wie du schreibst und deine Einstellungen (das meine ich jetzt nicht im negativen Sinne Wink ).
Was die Einzelhaltung angeht, finde ich halt ein schwieriges Thema, weil gut ist es meistens nicht, aber es gibt einfach Situationen, da lässt sich das nicht einfach ändern. Ich hatte auch einen Degu etwa ein Jahr in Einzelhaltung, weil es mit dem Vergesellschaften nicht so einfach klappen wollte, wie ich anfänglich mir das vorstellte. Im Nachhinein würde ich jedoch nichts anders machen, der Degu ist heute glücklich vergesellschaftet und ich denke ich hätte keine bessere Lösung finden können. In der Aussenhaltung ist er nämlich nochmals richtig aufgeblüht und wird langsam sogar ein kleines bisschen zutraulich. Wobei da grosser Vorbehalt noch besteht.
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Luder
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Anmeldungsdatum: 29.06.2009
Beiträge: 365

BeitragVerfasst am: 04.11.2009 21:39    Titel: Re: "Gute" Heimtierhaltung: worauf kommt es wirkli Antworten mit Zitat

Mein Traum ist auch ein Garten und die Möglichkeit noch mehr Tiere aufzunehmen. Und ich werde das auch schaffen, irgendwann Smile

Es ist vielleicht nicht das Optimalste, aber auch nicht das Verwerflichste. Empfehlen würde ich es aber trotzdem nicht, denn letztlich ist es schon richtiger sie mit Artgenossen zu halten.
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Tina01
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Anmeldungsdatum: 07.03.2007
Beiträge: 329
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 26.11.2009 16:39    Titel: Antworten mit Zitat

Wie vielfältig und individuell Tierhaltung ist, sieht man einmal mehr in Euren Beiträgen. Smile

Ich hatte früher zuerst 7 Chinchillas in 3 Käfigen (sie verstanden sich nicht unterinander) und dann 5 Degus in 2 Käfigen.

Für mich war das unbefriedigend, weil ich meinem Gefühl nach hauptsächlich mit der Fütterung der Tiere und der Reinigung der Käfige beschäftigt war, aber für die einzelnen Tiere kaum Zeit hatte.

Seit 4 Jahren habe ich nur noch 2 Degus und bin absolut happy. Wenn ich zu Hause bin, stehe ich immer mal wieder am Käfig und rede mit meinen Viecherl. Die beiden sind so auch stark auf mich bezogen. Angefasst zu werden mögen sie nicht, aber das ist auch gar nicht nötig. Ich finde es auch schön, wenn sie einfach angerannt kommen. Smile

Diese für ein Kleintier starke Bindung zu mir hat auch sehr geholfen, als mein altes Weibchen 2x schwer krank war und intensiv gepflegt werden musste. Nur weil sie völlig ohne Angst war, war dies überhaupt möglich.

Genau wie mit den Haustieren ist es bei mir auch mit dem Pferd. Ich habe nur 1 Pferd, und mit diesem beschäftige ich mich dafür möglichst täglich. Die ganze Zeit, die ich im Stall zur Verfügung habe, kann ich nur diesem Pferd widmen. Und auch mit diesem habe ich eine sehr enge Bindung.

Wenn jemand jedoch mit einer ganzen Tier-Schar glücklich ist, finde ich das auch absolut ok. Smile
_________________
Liebe Grüsse
Simone

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