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Zahnprobleme mit dem Holzhammer "heilen"

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8443
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 20.07.2014 23:11    Titel: Zahnprobleme mit dem Holzhammer "heilen" Antworten mit Zitat

Huhu,

es ist eine "was wäre, wenn..." Überlegung, die mir da kam, als ich mich beim Überarbeiten der Wiki mit Päppelbreie (wieder einmal) beschäftigte und die mich dann unweigerlich zum Thema Zahnprobleme führte, das so häufig vorkommt bei Herbivoren, egal ob Degu, Chinchilla, Kaninchen oder auch Meerschweinchen. Was die Ursachen angeht, da gibt es verschiedene Faktoren, Genetik, Umwelteinflüsse (inkl. Haltungsbedingungen) und um es mal getrennt auch noch zu erwähnen, da ich denke, es ist recht wichtig, die Ernährung. Und nicht zuletzt spielt auch die Schwere der Probleme eine nicht unbedeutende Rolle für den weiteren Verlauf.

Päppelbreifälle
Anstoss zum Thema war das Thema hier mit seinen erwähnten Beispielen:
http://www.degupedia.de/board/viewtopic.php?f=12&t=408&hilit=p%C3%A4ppelbrei&start=15

Meine Frage war da noch, braucht es Päppelbreie oder zumindest der exzessive Gebrauch wie dort beschrieben? Was mich eben zu den schweren Zahnproblemen führte. Wenn quasi Hopfen und Malz verloren ist, dass man nur noch mit dem Holzhammer "heilen" kann (will heissen in der Praxis, dass früher oder später die Zähne nach und nach raus müssen, schwere OPs anstehen und Eiter, Abszesse, retrogrades Zahnwachstum u.ä. den vorgegebenen Weg zeichnen...). Alternativen?

Euthanasie ja oder nein? Kritik: viele Halter sind geneigt zu schnell ihr Tier zu "erlösen". Das andere Extrem sind aber eben Behandlungsmarathons, die sich entsprechend in den Tierarztkosten, dem zeitlichen Aufwand und der Belastung für das Tier auswirken. Das Kosten/Nutzenverhältnis scheint da im Denken dieser Halter offenbar absent zu sein, die Tiere leiden mit oder ohne massive Behandlung, doch ohne wäre wahrscheinlich wie auch in der Natur relativ schnell Schluss. Egoismus von Seiten des Tierhalters, der nicht loslassen kann? Wenn man genauer darüber nachdenkt, sind in solchen Fällen letztlich der Päppelbrei auch nur ein Hilfsmittel zum Cachieren des Offensichtlichen.

Reversible Zahnprobleme
Selbst wenn man sich auf den Standpunkt setzen möchte, dass die Tiere durch Umweltfaktoren zu solch starken Zahnproblemen "erzogen" wurden, dürfte der Päppelbrei eher kontraproduktiv sein, zumal bei Zahnproblemen am wirksamsten frische Kräuter, abrasives Grünzeug etc. ist und Päppelbreie einerseits arm an abrasiven Substanzen, zweitens Keimherd für Hefen, Bakterien und andere Mikroorganismen und drittens beeinflussen sie die Verdauung und die Darmflora und haben sicher auch ihren Einfluss auf die Gesundheit der Maulschleimhäute. Pellets müssen wohl ähnlich beurteilt werden, jedoch weniger stark in der Wirkung, da sie i.d.R. erst mit dem Fressen eingespeichelt werden. Und wenn mit der richtigen Ernährung geholfen werden kann, erübrigt sich dann so manche Behandlung beim TA (ausgedeutscht in so manchen beschriebenen Fällen "die Behandlungsintervalle wurden länger, die TA Besuche seltener seit Umstellung auf frisches Grün...").

Nichts Neues, was ich hier schreibe und für die meisten hier wohl Repetorium...

Irreversible Fälle... was könnte passieren?
Aber eben, es ist gut möglich, dass bei manch beschriebenen Fälle wirklich irreversible Fälle dabei waren, auch wenn ein guter Anteil vermutlich durch Ernährung behandelbar und ein weiterer Teil zumindest durch Ernährung linderbar wäre. Wenn ich es mir so überlege, im Falle dass der TA die Probleme übersieht, dann hätten wir wohl den Fall, dass das Tier eines Tages plötzlich im tot im Käfig liegt und zuvor schon man das Gefühl hatte, dass da was nicht stimmte und schlechter frass. Die Alternative, man würde wohl bemerkten, dass man päppeln müsste, würde einen guten TA finden und feststellen, dass es massive Zahnprobleme gibt und dann entweder etwas versuchen dagegen und wäre dann wahrscheinlich früher oder später an dem Punkt, dass man sich die Frage stellen muss, Zähne ziehen und Komplikationen mit ungewissem Ausgang und fragwürdiger Lebensqualität oder Euthanasie oder aber die Frage würde sich eventuell schon früher stellen...

Fallbeispiel eines Zahnchins aus einem Forum
Ich hatte die Diskussionen mit TÄ auch schon, von wegen Behandlungsmöglichkeiten bei Zahnproblemen, Zähne ziehen und ähnliche Spässe. Was ich mich da frage, wie könnte es wirklich laufen, wenn es mal soweit käme? Lustig ist sowas nicht, dazu braucht es herzlich wenig Fantasie. Aber es ist gut zu wissen, was man erwarten darf... ich habe da einen Fall gefunden, der genau das dokumentiert.

Vorgeschichte:
Das Tier ist relativ Jung beim Kauf, etwa ein halbes Jahr, stammt aus einer Zoohandlung und soll angeblich von Anfang an schon Probleme gehabt haben, was dem unerfahrenen Tierhalter aber mangels Erfahrungs- und Vergleichswerte schwer fiel, das richtig einzusortieren. Im Dezember 2007 wurde das Thema dann offenar akut, da startet der Thread im IGC Forum. Eventuell war es schon früher akut, zumal das Thema vorher schon im Chin-Forum ein Thema war, aber wegen Weihnachtspause gings dann im IGC weiter. Jedenfalls war das noch am Anfang, ohne Diagnose, viel Spekulationen und TÄ die dem Tier gesunde Zähne attestierten (was damals schon freilich nicht der Fall war).

Es zog sich eine aufwändige Pflege über etwa ein halbes Jahr hin, geprägt von Gewichtsabnahme, Untersuchungen, Zahnbehandlungen, bis schliesslich sich erst Eiter an den Zähnen ankündete (im Mai) und dann am 3. Juli 2 Backenzähne raus mussten (was mich dann letztlich aufhorchen liess) und siehe da:

Zitat:

3. Juli 2008:

Hugo geht's grade leider sehr schlecht. Heute wurde er in Narkose gelegt um die Zähne zu kürzen und den Zahn zu ziehen. Dabei hat sich heraus gestellt, dass es doch nicht der Zahn auf der linken Seite war der Probleme macht. Es war leider ein weiterer Zahn im rechten Oberkiefer betroffen. Er hat gewackelt, geeitert und es hatte sich eine Zyste daran gebildet.

Trotz des wackeligen Zustands war es wohl wegen der Zyste sehr schwer den Zahn zu ziehen, es hat ne ganze Stunde gedauert und es musste viel dran rumgerüttelt werden Sad Da das entstandene Loch sehr groß war hat die TÄin es zugenäht (sie hat einen Leukosekegel eingesetzt). Ihm wurde Chloramphenicol gespritzt und Metacam. Außerdem bekam er eine Infusion damit er genügend Flüssigkeit im Körper hat.
Er hat viel geblutet, auch nach der OP noch. Das Handtuch auf dem er saß als ich ihn abgeholt habe war davon überall vollgetropft. Sad Falls er heute nacht wieder zu bluten anfängt soll ich sofort vorbei kommen.

Quelle: http:/ /igc-forum.de/index.php?t=msg&th=6134&prevloaded=1&rid=0&S=c1c6c049aa1fc73cd53d548f982ca582&start=80



Zitat:

5. August 2008:

ja diesmal hat es ihn richtig schlimm erwischt. Er sitzt immer noch in seinem kleinen Käfig, schläft die ganze Zeit und fiepst leidend vor sich hin. Aus dem Fressnapf will er keinen RC-Brei nehmen. Aus der Spritze frisst er zwar aber man muss ihn immer erstmal 10-15 Minuten mit der Spritze vorm Mäulchen rumwedeln und nerven bis er endlich was nimmt. Ich habe das Gefühl, dass sein Zustand sich gerade nicht bessert, sondern nur gleich bleibt. Vielleicht bin ich da aber auch zu ungeduldig. Ich war es bis jetzt halt so gewohnt, dass er schon wenige Stunden nach den OPs freiwillig RC-Kugeln gefressen hat.

(...)

Seit der OP hat er auch immer wieder mal kleine Niesanfälle. Diesmal hört es sich aber an als wäre seine Nase verschleimt oder so. Man sieht auch, dass ihm das Niesen Schmerzen verursacht. Aus der Nase läuft aber nichts.

Quelle: Ebenda


Am 11. August war dann Schluss, Forendiagnose: "Vielleicht hatte er ja wirklich eine Meningitis." ...

Bottom line:
1. Selbst beim Fall von schweren Problemen stellt sich die Frage, braucht es wirklich dauerhaft Päppelbreie (ok, bei alten Tieren vielleicht, könnte man es in Betracht ziehen, wenn sie es selbstständig fressen und Probleme haben, wobei wenn die gesund sind, sollten sie auch mit normalem Futter zurecht kommen)?

2. Man erkennt da schön ein Interessensdreieck, Behandlungs-Aktivismus, Abwarten-Nichtstun-Lethargie und als dritte Achse Euthanasie: etwas tun um dann nichts mehr tun zu müssen... um diese drei Faktoren jetzt in ihrer Extremform auszudeutschen. Irgendwo dazwischen versucht ein vernünftiger Mensch wohl nun eine Entscheidung zu finden, mal brauchts mehr abwarten und beobachten, mal geht es halt wirklich ums Überleben und schnelles Behandeln und manchmal nach reiflicher Überlegung drängt sich wohl auch die Frage der Euthanasie als Option auf... wobei müsste da vielleicht noch das Thema Sterbebegleitung irgendwie rein? Im Sinne von nichts tun, was die Lebenserwartung künstlich hinauszögert (mit hohen Kosten verbunden), aber doch alles tun, um dem Tier das Leben noch so angenehm wie möglich zu gestalten, das wäre ja dann auch nicht einfaches Abwarten.

3. In Bezug auf ganz schwere Zahnprobleme (egal ob jetzt herangezogen oder nicht, das will ich mal bewusst ausklammern) im schlimmsten Falle stellt sich die Euthanasiefrage oder Sterbebegleitung. Ist die Situation und Entwicklung nicht so klar, so kann ein Beispiel wie obiges vielleicht helfen, Parallelen besser zu sehen und versuchen abzuschätzen, wie sich die Situation noch entwickeln kann. Die Frage sollte letztlich doch auch heissen, welche Lebensqualität kann das Tier noch haben, was ist realistisch, wie stehen die Risiken und Chancen und was ist letztlich vertretbar?
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atropa belladonna
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Anmeldungsdatum: 02.12.2008
Beiträge: 1245
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BeitragVerfasst am: 21.07.2014 09:10    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr, sehr schwieriges Thema, das mich persönlich seit mindestens 11 Jahren begleitet. Und wenn ich eins gelernt habe, dann, dass JEDER Fall singulär betrachtet und entschieden werden muß, egal wie sehr sich die Bilder gleichen. Daher mag ich dazu auch nicht(s) (mehr) schreiben.

Nur so viel: ist es nicht interessant, wie sich die Zeiten ändern? Vor noch gar nicht so langer Zeit war man der Tierquäler vor dem Herrn, wenn man seinen Schützling bei schwerer Krankheit nicht sofort erlösen ließ. Heute wird die Augenbraue gegenüber denen hochgezogen, die dies nach heutigem Ermessen zu schnell tun....
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Schlappohr
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Anmeldungsdatum: 15.02.2013
Beiträge: 360

BeitragVerfasst am: 21.07.2014 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ein sehr, sehr schwieriges Thema, das mich persönlich seit mindestens 11 Jahren begleitet. Und wenn ich eins gelernt habe, dann, dass JEDER Fall singulär betrachtet und entschieden werden muß, egal wie sehr sich die Bilder gleichen.


Ja, das sehe ich auch so. Wichtige Faktoren sind auch der Tierarzt und die Charaktere der krankten Tiere.

Heute steht bei meinem Männchen wieder eine Zahnbehandlung in Narkose an. Er muss alle 8 Wochen die Backenzähne gekürzt bekommen, weil ihm Gegenspielerzähne fehlen und sich dann irgendwann Spitzen bilden.
Mit der Tierärztin habe ich zusammen eine "Prozedur" entwickelt, die möglichst stressfrei ist. Die Behandlung wird immer auf die Mittagszeit gelegt, weil er dann immer sehr müde ist. Direkt vor der Behandlung darf er in einem freien Raum in der Praxis oder im Auto etwas herum hoppeln, um den Stress abzubauen. Irgendwann wird er dann müde, setzt sich auf meinen Schoß und schläft dort ein. Wenn er dann schläft, trage ich ihn vorsichtig auf dem Arm ins Behandlungszimmer und dort bekommt er dann die Gasmaske aufgesetzt. Die bleibt dann etwas drauf, bis er tief und fest schläft und dann werden seine Backenzähne geschliffen. Nach einer halben Stunde nach der Behandlung ist er dann wieder fit und ich darf ihn mit nach Hause nehmen. Nach der Behandlung ist er meist dann doch etwas erschöpft und gestresst. Bis jetzt hat er aber immer sofort zuhause gefressen.

Aufgrund seines Chrakters und der guten Zusammenarbeit mit der Tierärztin kann er fast ein ganz normales Kaninchenleben führen.

Wichtig bei ihm ist aber auch die Ernährung. Er frisst nur Blätter und ganz viele (heil)Kräuter. Bis auf eine Reizung durch die Maulspreizer hatte er noch keine Entzündungen im Mundbereich trotz seiner katastrophalen Zahnsituation (*auf Holz klopf*).

Zitat:
Trotz des wackeligen Zustands war es wohl wegen der Zyste sehr schwer den Zahn zu ziehen, es hat ne ganze Stunde gedauert und es musste viel dran rumgerüttelt werden Sad Da das entstandene Loch sehr groß war hat die TÄin es zugenäht (sie hat einen Leukosekegel eingesetzt). Ihm wurde Chloramphenicol gespritzt und Metacam. Außerdem bekam er eine Infusion damit er genügend Flüssigkeit im Körper hat.
Er hat viel geblutet, auch nach der OP noch. Das Handtuch auf dem er saß als ich ihn abgeholt habe war davon überall vollgetropft. Sad Falls er heute nacht wieder zu bluten anfängt soll ich sofort vorbei kommen.

Bei meinem Männchen wurden auch schon Zähne "gezogen". Die Tierärztin hofft immer, dass Wackelzähne wieder festwachsen (ist bei ihm schon öfters passiert) Somit werden die Zähne bei ihm erst gezogen, wenn sie ihr schon entgegenfallen und es keine Aussicht mehr auf Rettung gibt. Bei der letzten Behandlung war ein Zahn sehr lose, sie hat ihn aber nicht herausgenommen. Ein paar Wochen später hat mein Männchen den Zahn dann ausgespuckt. Die Tierärztin hat die Wunde angesehen und meinte, dass alles gut verheilt.

Die Kombination aus Heilkräutern und abwarten, bis die Zähne von selber ausfallen, scheint hier die beste Lösung zu sein.

Jedoch bereitet es mir Bauchschmerzen, wie seine Zahnwurzeln aussehen. Die Granulome an den Wurzeln drücken auf die Blutzufur, sodass die Wurzeln irgendwann absterben und die Zähne fallen dann aus. Dagegen kann man nichts machen und das bereitet mir Sorgen.
Warscheinlich werden wir auch irgendwann an den Punkt kommen, wo er nur noch so wenige Zähne hat, dass er nicht selber fressen kann. Gekaufte Päppelbreie verträgt er nicht. Mit selbstgemachtem Brei habe ich ihn nach einer fehlerhaften Zahnbehandlung durch einen anderen Tierarzt ca. 3 Wochen ernährt. Es hat funktioniert und er hat den Brei gerne gefressen, jedoch weiß ich nicht wie lange so eine Ernährung gut geht.
Solange er aber mit seiner Partnerin durch den Garten tobt, Luftsprünge macht, Amseln jagt und nur Blödsinn im Kopf hat, werde ich alles für ihn tun.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8443
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 21.07.2014 12:33    Titel: Re: Zahnprobleme mit dem Holzhammer "heilen" Antworten mit Zitat

@Atropa
Ja ich sehe das Thema sehr ähnlich, es ist nicht so, dass man eine allgemeingültige Lösung propagieren könnte. Ich denke, wenn eines in den letzten Jahren vielen Halter auch bewusster wurde (zumindest denjenigen, die sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben), dass das Thema nicht nur aus - ich sags jetzt mal überspitzt - "zutodepflegen" und "vorschnell euthanasieren" besteht. Gerade die ganze Sterbebegleitung, so mein Eindruck, ist erst in den letzten Jahren mehr im Bewusstsein der Leute angekommen und sei es nur in dem Sinne, dass man heute offen darüber redet und das Thema auch verarbeitet. Das Schwierige ist ja auch, man weiss nie genau, wie sich ein Fall letztlich entwickelt. Andererseits wenn man ein Tier eine Weile begleitet und Entscheidungen treffen muss, die seine Gesundheit betreffen, kann man mit entsprechender Erfahrung mit der Zeit auch etwas abschätzen, in welche Richtung es gehen kann, wie gross die Chancen stehen, dass es wieder gut kommt oder dass der Kampf in naher Zukunft nicht zu gewinnen ist. Meine Absicht war, ein bisschen transparenter zu machen, in welche Richtungen es gehen kann und dass sich die Leute darüber Gedanken machen. Bei dir weiss ich ja, dass du dich in der Vergangenheit genug damit beschäftigt hast und dich das Thema sicher nicht so schnell loslassen wird... Wink

Wo bei mir letztlich auch ein Umdenken stattgefunden hat, dass in Foren vielfach bei Entscheidungen die Meinung vorherrscht, dass es einen richtigen und einen falschen Weg gibt und dass ich lange Zeit auch dachte, dass man sich zwischen richtig und falsch entscheiden müsse. Ich habe jedoch das Gefühl, vielfach (gerade bei schwierigen Entscheidungen) ist es wichtiger, dass man sich entscheidet für einen Weg und versucht daraus das Beste zu machen oder nach einer Weile man die Sache halt nochmals neu beurteilt. Um ein konkretes Beispiel zu nehmen, wenn wie im obigen Beispiel der Zustand sich stetig verschlechtert, dann wäre ich wohl eher geneigt über das Thema Euthanasie nachzuedenken und nicht auf Biegen und Brechen das Tier durch Behandlungen und Zwangsmassnahmen durchzubringen (wobei wenn man den Fall ansieht, dann ging es dann letztlich recht schnell am Schluss, da kam dann plötzlich alles aufs Mal und das Tier gab offenbar auch auf). Oder aber eben, wäre auch das Thema Sterbebegleitung ein Ansatz, der sicher auch im Raum stehen würde. Wäre der Fall dagegen so wie Schlappohr beschrieben hat, dass man das Tier unterstützen kann, mit Kräuter, mit schonenden Behandlungen und mit einer guten TÄ die sich der Behandlung von einem ganzheitlicheren Gesichtspunkt annimmt, dann sähe die Situation sicher wiederum ganz anders aus.

@Schlappohr
Ich weiss nicht, ob ich mich auch so entschieden hätte bei einem solchen Fall. Sicher es wäre wahrscheinlich in der Situation, in der ich mich entscheiden müsste nochmals ganz anders, als wenn ich so jetzt ohne betroffene Tiere darüber urteilen müsste. Auch wäre mir wichtig, wie der TA die Sache sieht.
Ich denke aber, so wie du das beschreibst, gibt es bei dir einen grossen Unterschied zu dem erwähnten Beispiel, das ist die Ernährung und Zahnpflege. Gerade den Ansatz, so viel wie möglich ohne operative Eingriffe zu lösen, eben dass die Zähne selbst rauskommen und die Wundheilung mit Kräuter zu unterstützen finde ich gehen in die richtige Richtung.
Was ich mich halt fragen würde, das ist die Ursachenforschung, woher kommen die Granulome? Könnte ich aus einem solchen Fall etwas lernen? So wie du schreibst ist das wahrscheinlich irreversibel, aber wenn man um die Entstehung wüsste, könnte man vielleicht daraus lernen für die Prävention bei anderen Tieren.

Apropos was mich noch interessieren würde, kann Männchen noch beissen, sprich normales Futter fressen? Ich nehme an die Schneidezähne hat er noch und es sind nur die Backenzähne betroffen?

Zitat:

Solange er aber mit seiner Partnerin durch den Garten tobt, Luftsprünge macht, Amseln jagt und nur Blödsinn im Kopf hat, werde ich alles für ihn tun.

Ich denke gerade das ist in einem solchen Fall besonders wichtig. Abwechslung und Lebensqualität.
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Schlappohr
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Anmeldungsdatum: 15.02.2013
Beiträge: 360

BeitragVerfasst am: 21.07.2014 16:37    Titel: Re: Zahnprobleme mit dem Holzhammer "heilen" Antworten mit Zitat

davX hat Folgendes geschrieben:

@Schlappohr
Was ich mich halt fragen würde, das ist die Ursachenforschung, woher kommen die Granulome? Könnte ich aus einem solchen Fall etwas lernen? So wie du schreibst ist das wahrscheinlich irreversibel, aber wenn man um die Entstehung wüsste, könnte man vielleicht daraus lernen für die Prävention bei anderen Tieren.

Die ersten zwei Jahre seines Lebens wurde er vom Vorbesitzer mit qietschbuntem Trockenfutter gefüttert (bestehend aus Weizen, pflanzlichen Nebenerzeugnissen, Farbstoffen usw.). Joghurtdrops, Knabberstangen etc. standen auf dem täglichen Speiseplan. Das führte dann auch zu einem massiven Übergewicht von einem Kilo (er ist ein Zwergwidder).

Zitat:
Apropos was mich noch interessieren würde, kann Männchen noch beissen, sprich normales Futter fressen? Ich nehme an die Schneidezähne hat er noch und es sind nur die Backenzähne betroffen?

Die Schneidezähne sind tip-top. Er kann kein Heu fressen, was jetzt nicht so schlimm ist. Gras kann er meistens nicht fressen. Manchmal geht es direkt nach dem Zähne schleifen, aber sonst verfangen sich die Hälmchen in seinen Zähnen und er bekommt die dann nicht zerkaut.
Möhre, Apfel, Sellerie, Fenchel usw. mag er alles nicht bzw. verträgt er nicht. Wenn ich das im Winter mal anbiete, weil es an Grünzeug mangelt, frisst er es manchmal, aber dann neigt er auch schnell mal zu Hefen. Im Winter ernährt er sich fast ausschließlich von Grünkohl. Wenn ich mal kein Grünkohl bekomme, rastet er aus und wirft die Futterschale durch die Gegend. Nur wird er von dem ganzen Grünkohl immer ziemlich dick.
Im Frühjahr ist sein Grundnahrungsmittel Löwenzahn und Bärenklau und im Sommer Schachtelhalm, Dill und Sonnenblumenblätter.
Natürlich biete ich auch noch ganz viele andere Pflanzen an (täglich 30-50), jedoch hat er immer seine Lieblingspflanzen, die er in großen Mengen frisst.
Sein Gewicht liegt im Sommer bei 2,2kg und im Winter bei 2,8kg.


Die Bahndlung hat er heute sehr gut überstanden. Zuhause hat er sofort einen ganzen Bündel Dill gefressen und eine Hand voll Kräuter aus dem Garten (Ringelblume, Echinacea, Scharfgarbe, Spitzwegerich, Ysop usw.).
Die Tierärztin hat gesagt, dass seine Zähne verhältnismäßig gut aussehen und dass momentan alle fest sind. Er ist auch niegends druckempfintlich. Bei der Vorkontrolle hat er sich auch bereitwillig ins Mäulchen sehen lassen und er hält nur still, wenn ihm im Mund nichts weh tut.
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Schlappohr
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BeitragVerfasst am: 21.07.2014 17:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann noch ein Beispiel nenen. Eine Bekannte von mir erzählte von ihrem Meerschweinchen, was schiefe Zähne hat und ein Kieferabzess. Das Meerschweinchen wurde mehrfach operiert, bekam viele Medikamente und musste Zwangsernährt werden, weil es nicht fressen wollte und den gekauften Brei auch verweigerte. Außerdem hatte das Meerschweinschen Durchfall und das Allgemeinbefinden war sehr schlecht. Die Besitzerin überlegte nun, wie es weiter gehen soll und ob sie es erlösen soll.

Da ich die Erfahrung gemacht hatte, das mein Männchen den Päppelbrei vom Tierarzt nicht verträgt, habe ich dem Meerschweinchen mal den selbstkreierten Brei mitgebracht. Das Meerschweinchen fraß den Brei freiwillig und in den nächsten Tagen verschwand der Durchfall und das allgemeinbefinden besserte sich. Dann ging es über Wochen hin und her. Neue Abzesse entstanden, Operationen folgten. Da das Meerschweinchen haber so begeistert den Brei fraß, neugierig war, am Sozielleben teilnahm und lebenswillen zeigte, brachte sie es nicht übers Herz es einzuschläfern. Dann wurde es immer schlechter und sie gab die Hoffung auf und wollte schon einen Termin zum Einschläfern vereinbaren, als eines Morgends das Meerschweinchen da saß und Gras mümmelte (ein tiefligender Abzess war nach außen Aufgebrochen und verheilte dann gut). Seid dem Tag frisst er alles, nagt an Zweigen und genießt das Leben mit seiner Mädchentruppe. Wenn man ihn jetzt sieht, wie glücklich er ist, war der lange schmerzhafte Weg gerechtfertigt.
Dies hat mir gezeigt, dass man nicht zu früh aufgeben darf. Eines ist aber für mich ganz wichtig, die Zahnpatienten müssen lebenswillen zeigen und freiwillig !!! fressen. Die Tiere müssen die Möglichkeit haben sich einen Brei auszuwählen (ich habe Stunden in der Küche verbracht, bis ich die perfekte Mischung hatte) und sie müssen die Menge auch selbstständig wählen können.
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