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 Betreff des Beitrags: Ernährung und Lebensweise der Chinchillas
BeitragVerfasst: 04.05.2007, 20:40 
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Chinchilla brevicaudata

Verbreitung, Lebensraum:

In Redford & Eisenberg sind auf der Verbreitungskarte Punkte auf der Chilenischen Seite entlang der peruanisch-argentinischen Grenze vom 18. bis 25. südl. Breitengrad, auf der argentinischen Seite entlaang der chilenischen Grenze vom 22. bis 31. südl. Breitengrad eingezeichnet. Dieses Gebiet entspricht etwa dem Verbreitungsgebiet der Puna (gemäss der Grafik von Marquet 1994). Cofre und Marquet (1999) geben in ihrer Publikation ebenfalls die Puna als Lebensraum an (zu finden in Tabelle im Anhang).

Zitat:
Distribution

The species is found only in the Andes, from southern Peru to northern Chile and northwestern Argentina. Severe human persecution has undoubtedly greatly reduced its original range, and no animals have been recorded from Peru for over fifty years (Honacki, Kinman, and Koeppl 1982; Ojeda 1985; O.P. Pearson, pers. comm.; Tamayo and Frassinetti 1980; BA).

Quelle: Redford & Eisenberg 1992


Lebensweise, Ernährung:

Hierzu findet man nur einen kurzen Abschnitt im Redford & Eisenberg (1992):

Zitat:
Ecology
Chinchilla brevicaudata lives in mountain grassland and scrub areas, very similar to those occupied by the viscacha, Lagidium (Mann 1978).

Quelle: Redford & Eisenberg 1992

Über die Ernährung habe ich leider nichts in meiner Literatur finden können, ich gehe aber davon aus, dass die sehr ähnlich ist wie die des Ch. lanigera.


Chinchilla lanigera

Verbreitung, Lebensraum:

Laut Redford & Eisenberg (1992) kommt Ch. lanigera in den Vorbergen (foothills) der Anden und im Küstengebirge vor. Die Karte zeichnet ihr Verbreitungsgebiet zwischen 28 und 32°S ein. In dieser Region, welche auch als kleiner Norden bezeichnet wird, finden wir den Matorral. Auch diese Angabe stimmt wieder mit Cofre & Marquet (1999) überein (zu finden wiederum in der Tabelle im Anhang der betreffenden Publikation).

Zitat:
Distribution
Chinchilla lanigera is found in the foothills of the Andes and the costal mountains of Chile but is almost extinct in the wild (Honacki, Kinman, and Koeppl 1982; Mohlis 1983).

Quelle: Redford & Eisenberg 1992


Lebensweise, Ernährung:

Auch hier finden wir in Redford & Eisenberg (1992), wenn auch einen sehr kurzen Abschnitt zum Thema:

Zitat:
Ecology
This species is found in rocky areas and is strictly herbivorous (Mohlis 1983).

Quelle: Redford & Eisenberg 1992


Über die Ernährung des Ch. lanigera gibt es die bekannte Studie von Cortés et al. (2002), doch auch Silva (2005) erwähnt in seiner Review die Ernährung dieser Chinchilla-Art. Seinen Informationen zufolge ernährt sich diese Art herbivore und seine Ernährung setzt sich wie folgt zusammen:

0,0 % Pilze (Hongos)
99,2 % Pflanzliche Stoffe (Tejido vegetal)
0,8 % Sämereien (Semillas)
0,0 % Früchte (Frutos)
0,0 % Insekten (Insectos)

Die Publikation von Cortés et al. (2002) äussert sich zur Ernährung detailierter:

Zitat:
Interestingly, he [gemeint ist Jiménez] found that when offered fresh and dead leaves of several plant species, chinchillas preferred the dead and dried leaves, mainly from herb species. Chinchillas showed no interest in seeds and pods of native plants.


Den Beobachtungen von Jimenéz zufolge bevorzugen Chinchillas also trockene und tote Blätter, hauptsächlich solche von Kräutern.
Des weiteren zeigten sie kein Interesse an Sämereien und dessen Schoten/Hülsen von nativen Pflanzen. Dagegen zeigen sich Schwankungen des Sämereiengehalts in der Nahrung wildlebender Chinchillas:
Zitat:
The seed component in the chinchilla diet was minor and almost absent from the diet during the wet year, but their importance increased during the dry year (Tab. 1).


Ebenso wie die Sämereien ist auch die Wahl der Futterpflanzen von der Saison abhängig:
Zitat:
The diet included more species during the wet year than during the dry year, incorporationg a total of 21 and 11 species, respectively. More shrub species than herbs were consumed during both years, with exception of the winter and spring of the wet year (Tab. 1).

Die Pflanzenpalette der Chinchillas ist also während des regenreichen Jahr (wet year) artenreicher (21 Arten) als während des trockenen Jahrs (11 Arten), wobei sowohl im trockenen als auch im regenreichen Jahr mehr Strauch- als Kräuter-Arten gefressen wurden.

Zu den meist gefressenen Kräuter, Sträucher und Sukkulenten, welche Cortés et al. (2002) aufzählen, gehören:
Bridgesia incisifolia (Sapindaceae; Strauch)
Porliera chilensis (Zygophyllaceae; Strauch)
Adiantum chilense (Adiantaceae; Kraut)
Nassella chilensis (Gramineae; Kraut bzw. Gras)
Puya berteroniana (Bromeliaceae; Sukkulent)

Interessant ist, dass sich in der Nahrung der Chinchillas im regenreichen Jahr auch kleine Mengen von dem eingeschleppten Neophyten Erodium sp. (Reiherschnabel), einem Oxalidaceae-Gewächs (Oxalis camosa; Oxalis ist der Gattungsname des Sauerklees. Dieser ist ja bekanntlich wegen dem Oxalsäuregehalt in den populären Tierforen in Verruf geraten) und einem Amaryllidaceae-Gewächs (Rhodophiala phycelloides; die Amaryllisgewächse beinhalten einige als Giftpflanzen bekannte Gewächse wie der Ritterstern oder die Amaryllis) zu finden sind.

Literaturverzeichnis

Cofre, H. Marquet, P.A. 1999. Conservation status, rarity, and geographic priorities for conservation of Chilean mammals: an assessment. Biological Conservation 88: 53-68.

Cortés, A. Miranda, E. Jiménez, J.E. 2002. Seasonal food habits of the endangered long-tailed chinchilla (Chinchilla lanigera): the effect of precipitation. Mammalian Biology 67: 167-175.

Marquet, P.A. 1994. Diversity of small mammals in the Pacific Costal Desert of Peru and Chile in the Adjacent Andean Area: Biogeography and Community Structure. Australian Journal of Zoology 42: 527-542.

Redford, K.H. & Eisenberg, J.F. 1992. Mammals of the Neotropics. The Southern Cone. Vol. 2. The University of Chicago Press, Chicaco/London.

Silva, S.I. 2005. Posiciones tróficas de pequeños mamíferos en Chile: una revisión. Revista Chilena de Historia Natural 78: 589-599.

Anhang

IUCN-Status
Ch. brevicaudata -> CR (Critical endangered, Vom Aussterben bedroht)
Ch. lanigera -> VU (Vulnerable, Gefährdet)

Noch eine Quelle über Chinchillaernährung
http://sapphire.indstate.edu/%7Edeanea/edu.html

Der oben genannte Link führt zur englischsprachigen (und deutschsprachigen) Übersetzung von folgender spanischer Quelle:

Mohlis, C. (1983) Informacion Preliminar Sobre La Conservacion Y Manejo De La Chinchilla Silvestre En Chile Boletin Tecnico No.3, Santiago. Corporation Nacional Forestral, Santiago.

Die Informationen über diese Übersetzung, stammen von chincare.com

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Quelle dieses Threads:

Den Text habe ich ursprünglich im Degupedia-Forum gepostet und kann hier nachgelesen werden: http://www.degupedia.de/forum/viewtopic.php?t=496

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