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Armenische Brombeere, Gartenbrombeere

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8511
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BeitragVerfasst am: 29.07.2018 13:12    Titel: Armenische Brombeere, Gartenbrombeere Antworten mit Zitat

Ich weiss nicht, wie gut man sie unterscheiden kann von den einheimischen. Auf den ersten Blick sieht sie jedenfalls sehr ähnlich aus:
https://www.infoflora.ch/de/flora/rubus-armeniacus.html

Die armenische Brombeere (Rubus armeniacus) soll eine in Westeuropa invasive Art sein, die auch bekämpft wird:
https://naturnetz.ch/de/projekte/2017/bekampfung-der-armenischen-brombeere-im-furttal/

Man findet auch etwas Informationen zu ihrem invasiven Potenzial, z.B. hier:
http://www.neophyten-schweiz.ch/index.php?l=D&p=2&t=34

Bemerkenswert daran ist, dass ich bislang nichts von dieser Art gehört habe. Entweder scheint sie mehrheitlich unter dem Radar zu schwimmen oder sie ist nicht so ein grosses Thema wie andere invasive Arten.

Bekannter ist die Art offenbar in Nordamerika, wo sie als "schädliches Unkraut" bezeichnet wird. Allerdings soll die Herkunft und der Name für einige Verwirrung sorgen, so beispielsweise der verwendete Artname (sie wird teilweise auch als Rubus bifrons bezeichnet), aber auch die Herkunft, welche teilweise in Westeuropa vermutet wurde:
https://en.wikipedia.org/wiki/Rubus_armeniacus
https://www.cal-ipc.org/plants/profile/rubus-armeniacus-profile/

Sehr umfangreiche Infos findet man übrigens in der Bugwood-Wiki:
https://wiki.bugwood.org/Rubus_armeniacus

Die Nutzung der Armenischen Brombeere soll vorallem durch die grösseren und süsseren Früchte gegeben sein, sprich es wurden Kultivare der Pflanze unter anderem nach Amerika und Australien eingeführt, wo sie dann verwilderten. Wegen ihrer Nutzung wird sie wohl auch als Gartenbrombeere bezeichnet.

Vom Futterwert dürfte sie wohl ähnlich zu beurteilen sein wie andere Brombeerarten.

Nachtrag: weshalb man in deutscher Sprache recht wenig zu dieser Brombeere findet, dürfte wohl daran liegen, dass die Gartenbrombeeren oft mit Rubus fruticosus gleichgesetzt werden und dass die Bestimmung der vielen Kleinarten der Brombeeren alles andere als einfach sind, was Wikipedia wie folgt beschreibt:
Zitat:

Als Typusart der Gattung wurde Rubus fruticosus L., im Jahr 2006, festgelegt.[9] Dabei handelt es sich um einen problematischen Namen. Der Name Rubus fruticosus wurde im Lauf der Jahrzehnte für eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Brombeerarten verwendet und galt daher seit langer Zeit für die Charakterisierung einer bestimmten Art als unbrauchbar („nomen ambiguum“). Im Linnéschen Herbarium sind unter dem Namen Exemplare gesammelt, die nach heutiger Auffassung zu einer Reihe unterschiedlicher Arten gehören; diese hatte er selbst damals noch nicht unterschieden. Selbst auf dem als Typusexemplar festgelegten Herbarbogen Linnés[10] finden sich zwei, nicht zusammengehörende Arten. Der Botaniker Heinrich E. Weber wählte daraus den Beleg, der einen Blütenstand enthält, als Lectotyp aus. Die damit festgelegte Pflanze trägt heute den Namen Rubus plicatus Weihe & Nees. Rubus fruticosus, senso typo, ist synonym dazu.[11] Da die Typisierung von Rubus fruticosus erst nachträglich erfolgte, ist die „Art“ jetzt zwar formal die Typusart der Gattung, der Name wird aber nicht mehr tatsächlich für diese, oder irgendeine andere, Art verwendet; dies ist in diesem Fall nach den botanischen Nomenklaturregeln zulässig (ICBN, Artikel 52[12]). Der Name wird als Rubus fruticosus agg. nur für die Sammelart von solchen Botanikern verwendet, die die Einzelarten von Rubus, Subgenus Rubus Sectio Rubus nicht unterscheiden wollen (oder können).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Brombeeren

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Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 4602
Wohnort: Runkel

BeitragVerfasst am: 30.07.2018 16:20    Titel: Re: Armenische Brombeere, Gartenbrombeere Antworten mit Zitat

1. Mir will nicht so recht einleuchten, weshalb die armenische Brombeere ein invasiver Neophyt sein soll und bekämpft werden soll, während sich die einheimischen Brombeeren genauso verhalten und nicht bekämpft werden sollen ... oder gibt es irgendeinen Verhaltensunterschied zur heimischen Brombeere die mir entgangen wäre? (außer den größeren und süßeren Früchten meine ich ... oder der Eigenart, daß die armenische Brombeere anders wie die heimische Brombeere bei Verbiß an der Basis nicht deutlich mehr und kleinere Stacheln an den neu ausgebildeten Trieben ausbildet.
2. Magerrasen, Wiesen (ausschließlich Alpmatten), Reedfelder und Buschsäume an Waldrändern und Hochstaudenfluren außerhalb der Alplandschaften sind in Mitteleuropa durch menschliche Einwirkung entstanden - weshalb nutzt man da nicht einfach die traditionellen Nutzungsformen? - Dann hat man auch kein Problem mit der armenischen Brombeere, weil insbesondere die Beweidung mit Ziegen genau diese Brombeerart sehr stark zurückdrängt, wohingegen typische Pflanzen der Hochstaudenfluren nur deshalb so typisch sind, weil diese nur wenig verbissen werden. Reedfelder wurden regelrecht von Menschen angelegt, wobei das Reed einmal im Jahr vollständig runtergeschnitten wurde, um damit Dächer zu decken oder Zäune zu bauen. Reed wurde zudem zur Faßherstellung und verschiedener weiterer traditioneller Handwerksberufe gebraucht. Wenn Reedfelder nicht mehr bewirtschaftet werden, ist es kein Wunder, wenn sie nach und nach durch andere Pflanzen überwuchert werden - und das ist keineswegs nur die armenische Brombeere, sondern vielmehr die typischen Naßstandortbewohner Weidenarten, Schwarzerle, aber auch diverse ehemalige Nutz- und Zierpflanzen, wie Topinambur und drüsiges Sprinkraut.

Überall dort, wo die Kulturlandschaften wieder traditionell bewirtschaftet werden (also extensive Weide mit für diese Standorte typischen Weidetieren und Ernte von Reed und Co), hat man das Problem mit sog. invasiven Neophyten einfach nicht ... die können sich erst ausbreiten, weil sie durch die morderne Landschaftspflege ihre Chance bekommen ... dabei wird durch Landschaftspflege, beispielsweise dem großräumigen Ausreißen von Wurzeln, der Boden derartig stark gestört, daß er sich vom Bodenlebesen her komplett verändert - und damit zusätzlich genau den Pflanzen noch mehr Chancenvorteile bietet, wie ohne diese Art von Pflege.
Noch schlimmer ist die Landschaftspflege durch Bearbeiten mit Mähdreschern oder ähnlichem ... diese verdichten zusätzlich den Boden, so daß das Bodenleben radikal verarmt und damit die gewollten Lebensgemeinschaften gar keine Chancen mehr haben und nach und nach verschwinden, vollkommen unabhängig davon, ob sich dort Neophyten als Ersatzflora ansiedeln oder nicht.

Wenn ich nen Magerrasen oder ne Hochstaudenflur habe, der durch Beweidung von Schafen und Ziegen entstand, dann kann Beides nur erhalten werden, wenn immer noch Schafe und Ziegen im gleichen Rhytmus über diese Pflanzengemeinschaften gejagt werden, wie schon vor Hunderten von Jahren ... das ist ne Binsenweisheit.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8511
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BeitragVerfasst am: 05.08.2018 09:47    Titel: Re: Armenische Brombeere, Gartenbrombeere Antworten mit Zitat

1. Naja, wie ich ja schon schrieb, ist die ganze Sache mit den zahlreichen Kleinarten schwierig. Insofern ist es aus meiner Sicht fragwürdig, inwiefern die Unterscheidung hier und das Bekämpfen der armenischen Brombeeren angestrebt wird, während man die einhemischen nicht bekämpft (sofern man diese unterscheiden kann).

(ich denke dass die einheimischen genauso bekämpft werden, wenn sie irgendwo stören und alles zuwuchern, nur läuft das dann nicht unter Neophytenbekämpfung, sondern unter Bekämpfung einer stark wuchernden Art)

Noch grundlegender denke ich, ist die Frage, wie man mit invasiven Arten umgeht. Sie sind insbesondere da ein Problem, wo der Lebensraum gestört ist. Zumindest bei einer Reihe von Arten weiss man aber wiederum, dass sie auch helfen den Lebensraum zu regenerieren. Gerade Pflanzen mit Stacheln sind ein klarer Hinweis, dass man fernbleiben soll. Dort wo Böden stark runtergewirtschaftet sind, wachsen Disteln und Brombeeren usw. Im mediterranen Raum ist das noch stärker sichtbar, weil dort Schäden z.B. durch Frass grössere Auswirkungen haben. Verbuscht das Land und wird überwachsen von stacheligen Pflanzen, kann es sich wieder erholen. Natürlich könnte man mit geeigneten Beweidungstaktiken mehr bewirken, den Boden auch aktiv wieder aufbauen, z.B. mit Holistic Management oder regenerativer Landwirtschaft à la Allan Savory, Joel Salatin oder Darren Doherty.

2. Aus meiner Sicht ist diese Frage rhetorisch, weil es auf der Hand liegt, dass mit traditioneller Bewirtschaftung das Problem gelöst würde. Daher, wenn der Mensch denkt, er könne dies sein lassen, dann muss er halt die Arbeit übernehmen oder die Natur regelt es auf ihre Weise.

Zitat:

Überall dort, wo die Kulturlandschaften wieder traditionell bewirtschaftet werden (also extensive Weide mit für diese Standorte typischen Weidetieren und Ernte von Reed und Co), hat man das Problem mit sog. invasiven Neophyten einfach nicht ... die können sich erst ausbreiten, weil sie durch die morderne Landschaftspflege ihre Chance bekommen ... dabei wird durch Landschaftspflege, beispielsweise dem großräumigen Ausreißen von Wurzeln, der Boden derartig stark gestört, daß er sich vom Bodenlebesen her komplett verändert - und damit zusätzlich genau den Pflanzen noch mehr Chancenvorteile bietet, wie ohne diese Art von Pflege.

Nun du kannst aber auch intensiv beweiden, wenn du weisst wie, dann spielt die Tierdichte deutlich eine geringere Rolle, als der Wiesenwechsel. Das Geheimnis liegt letztlich in kurzer Beweidungsdauer einer gewissen Fläche. Ich glaube Manfred hatte dazu vor einiger Zeit mal eindrückliche Fotos in seinem Forum gepostet wo er zwei Wiesen bewirtschaftete, eine mit wenig Tieren, welche aber länger auf einem Stück Weide standen und eine zweite mit vielen Tieren und recht kurzer Beweidung. Und man sah den Fotos an, dass letzteres besser vertragen wurde.

Zitat:

Noch schlimmer ist die Landschaftspflege durch Bearbeiten mit Mähdreschern oder ähnlichem ... diese verdichten zusätzlich den Boden, so daß das Bodenleben radikal verarmt und damit die gewollten Lebensgemeinschaften gar keine Chancen mehr haben und nach und nach verschwinden, vollkommen unabhängig davon, ob sich dort Neophyten als Ersatzflora ansiedeln oder nicht.

Wobei da frage ich mich dann, ob z.B. ein Sepp Braun auf Mädrescher verzichtet für die Ernte. Irgendwie muss man das ja maschinell machen können, wenn grössere Flächen bewirtschaftet werden, wie es eben z.B. Sepp Braun tut. Da kommen aber eine Reihe weiterer Faktoren dazu. Ein Aspekt ist beispielsweise, dass man versucht so wenige Male wie möglich pro Jahr mit schweren Maschinen aufs Feld zu fahren. Dazu kommt, dass die Wetterbedingungen eine wichtige Rolle spielen. Während oder nach Regen, wenn der Boden feucht ist, verträgt er deutlich weniger an Gewicht und der Schaden ist entsprechend grösser. Braun betreibt zudem aktiver Bodenaufbau, nutzt pflanzliche und tierische Mitarbeiter. Das alles spielt auch eine Rolle.

Zitat:

Wenn ich nen Magerrasen oder ne Hochstaudenflur habe, der durch Beweidung von Schafen und Ziegen entstand, dann kann Beides nur erhalten werden, wenn immer noch Schafe und Ziegen im gleichen Rhytmus über diese Pflanzengemeinschaften gejagt werden, wie schon vor Hunderten von Jahren ... das ist ne Binsenweisheit.

Genau so ist es. Und daher muss dann eben der Mensch die Arbeit machen, die vorher die Tiere taten...
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