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Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8528
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 15.03.2013 13:54    Titel: Re: Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter Antworten mit Zitat

Ich habe nun auch den zweiten Teil der Diskussion abgetrennt mitsamt der KAG Freiland-Diskussion. Letztere wäre aber vielleicht ein eigener Thread wert.
Ich habe da noch etwas im Kopf vom VGT Schweiz, der mal berichtete, wie schlecht diese Freilaufkaninchen teils gehalten werden. Vielleicht hätte auch Verena Stiess noch was zu diesem Thema, wobei sie ist stark andersweitig beschäftigt.

Die zweite abgetrennte Diskussion findet ihr hier:
http://www.degupedia.de/forum/viewtopic.php?t=2945
Leider ist es hier in diesem Forum nicht möglich diese zusammenzufügen, weshalb es nun zwei getrennte abgetrennte Diskussionen gibt.
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Noraja
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Anmeldungsdatum: 25.04.2010
Beiträge: 665
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 16.03.2013 00:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Ich bringe die KAG-Freilandsachen nun doch einmal hier. Da sich aus den KAGfrielandhaltungen trotz der Mängel die eine oder andere gute Idee übernehmen liesse. Es gab mal Dokumentationen, die z.B. Baupläne für Unterschlüpfe enthileten, evt. finde ich sie noch.

In der aktuell aufgeschalteten Publikationsliste sind sie leider nicht mehr drin: http://www.kagfreiland.ch/index.php?option=com_k2&view=item&layout=item&id=367&Itemid=491

Ich persönlich glaube dran, dass eien optimierte KAG-Haltung an und für sich funktionieren würde, wenn man aus dem Projekt lernt und die dort gemachten Fehler vermeidet.
Namtentlich würde ich persönlich den Bestand wesentlich überschaubarer halten, eine kleine Zahl an Tiere, die sich gut kennen + Jungtiere reicht.
Der Versuch den Bestand auf bis zu 130 Tiere/Einheit zu vergrössern, halte ich zwar angesichts des Ziels an einer wirtschaftlichen Haltung zu tüfteln für verständlich, aber für völlig unrealistisch.

Aber vorallem würd ich dafür sorgen, dass sich die Kaninchen nicht hauptsächlich von einer fast-nur-Hochleistungszuchtgras-"Wiese" ernähren müsste, sondern ausgewogeneres Grünfutter erhielten.
Wenn man die Kaninchen dann auch noch - sei es durch den Aufbau des Gatters oder durch die Wahl der Örtlichkeit, weniger den Raubtieren aussetzen würde, sehe ich gute Chancen darin, dass eine sehr tiergerechte Haltung klappt.
Bei kleineren Gruppen und besserem Futter dürfte sich keine so gravierenden Kokzidienproblematiken entwickeln, so dass man dann die Tiere auch nicht ständig durch ein Umsetzen des Geheges stressen müsste, was sicher auch für mehr Stabilität und Ruhe sorgt.

Was wirklich neues ist es ja sowieso nicht, es gibt Literatur zum Thema, die reichlich alt ist, Varro beschriebt einige Jahrzehnte vor Christus Freiland-Haltungen von Kaninchen. Leider nicht sehr detailreich, denn es sind reine Übersichtsbücher über die Landwirtschaft, die von der Behandlung der Sklaven bis hin zum Zaunbau und Ziervogelhaltung "alles" behandeln und keine vertiefenden Fachtexte.


Liebe Grüsse
Lina
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Murx Pickwick
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Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 4615
Wohnort: Runkel

BeitragVerfasst am: 16.03.2013 17:15    Titel: Re: Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter Antworten mit Zitat

Womit ich sehr gute Erfahrungen gemacht hab, das war die Vergesellschaftung mit Meerschweinchen, wobei man hier sehr stark drauf achten muß, daß die Weide nie überweidet wird, da Meerschweinchen eine Weide bis unter die Grasnarbe abraspeln und dann nur noch Wurzeln und Erde überbleiben. Selbst einige Gräser überleben einen derartigen Radikalbiß nicht ...

Kaninchen und Meerschweinchen kommen sich kaum ins Gehege, was das Weidefutter angeht - Meerschweinchen bevorzugen Gräser, Kräuter werden nur vergleichsweise wenige gefressen (hier allerdings viele Kräuter, welche auch von Kaninchen bevorzugt werden, wie Wegeriche, Ampferarten und Löwenzahn). Meerschweinchen gehen auch an Gräser ran, die für Kaninchen uninteressant oder sogar im Frühjahr gefährlich werden können, wenn sie aus Hunger zuviel gefressen werden, beispielsweise Borstgras ist für Meerschweinchen sehr gesund, bei meinen Kaninchen hatte Borstgras zum derartig starken Abraspeln der Backenzähne geführt, daß die Kaninchen kaum mehr in der Lage waren, zu kauen.
Meerschweinchen sind in der Lage, Borstgräser und andere für Kaninchen unattraktiven Gräser kurzzuhalten.
Was ich leider bislang nicht ausprobieren konnte, aber die Vermutung habe, daß es gerade für eine Kaninchenweide sehr positive Effekte haben könnte, wäre eine frühjährliche und herbstliche Intensivbeweidung mit Ziegen - die vernichten faktisch alles, was Brombeere, Distel oder Brennessel heißt und sorgen so zu einem Rückgang der für eine Kaninchenweide eher ungünstigen Pflanzen, ohne sie ganz auszurotten. Im Sommer sollten dagegen keine Ziegen auf Kaninchenweiden, einfach, weil die zuviel Kräuter vernichten, die erst aussamen müssen ... die verschwinden dann sang und klanglos, was nicht erwünscht ist. Einzig, wenn zuviel Johannisgreiskraut sich breitmacht, könnte eine Ziegenintensivweide vor der Blüte des Greiskrautes was bringen, ohne die Weide endgültig zu zerstören.

Zur Berechnung, damit nicht zuviel Kanin auf die Weide gesetzt wird, lohnt es sich, die Daumenregel für Großvieh zu benutzen, sie stimmt in unseren Breitengraden auch für Kaninchen: man braucht 1,2ha Weide und Wiese, um eine Großvieheinheit (500kg Lebendgewicht) ein Jahr lang versorgen zu können.

Um zu Verhindern, daß die Häsinnen ständig umgesetzt werden müssen, dennoch aber der Platz optimal ausgenutzt wird und die Selbstreinigungskraft der Weiden genutzt werden kann, müßte folgender Aufbau günstig sein:
Im Zentrum der Zuchtkaninchenanlage befindet sich ein Haus (wegen Tierschutz und so), sandiges Gelände, welches gut geeignet zum Wurfhöhlenbau ist, bepflanzt mit Haselnuß, Schlehe, Weißdorn, Sanddorn, Feuerdorn und ähnlichen Waldrandgewächsen und Wildobstarten. Brombeeren wuchern allerdings derartig, daß man bei Brombeeren um ein regelmäßiges Beschneiden, daß wenigstens der Zugangsweg zum Häuschen und den Fütterungsstellen offen bleibt, einem nicht erspart bleibt.
Den Kaninchenbau - und Wurfhöhlenbereich werden die Kaninchen von sich aus ziemlich pflanzenfrei halten.
Dieser zentrale Bereich sollte trocken gehalten werden (eventuell mit Teilbedachung, Vollbedachung funktioniert nicht, da ja sonst die Sträucher keinen Regen mehr abbekommen, eventuell wäre es besser, einfach nur nen Sandberg anzuhäufen und den zu bepflanzen, Sandberge, vor allem wenn sie sonnig liegen, sind immer trocken.)

Dieser Bereich ist eingezäunt und liegt innerhalb des eigentlichen Weidebereiches. Der Weidebereich wird in Portionsweiden aufgeteilt, die möglichst unterschiedlich bepflanzt und aufgebaut werden. Je nachdem, wie belastet die Weiden durch den Kaninchenverbiß sind und ob eher eiweißreiche Weiden mit Kohlpflanzen, eher Gierschweiden oder eher Magerweide mit vielen Würzkräutern gebraucht wird, werden die Portionsweiden für die Kaninchen geöffnet. Über Beobachtung sollte man relativ schnell herausbekommen, welche Weidenstücken zu welchen Zeiten am meisten gebraucht werden und ab wann man sie sperren muß, damit die Kaninchen sie nicht zerstören.

Die Jungkaninchen müssen entweder die Möglichkeit der Abwanderung bekommen oder müssen halt abgewandert werden ... mit nem halben Jahr spätestens werden sie nur noch zu einer unnötigen Belastung der Zuchtkaninchenweiden und eine unnötige Belästigung der Zuchttiere ... ein Rausfangen der Jungkaninchen könnte durch Futterstellen, die eigentlich nix anderes wie Fanggatter mit Futterstelle sind, gut realisiert werden. Die Jungkaninchen kommen da freiwillig rein, man braucht nur Gatter zu schließen und die Jungkaninchen raussammeln. Die Jungkaninchen könnten auf Aufzuchtsweiden, getrennt von den Zuchtweiden bis zum Herbst (bzw bis zur Schlachtung) gehalten werden. Hält man sie in Volieren oder Gattern, wäre eine geziehlte Mästung möglich. Man sieht eigentlich recht deutlich, ob man die Jungkaninchenweiden zu klein bemessen hat oder sie ausreichen ... wenn die Weiden innerhalb von drei Wochen im Sommer abgegrast sind und einer Rasenlandschaft gleichen, waren sie eindeutig zu klein. Sind die Weiden selbst im Herbst mit hüfthohen Weidepflanzen überwuchert und verbuschen merklich, sinds zuwenig Jungkaninchen auf der Weide gewesen.
Mit Zufütterung kann man ein wenig steuern, wieschnell eine Weide abgefressen wird, wobei Bedacht werden muß, daß Kaninchen sich bei artenreicher Weide im Sommer kaum für Gemüse interessieren, da muß dann schon Frischgesenstes als Lockmitteln in die Futter-Einfanggatter gelegt werden. Für die Heugewinnung wären reine Mahtwiesen sinnvoll.
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Schlappohr
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Anmeldungsdatum: 15.02.2013
Beiträge: 360

BeitragVerfasst am: 16.03.2013 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Was ich leider bislang nicht ausprobieren konnte, aber die Vermutung habe, daß es gerade für eine Kaninchenweide sehr positive Effekte haben könnte, wäre eine frühjährliche und herbstliche Intensivbeweidung mit Ziegen - die vernichten faktisch alles, was Brombeere, Distel oder Brennessel heißt und sorgen so zu einem Rückgang der für eine Kaninchenweide eher ungünstigen Pflanzen, ohne sie ganz auszurotten.

Junge Ziegen fressen hauptsächlich Kräuter und junge, zarte Gräser. Die Weibchen fressen auch härteres Gras, aber besonders gerne Blätter und Kräuter. Nur ausgewachsene Ziegenböcke fressen Diesteln, Brennesseln und Gestrüpp, wobei das aber auch noch von der Rasse abhängt. Ich habe mal ein Praktikum in einem Forschungsinstitut für ökologischen Landbau gemacht und haben dort mit ca. 300 Ziegen gearbeitet.
Wenn würden sich höchstens Böcke eignen. Weibchen und junge Ziegen fressen das Gleiche wie Kaninchen.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8528
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 16.03.2013 22:39    Titel: Re: Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter Antworten mit Zitat

Ich habe nochmals gesucht. Es werden zwar einige Vorwürfe gegen KAG erhoben, aber konkret zu Kaninchen konnte ich kaum was finden:
http://www.vgt.ch/doc/kagfreiland/index.htm

Zitat:

Der Versuch den Bestand auf bis zu 130 Tiere/Einheit zu vergrössern, halte ich zwar angesichts des Ziels an einer wirtschaftlichen Haltung zu tüfteln für verständlich, aber für völlig unrealistisch.

Das sehe ich ehrlich gesagt auch kritisch.
Was ich mich auch frage, muss man dieses Diktat von immer mehr und immer billiger mitmachen? Letztlich wird so viel produziert, dass dann mit Subventionen nach Afrika exportiert wird um dort die Märkte auch noch zu zerstören?
Dieser ganze neoliberale Wahn hat doch kaum noch was mit Wirtschaftlichkeit im engeren Sinne, nämlich einer gesunden bedarfsbezogenen Tausch- und Handelswirtschaft zu tun noch kann man von freier Marktwirtschaft sprechen, wenn Nachfrage und Preis sich nicht regulieren und das System stabilisieren können, sondern ein Druck erzeugt wird, der immer nach billigerer Produktion und grösseren und schlechteren Tierhaltungen schreit um Profit zu machen, die andererseits ebenso grössere Überschüsse entstehen, die man wiederum mit viel Geld (Subventionen) ins Ausland verscherbelt und dort zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet. Das Geld stammt notabene aus der Kasse des Staats, sprich ist das Geld des Volkes, welches für einen Irrsinn bezahlt, von dem sie selbst nichts haben. Profiteure sind ein paar wenige, die damit Kasse machen. Ein Filz zwischen Politik und Industrie machts möglich...

Apropos Verena hatte meines Wissens mal einen guten Vorschlag gebracht, dass man Kaninchen als Weidetiere in unwirtlichem Gelände benutzen könnte, also im Sinne von Randregionen/Bergregionen, die für die Nutztierhaltung aufgegeben wurden. Durch die Beweidung mit Kaninchen könnte man sie vor Verbuschung schützen und würde damit einen guten Auftrag zur Landschaftspflege leisten. Dieser wiederum wäre es wert zu subventionieren. So könnten zum Beispiel Hartz 4 Empfänger mit einer sinnvollen Tätigkeit dazu beitragen, dass die Subventionsgelder in Zukunft nützlicher eingesetzt werden, nämlich dort, wo es tatsächlich welche braucht: bei der Pflege von Kulturland. Und nicht dort, wo sie heute in grossen Mengen verprasst wird, in der Tierfabriken- und Agrochemie-Industrie.
Weidekaninchen wären dazu eine ideale Lösung.
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Sasse
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Anmeldungsdatum: 02.11.2013
Beiträge: 70

BeitragVerfasst am: 08.11.2013 17:50    Titel: Re: Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter Antworten mit Zitat

Also, auch wenn ich mal wieder ausgrabe...
Ich finde es unverschämt, wie Sarek hier angegriffen wurde. Schließlich geht es ihr um eine artgerechte Ernährung und Haltung der Viecher. Dass sie ihr Fleisch von ihnen bezieht finde ich persönlich bewundernswert. Leute, die ihre artgerecht lebenden Tiere selbst schlachten können haben meine volle Hochachtung.
Man muss nämlich bei der ganzen Sache auch betrachten, dass der Mensch eigentlich kein Vegetarier ist. Und das sage ich als Ex/Bedingungsvegetarier (Ich esse mittlerweile wieder Wild und artgerecht gehaltenes in Maßen, nachdem ich 6 Jahre vegetarisch war). Aber man schaue sich einfach mal das Gebiss des Menschen an. Was findet man? Hinten Mahlzähne, vorne Reiß-und Schneidezähne. Daraus folgt, dass der Mensch sowohl pflanzliche, als auch tierische Nahrung (Fleisch) braucht.
Und dann gibt es die Möglichkeiten: Supermaktfleisch, Fleisch von artgerecht haltenden Bauern (wobei man da ja auch nicht alles "überwachen" kann) oder eben eigene Schlachtung.
Und jetzt überlegt mal, was wohl das "Beste" (im Sinne der Tiere) ist.

Zur Frage kann ich leider keine Auskunft geben. Ich weiß nichts über geeignete Schlachtrassen.
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8528
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 08.11.2013 20:53    Titel: Re: Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter Antworten mit Zitat

Ja, solche Themen kommen gerade bei uns immer wieder mal hoch, da es von vielen Halter hier doch erwünscht ist, dass wir die Themen nicht ganz in so einem engen Rahmen behandeln. In vielen Tierforen gilt alles was mit Tiere essen, schlachten, Futtertiere usw. zu tun hat als tabu... es gehört aber auch irgendwie zum Leben dazu, dass wir diese Themen nicht unter den Teppich kehren, als würden sie nicht existieren.
Dennoch haben auch wir Leute mit unterschiedlichen Ansichten hier in unserem Forum, weshalb gerade bei solchen Themen sich Auseinandersetzungen nicht vermeiden lassen. Das ist grundsätzlich gut, finde ich zumindest, es kann aber auch mal sehr emotional zu und her gehen, was hier passierte, ich will das nicht verurteilen, auch mit dem müssen wir irgendwie umgehen können und zwar beide Seiten, das heisst, wenn es mal sehr emotional wird, dass wir wieder zu einer guten Diskussion zurückfinden können.

Zitat:

Man muss nämlich bei der ganzen Sache auch betrachten, dass der Mensch eigentlich kein Vegetarier ist. Und das sage ich als Ex/Bedingungsvegetarier (Ich esse mittlerweile wieder Wild und artgerecht gehaltenes in Maßen, nachdem ich 6 Jahre vegetarisch war). Aber man schaue sich einfach mal das Gebiss des Menschen an. Was findet man? Hinten Mahlzähne, vorne Reiß-und Schneidezähne. Daraus folgt, dass der Mensch sowohl pflanzliche, als auch tierische Nahrung (Fleisch) braucht.

Danke, das ist ein sehr wertvoller Beitrag. Genau das finde ich etwas, das aus meiner Sicht wichtig ist, dass man nicht einfach verurteilt und dass man auch anerkennt, dass die Dinge manchmal nicht so einfach sind. Ich denke aber das ist keine einseitige Sache, die nur den Vegetariern oder gar Veganern oder auf die andere Seite extrem den Fleisch(fr)essern zuzuschreiben wäre. Das Problem fängt hier an, dass jede Seite für sich die Dinge so vereinfacht, dass Fleisch ein Muss wäre oder dass es etwas abscheuliches wäre auf das man verzichten müsse und dass es unnatürlich sei. Das Thema ist aber komplexer und fängt beispielsweise bereits schon mit dem Thema Vorlieben an, denn es gibt durchaus Leute, die Fleisch wahrscheinlich nicht gut vertragen und nicht mögen und daher gibt es sicher einige Leute, für die eine fleischlose Ernährung die bessere Lösung ist, während andere Leute ganz ohne Fleisch fast nicht auskommen, wobei es zum Beispiel auch hier Leute gibt, die brauchen nur sehr wenig und haben oft über längere Zeit gar kein Bedürfnis danach, während andere sich das wiederum nicht vorstellen könnten.
Ein weiteres Thema, worüber wahrscheinlich nur wenige sich Gedanken gemacht haben, das ist das Essen von Insekten. Während die Rolle des Tiers aus ethischer Sicht bei vielen Leuten eine gewisse Bedeutung spielt, wären die Insekten so gesehen weniger problematisch und auch wer an Umweltaspekte denkt, der könnte vielleicht an Insekten Gefallen finden. Jedoch selbst engefleischte Fleischesser würden wahrscheinlich lieber zum Vegetarier werden als Insekten als Alternative ausprobieren, denn der Ekel ist in unserer Kultur tief verwurzelt. Auf der anderen Seite kenne ich wiederum Leute, die sich vegetarisch ernähren, aber keine Berührungsängste zeigen Insekten zu essen... gut, ich muss vielleicht noch sagen, gerade Biologen sind in diesem Bereiche eher etwas eigen, da sie nicht allzu heikel sein dürfen bei ihrer Arbeit und wer in der Wildnis ist, Feldarbeit macht und lernt, sehr einfach zu leben, der kann sich wohl auf die Dauer all die Ekel, welche wir in unserer modernen Zivilisation sorgfältig pflegen, nciht leisten.

Das Gebiss ist übrigens nur bis zu einem gewissen Grad hilfreich für Argumentationen, denn das Gebiss ist älter als Nahrungsvorlieben und Anpassungen, da es sich nur relativ langsam ändert, sprich Änderungen der Ernährung können bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den Zähnen sein, wobei logisch ein Fleischfresser mit Raubtiergebiss wird kaum sich nur pflanzlich ernähren und umgekehrt, aber zum Beispiel fressen Füchse teilweise auch überwiegend Früchte, was aufgrund der guten Verdaulichkeit der Früchte uns jedoch nicht erstaunen darf. Und was den Menschen angeht, sein Allesfressergebiss deutet darauf hin, dass er mit unterschiedlichen, vorwiegend gut verdaulichen Nahrungsmittel zurecht kommt, was erklärt, dass es früher Völker gab, die kaum Fleisch assen und sich zum Beispiel durch Früchte, Nüsse, Kräuter und Wurzeln gut über die Runde brachten, während andere stark von Fleisch oder tierischen Produkten abhängig waren und nur deshalb so gut überleben konnten. Das Meerschweinchen zum Beispiel spielt bei den Andenkulturen eine zentrale Rolle als Opfertier für religiöse Zeremonien, für Gesundheit und Heilung und auch als Nahrung.

Was mich bei der Argumentation mit dem Gebiss etwas stört, wie auch mit anderen Argumentationen, die auf allgemeine Aussagen aus sind, dass dabei gerne das Individuum vergessen geht. Es wird immer Leute geben, die sich von der Masse und der aktuellen Mode unterscheiden. Hier wurde in der Vergangenheit bei den Vegetarier und Veganer der Fehler gemacht, dass man das als Angriff anschaute und Beleidigung, man verstand das nicht, wollte das nicht verstehen und wer sich nicht mit ordentlich Fleisch ernähren wollte, war ein komischer Sonderling. Das galt übrigens auch für andere Sonderköstler, z.B. Glutenunverträglichkeit, das waren Weicheier oder Hypochonder und ein bisschen Gluten kann doch nicht schaden, wenn der Mehrheit es gut tut. Im Gegenteil, kein Brot essen ist der Grund, dass sie so empfindlich und schwächlich sind... ich formuliere es mal etwas überspitzt. Auch Laktoseintoleranz, kein Verständnis, das darf nicht sein und soll nicht sein. Heute ist vegetarisch und vegan ein Trend, es gehört in gewissen Kreisen sogar zum guten Ton. Viele sehen das Thema glücklicherweise recht entspannt und viele Mode-Vegetarier geben auch ganz ehrlich zu, dass sie es machen, weil sie Spass daran haben und sehen das nicht so eng. Mit Ideologie hat das dann auch wenig zu tun, auch wenn bei dem einen oder anderen Ethik und ähnliche Themen vielleicht noch mit eine gewisse Rolle spielen dürften, aber eben es ist nicht ausschlaggebend.

Was ich aber auch feststelle zumindest was für die Schweiz zutrifft, dass die Leute sich mehr informieren und auch wissen wollen, woher ihr Essen kommt. Wenn ich so nachdenke ist es eine logische und sinnvolle Reaktion auf immer perverser werdende Umstände in der Landwirtschaft. Die Tierhaltung ist vielleicht ein besonders wunder Punkt, bei so manchem Gemüse sieht es leider aber auch nicht viel besser aus, da ist es bedenklich, dass man da noch nicht weiter ist und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, wobei die Industrialisierung in der Landwirtschaft an sich schon ein massives Problem ist, welche bisher nachhaltigen Fortschritt für eine verträglichere Landwirtschaft erfolgreich verhindert hat.
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Anmeldungsdatum: 02.11.2013
Beiträge: 70

BeitragVerfasst am: 09.11.2013 14:28    Titel: Re: Geeignete Schlachtrasse gesucht - kein Kraftfutter Antworten mit Zitat

Stimmt, ich hab vergessen, dass ich auch verallgemeinert hab. Versuch ich eigentlich zu vermeiden. Tut mir leid.

Natürlich hast du recht, dass jeder unterschiedliche Fleischmengen braucht. Und dass man sehr gut ganz ohne leben kann weiß ich ja aus eigener Erfahrung.
Trotzdem bin ich mittlerweile der Meinung, ganz ohne tierische Produkte ist ungesund. Klar, jedem das seine, wer will kann das gerne machen. Ich hab da kein Problem mit, akzeptiere und verstehe das. Genauso, wie ich extrem Fleischesser verstehe und akzeptiere. Aber ich möchte beide Extreme nicht mehr selbst für mich.

Mit Insekten hätte ich aber auch meine Probleme. Ich glaube nicht, dass ich mich - abgesehen von extrem-Situationen - dazu überwinden könnte, Insekten zu essen...

Informieren find' ich immer gut Smile (Wobei ich zugeben muss... meine Mutter kauft eben Lidl Gemüse und Obst. Und ich mach da auch keine großen Versuche sie umzustimmen, weil sie immer auf den Preis achtet) Und was ich von ner Bekannten, die in der Schweiz lebt mitbekommen hab, scheint es dort durchsichtiger zu sein in der Nahrungsproduktion... Smile
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