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Warum die Ernaehrung so sehr unterschaetzt wird

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8492
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BeitragVerfasst am: 01.06.2022 16:38    Titel: Warum die Ernaehrung so sehr unterschaetzt wird Antworten mit Zitat

Wir hatten in der Vergangenheit Diskussionen ob an Zahnerkrankungen, um ein prominentes Beispiel zu nehmen, die Gene oder die Ernährung schuld sei.

Ich möchte hier mit der Arbeit von William Albrecht zeigen, dass die Ernährung als Faktor stark unterschätzt wird.

Aber zuerst schauen wir doch mal:
welchen Einfluss kann denn die Genetik haben?

Es heisst, dass sich genetische Fehler früh bei den Tieren zeigen durch Fehlbildungen. Ich denke das ist richtig.

Viele Leute wollen aber offenbar daran glauben, dass es so etwas wie Langzeitschäden durch "schlechte" Gene gäbe, die sich erst spät zeigen. Könnte es so etwas theoretisch geben? Und wenn ja, wie könnte das funktionieren?
Mir kommt da eigentlich nur eine Möglichkeit in den Sinn und zwar über den (Mineral)Stoffwechsel, bzw. auch über das Immunsystem, wobei selbst da denkbar wäre, dass es vielleicht nicht genetisch ist, sondern durch die Gesundheit der Mutter, der Nährstoffversorgung der Tiere durch die Tragzeit und eventuell auch durch Faktoren wie Stress der Mutter durch die Tragzeit usw. Natürlich wären das dann Faktoren, die ähnlich wie die Genetik sich später nicht mehr ändern lassen und so aussehen, als wären sie gegeben.

Das Problem bei solchen Überlegungen ist, wir haben kaum Daten. Wir können vielleicht den Vergleich zu den Pflanzen ziehen, bei denen während der ersten Zeit die grössten Einflüsse auf das genetische Potenzial der Pflanze passieren, aber sollten wir uns dann nicht auch überlegen, was das alles dann bedeutet?

Grundsätzlich nämlich erstens, dass die Zucht, wie die Tiere aufgezogen eine viel grössere Rolle spielt, als wir uns eingestehen wollten? Das wäre die alte Diskussion, dass statt Notfalltieren auch eine gute Zucht sinnvoll wäre. Gerade aus der Genetik-Diskussion müsste das meines Erachtens die logische Konsequenz sein, wenn man diesen argumentativen Weg gehen wollte und wir nicht bloss eine Entschuldigung finden wollen, dass wir jetzt nichts mehr an den gesundheitlichen Probleme unserer Tiere ändern können, weil es jemand vor uns verkackt hat, was bisher diffus als ein Problem der Gene abgetan wurde. Ich denke nämlich da, wenn wirklich die Gene schuld sind, dann zeigen sich die Schäden tatsächlich früh. Denkbar, dass auch während der Tragzeit Fehler starke Auswirkungen später haben können, dann ist das aber eben nicht eine Frage der Gene, sondern wie wir mit dem Thema Zucht umgehen. Und eben die Ernährung und Haltung der Zuchttiere während der kritischen Tragzeit.
Fazit: Können wir den Genen die Schuld geben? Selbst mit den obigen Überlegungen denke ich, sollte klar sein, dass man das als Ausrede anerkennen sollte und wenn wir von nicht mehr änderbaren Einflüssen ausgehen wollen, dann müssten wir sie bei der Zucht suchen oder eben uns auf die Ernährung konzentrieren, die wir noch beeieinflussen können.

Die Ernährung wird stark unterschätzt
Und nun kommen wir nochmals auf die Möglichkeit zurück, dass wir die Ernährung bisher stark unterschätzt haben. Wieso sollte das so sein?
Gute Frage: ich habe mich auch gefragt, wie soll man diesen Zusammenhang machen können? Nun es gibt verschiedene Anhaltspunkte. Überzeugend finde ich insbesondere die Arbeit von William Albrecht oder auch Steve Solomon, mit denen ich mich in letzter Zeit auseinandersetzte, als ich mich intensiver mit einer nachhaltigen oder aufbauenden Landwirtschaft (Regenerative Landwirtschaft) beschäftigte. Da ziehen sich die Mineralstoffe immer wieder wie ein roter Faden als Leitthema durch die Aussagen der verschiedenen Leute. Auch Christine Jones oder John Kempf machen auf das Thema aufmerksam. Es gibt Untersuchungen, dass der Mineralstoffgehalt in verschiedenen Nahrungsmittel zwischen 1940 und den 1990er Jahre stark zurückgegangen ist.

Erstes Beispiel kommt von William Albrecht. Er brachte die Gesundheit von Menschen direkt mit der Ernährung in Verbindung, in der hier erwähnten Studie geht es um die Zahngesundheit von US Matrosen und die Verbindung mit ihrer Ernährung:

Zitat:

[Albrechts] vielleicht umstrittenste und wichtigste Studie war eine Untersuchung der Zahnunterlagen von 70.000 US-Matrosen aus dem Zweiten Weltkrieg. Er stellte einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Zähne der Seeleute und der Gesundheit der Böden in ihren Heimatregionen in den USA. Damals aßen die Menschen hauptsächlich Lebensmittel, die auf lokalen Bauernhöfen oder zumindest in ihren jeweiligen Regionen des Landes angebaut wurden. Er schloss: "Wenn alle anderen Unregelmäßigkeiten des Körpers sowie die der Zähne so betrachtet würden, wäre es sehr wahrscheinlich, dass viele unserer Krankheiten als degenerative Störungen interpretiert werden, die ihren Ursprung in Ernährungsmängel, die auf eine unzureichende Fruchtbarkeit des Bodens zurückgehen."

Übersetzt von: http://web.missouri.edu/~ikerdj/papers/AlbrechtLectureHealthySoilsHealthyPeople.pdf


Steve Solomon legt in seinem Buch "The Intelligent Gardener" (Der intelligente Gärtner) mit weiteren Beispielen nach und zeigt sogar Fotos.

In seinem Buch beschreibt er selbst, wie er durch selbst erlebte Mangelernährung (trotz Bioanbau in seinem Selbstversorgergarten) auf das Thema kam und macht darauf aufmerksam, dass in den 1920er und 1930er Jahre interessante Studien zu diesem Thema durchgeführt wurden:

Dr. Robert McCarrison publizierte 1922 sein Buch "Studies in Deficiency Disease"
Das Buch basierte auf Tierfütterungsstudien im Labor. Er arbeitete mit Laborratten.

Dr. Francis Pottenger veröffentlichte ebenso in den 1920er Jahre eine über mehrere Generationen geführte Ernährungsstudie mit Katzen. Er hatte zwei Katzengruppen, eine wurde ordentlich ernährt über mehrere Generationen, die krankheitsfrei war. Die andere Gruppe fütterte er über mehrere Generationen mit unangebrachter Nahrung und wechselte dann zu einer ordentlichen Fütterung, die er ebenfalls über mehrere Generationen fütterte und aufzeigen konnte, wie durch die schlechte Ernährung degenerative Krankheiten fördern und mit einer passenden Ernährung diese wieder beseitigen konnte.

Weston Price veröffentlichte 1939 das Buch "Nutrition and Physical Degeneration"
Sein Interesse galt der Zahngesundheit. Das Interessante an Prices Arbeit war, er reiste um die Welt und fotografierte Leute und dokumentierte mit ihrem Aussehen ihre Gesundheit, den Zustand der Zähne. Er war in Europa, Afrika, Australien, Neuseeland, Polynesien und Melanesien (Fiji) und besuchte Gemeinschaften, die noch traditionell lebten und sich traditionell ernährten.
Solomon schreibt zu den Erkenntnissen, die er duch Price gelangte: Er sei zum Schluss gekommen, dass es keine ideale Ernährung gäbe für "homo sapiens", oder präziser ausgedrückt:
Zitat:

wenn es eine ideale Ernährung gibt, mit der Menschen eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 120 Jahre erreichen, dann sind wir weit weg davon, was das ist und es hat wahrscheinlich mehr mit den Böden zu tun, auf denen die Nahrung wächst, als welche Nahrung wir wählen. Jede von Prices Gesellschaften war langlebig und total gesund, ernährte sich aber von komplett unterschiedlichen Grundnahrungsmitteln.

Quelle: Übersetzung von Solomon, S. 26


Michael Astra analysierte die Daten von Price und kam zu folgendem Schluss zur Ernährung der von Price untersuchten Gemeinschaften:

- ihre durchschnittliche Aufnahme von Kalzium war 5,1 mal so hoch, wie die Empfehlungen in den USA
- ihre durchschnittliche Aufnahme von Magnesium war sogar 13,6 mal so hoch
- beim Phosphor war es das 5,6-fache
- beim Eisen das 17,4-fache
- und bei den "fat soluble activators", die von Price damals genutzte Bezeichnung für fettlösliche Vitamine (A, D, E) war es das 10-fache

Dann wäre da eben die von Christine Jones erwähnten Studien/Beiträge:
David Thomas, 2003 und 2007

Ich hatte das hier: Unkräutermischungen für Degus selbst trocknen bereits schon zitiert:

Zitat:

Übersetzung: Gestörte Böden haben auch einen Einfluss auf die Gesundheit von Menschen und Tieren. In den letzten 70 Jahren ist der Gehalt von jedem Nährstoff in fast jedem Nahrungsmittel zwischen 10 und 100% gefallen. Um die gleiche Menge an Mineralstoffe und Spurenelemente zu uns zu nehmen wie 1940 müssten wir heute die doppelte Menge an Fleisch, die dreifache Menge an Früchten und die vierfache Menge an Gemüse konsumieren.

Siehe: Jones: Five principles for soil health. http://vernoux.org/agronomie/JONES-Five_Principles_for_Soil_Health.pdf


Jones zitiert aus den Arbeiten von Thomas (2003), dass die Mineralstoffe in Gemüse zwischen 1940 und 1991 wie folgt zurückgingen:
- Kupfer: minus 76%
- Kalzium: minus 46%
- Eisen: minus 27%
- Magnesium: minus 24%
- Kalium: minus 16%

Im Vergleich dazu beim Fleisch:
- Kupfer: minus 24%
- Kalzium: minus 41%
- Eisen: minus 51%
- Magnesium: minus 10%
- Kalium: minus 16%
- Phosphor: minus 28%

Literatur

Astera, Michael (2010): The Ideal Soil. Eigenvertrieb durch den Autor. Erhältlich auf dessen Webseite http://soilminerals.com und bei Acres U.S.A.

McCarrison, Robert (1945): Studies in deficiency disease. https://soilandhealth.org/book/studies-in-deficiency-disease/

Price, Weston A. (1939): Nutrition and Physical Degeneration. Paul Hoeber Inc., New York. https://soilandhealth.org/book/nutrition-and-physical-degeneration/

Solomon, Steve (2013): The intelligent gardener. Growing nutrient-dense food. New Society Publishers, Gabriola Islands, Kanada. 321 S.

Thomas, D.E. (2003): A study of the mineral depletion of foods available to us as a nation over the period 1940 to 1991. Nutrtition and Health 17: 85-115.

Thomas, D.E. (2007): The mineral depletion of foods available to us as a nation (1940-2002) a review of the 6th Edition of McCance and Widdowson. Nutrtition and Health 19: 21-55.
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