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Wurzel- und Samenselektion à la Degu

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8494
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BeitragVerfasst am: 28.02.2011 01:24    Titel: Wurzel- und Samenselektion à la Degu Antworten mit Zitat

Huhu,

heute habe ich eine interessante Beobachtung machen können zur Selektion der Degus, nun eigentlich ein alter Hut, aber mir wurde etwas so richtig bewusst, was man sonst zwar irgendwie weiss, aber eigentlich nicht so richtig beweisen kann, das Selektionsvermögen der Degus:

Ich hatte Löwenzahnwurzel, in kleine und grössere Stücke geschnitten. Nicht selber gekauft, sondern bekommen, aber die Degus mögen es und daher füttere ich es nun auch. Dazu noch Apfel- und Birnenzweige, ebenfalls in Stücke geschnitten, etwa 2-3 cm lang und von unterschiedlicher Dicke.

Nun zeigte sich bei den Löwenzahnwurzeln, dass die Degus fein säuberlich selektierten: Kleine Löwenzahnwurzelstücke wurden auf der Stelle gefressen, grössere Stücke, ab einer gewissen Grösse war dieses Verhalten konsequent zu beobachten, wurden wegtransportiert und irgendwo in der Nähe in der Streu verscharrt, teils auch nur lieblos deponiert. Degus unterscheiden offenbar zwischen unterschiedlicher Grösse ihrer Futterstücke. Das war mir schon vor Jahren aufgefallen, jedoch mir nie grösser Gedanken dazu gemacht, was das bedeuten könnte.

Zweites Selektionsexperiment trug sich wie folgt zu: Ich bot ihnen, nachdem es mir zu dumm war, dass sie mir alle Löwenzahnwurzelstücke verscharrten, ausser das ganz kleine Zeug, da bot ich ihnen Apfel- und Birnenaststücke an. Die sahen sehr ähnlich aus von der Form, das Verhalten seitens der Degus war aber ganz anders: es wurde einfach ignoriert, nicht mal richtig in die Hand genommen und geprüft wurden sie. Die Degus haben das sofort durchschaut. Offenbar erkennen sie auch den Nährwert einer gewissen Nahrung. Auch das nichts Neues, aber bei dieser Begebenheit war es besonders deutlich, da einerseits die doch relativ energiereiche Löwenzahnwurzel und auf der anderen Seite die ligninreichen Aststücke, die nun wirklich nicht unbedingt als Nahrung gedacht sind.

Das Ganze ist freilich so spektakulär nicht, klar. Aber für mich war halt interessant, da es ein sehr deutlich beobachtbares "Experiment" war, das die verschiedenen Reaktionen bei der Selektion und einige der Mechanismen, die da spielen, zeigte. Hier gibt es nämlich auch wieder Unterschiede, wenn wir mit anderen Tierarten vergleichen oder auch je nach Futterstück:

Beispiel Kürbiskern. Die sind deutlich grösser als die Stücke Löwenzahnwurzel, welche von den Degus verscharrt wurden. Dennoch werden diese in der Regel sofort geknackt und gefressen. Der Grund für dieses Verhalten dürfte wohl sein, dass sie diese mehr brauchen als die Löwenzahnwurzel und daher direkt fressen, auch der Aufwand zum direkt fressen ist nicht so hoch, als dass die Entscheidung sie erst zu vergraben sich anbieten würde. Bei einer gewissen Sättigung werden oft ja auch solch begehrte Leckerbissen verscharrt. Bei den Nüssen wiederum ist es so, dass diese generell erst verscharrt werden (das grosse Nussdefizit, das sie anfänglich hatten, das ist mittlerweile längst ausgeglichen). Allerdings werden in letzter Zeit wieder vermehrt Nüsse geknackt, habe erst heute mehrere Nussschalen aus dem Käfig gefischt.

Beispiel Chinchilla: Ich nehme diese Tiere, da wir im Chinchillaboard viel über das Verhalten dieser Tiere diskutieren und ich so auch Einblicke bekommen habe, bei denen es durchaus auch Unterschiede zu Degus gibt. Zum Beispiel kleines Gebrösel wird nicht gefressen. Bei Wurzeln, egal ob Löwenzahn oder Echinacea (beides Beispiele, die ich aktuell in Gebrauch habe), zeigt sich dass das Kleinzeug bevorzugt gefressen wird, während grössere Stücke verscharrt werden. Chinchillas dagegen scheinen hier heikel zu sein und bevorzugen gröbere Stücke. Ob es einen Zusammenhang gibt, ob Wurzelstücke oder Blattstücke, wäre natürlich noch eine interessante Frage. Was ich bei Degus allerdings auch feststellen konnte, ganz kleine Samen werden teilweise verschmäht, so zum Beispiel Amaranth. Gefressen wurde es bei mir nur, als ich es als ganze Blütenstände anbot, bei denen sie die Samen selber rauspuhlen konnten.

Übrigens auch Meerschweinchen ignorieren Futterstücke gerne, wenn sie eine gewisse Grösse unterschreiten. Die Grenze scheint bei ihnen und bei Chinchillas extremer ausgeprägt zu sein, als bei Degus, zumindest betrifft es das, was ich beobachten konnte (Degu, Meerschwein) und bei den Chins, was ich von anderen Halter erfahren habe.

Fazit, man kann das Selektionsvermögen der Degus mit relativ einfachen Mitteln auch sehr schön ausprobieren und vorführen, obwohl es im Alltag genug Situationen gibt, in denen sie uns das zeigen. Die wirklich guten Beispiele sind da oft jedoch nicht dabei. Wer daher nicht nur sich selber überzeugen will, sondern Beispiele für andere sucht, dem sind meine Gedanken hier vielleicht nützlich...

edit: Einen Nachtrag habe ich noch zum Thema Blütenselektion. Letztes Jahr habe ich einige Videos zu diesem Thema gemacht: Degus die sich aus einem Berg von Grünzeug stets wieder die Ringelblumen herauspickten, in einem Video sogar diverse andere Pflanzen zuerst inspizierten, sie alle aber als nicht geeignet befanden, bis schliesslich die Ringelblumenblüte gefunden und als fressbar befunden wurde.
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Beiträge: 8494
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 26.01.2013 14:46    Titel: Re: Wurzel- und Samenselektion à la Degu Antworten mit Zitat

Update:

Siehe auch Blattspitzenselektion
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