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Waldschaben, ein Versuch eines Porträts

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 03.09.2009 14:52    Titel: Waldschaben, ein Versuch eines Porträts Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

in unserem Garten hat es viele Waldschaben, die sich gelegentlich in unser Haus verirren. Ich habe, wenn ich mich nicht täsuche, schon darüber berichtet.

Die Tiere beschäftigen mich jedenfalls schon seit längerem. Daher beobachte ich die Tiere und beschäftige ich mich mit ihnen.

So leben Waldschaben
Waldschaben konnte ich bislang vor allem am Tag beobachten, genauer gesagt im Freiland habe ich bisher nur am Tag welche gefunden (da aber auch ausgiebiger nach ihnen gesucht). Des Nachts habe ich aber welche an Wänden schon entdeckt, die sich in unser Haus verirrten. Vermutlich aber fanden die keinen vernünftigen Unterschlupf.
Ob es eine Bedeutung hat, dass ich die meisten Schaben am späteren Nachmittag entdeckte, das kann ich leider nicht beurteilen. Die Daten spielen jedoch überein mit den Angaben aus der Literatur, dass die Schaben tagaktiv seien.

Zum Vorkommen konnte ich auch einige Beobachtungen machen. Die erste Schabe entdeckte ich auf einer wilden Brombeerhecke. Später entdeckte ich eine im Laub der Tomaten, die draussen vor dem Fenster meines damaligen Schlafzimmers standen. Ob die Blätter abgedorrt waren oder nicht, kann ich nicht mehr sagen. Vor dem Umzug verirrte sich einmal eine Schabe in die Wohnung, sie versteckte sich jedoch bald hinter einem Möbel. Ich habe davon Fotos gemacht und Videos (von schlechter Qualität). Seit dem Umzug haben sich öfters nun Schaben ins Haus verirrt. Mit dem Grünfutter gelangen immer wieder welche zu den Degus. Ich finde sie dann entweder im Futter, in der Nähe des Käfigs oder gar im Käfig oder sonstwo im Kellerraum, in dem die Degus wohnen. An einem Tag entdeckte ich glücklicherweise gleich mehrere Schaben auf einem Haselnussstrauch. Es waren um die 4 Stück. Es war aber leider auch das einzige Mal, dass ich sie dort sah. Später suchte ich mehrfach noch am selben Ort, fand aber keine mehr. Mehr Glück hatte ich, als ich Schnittware von Himbeeren durchsuchte und darin mehrere Schaben fand. Auffällig war, dass in den abgestorbenen und verdorrten Blätter sich auch kleine Schaben fanden. Ich überprüfte später die geschnittenen Himbeeren und fand dort tatsächlich in abgedorrten Blättern an den Himbeersträucher wieder junge Schaben. Das deutet darauf hin, dass die abgedorrten, eingerollten Blätter ein prima Versteck für die jungen Schaben bieten. Vielleicht auch für die Erwachsenen? Vieleicht sind es gar die Brutstuben, in denen die Jungen aufwachsen? Das müsste mit genaueren Untersuchungen geklärt werden. Dazu wäre natürlich auch eine genauere Kenntnis der Fortpflanzung dieser Schaben wichtig.

Morphologie, Geschlechter, Typen?
Die Geschlechtsbestimmung bei Schaben soll ja relativ leicht sein, anhand des letzten Segments des Bauchpanzers. Jedoch habe ich bei solch kleinen Arten, die erst noch wildlebend sind, etwas ein Problem. Unterscheiden kann ich sie daher nicht. Doch die weiblichen Schaben sollen teilweise verkürzte Flügel haben, das konnte ich jedenfalls schon in Literatur lesen. Was es wirklich damit auf sich hat, weiss ich leider nicht, bloss dass es bei uns tatsächlich beide Sorten von Schaben gibt, die normalflügligen und jene mit den verkürzten Flügel. Und es wäre sehr naheliegend, dass das ein Unterscheidungsmerkmal für Männchen und Weibchen sein könnte.

Ich habe dazu noch eine Beobachtung. In jenem Haselnussstrauch, den ich oben erwähnte, sah ich damals etwa 3 Schaben mit normalen Flügel, sie waren gut sichtbar an den Enden der Zweige. Zuerst entdeckte ich nur einen, dann einen zweiten und später noch weitere... irgendwann auch eine mit kurzen Flügeln. Diese Schabe war aber weit mehr in Deckung und schwieriger zu entdecken. Ich fragte mich daher, als ich das beobachte, ob das tatsächlich das Weibchen sein könnte? Es könnte passen, mehrere Männchen sind vorhanden, die möglicherweise um die Gunst des Weibchens werben könnten (?). Sie können es sich jedoch leisten sich mehr zu zeigen. Das Weibchen, das den wertvollen Nachwuchs zeugt, muss mehr aufpassen, aber auch daher, da die Flügel verkürzt sind und es daher nicht fliegen kann (wobei Waldschaben allgemein relativ schlechte Flieger, dafür aber sehr geschickte Läufer sind)?

Unklar ist jedoch auch um welche Art es sich da handelt. Es gibt mehrere Waldschabenarten und anhand des Äussern liess sich damals nicht herausfinden, um welche Waldschabenart es sich handelt.

Schabe mit normalen Flügeln (=Männchen?):


Schabe mit gekürzten Flügeln (=Weibchen?):


Fazit
Wie wir gesehen haben, lässt sich mit diesen Beobachtungen und Erkenntnissen einiges über die Lebensweise der Waldschaben vermuten. Für ein genaues Bild sind die Daten jedoch noch zu wenig sicher. Da braucht es weitere Beobachtungen und genauere Forschung. Offenbar klettern sie gerne, bzw. halten sich gerne in Sträuchern und Hecken auf, verirren sich auch gelegentlich in Häuser und es scheint, dass sie eingetrocknete Blätter als Verstecke mögen. Unklar ist, ob sie auch in der Bodenlaubstreu zu finden sind. Dort konnte ich sie bislang nicht finden. Ich habe allerdings bisher auch nicht an Orten gesucht, in deren Nähe ich schon Schaben nachweisen konnte, was auch darauf hinweisen könnte, dass der Standort allgemein keine Schaben aufweist. Eine weitere Frage, die mich beschäftigt, ist jene der Häufigkeit der Waldschaben. Bei uns habe ich den Eindruck, seien sie relativ häufig. Beobachtungen von anderen Haltern und deren Einschätzungen wären hier hilfreich. Sind sie in Mitteleuropa weit verbreitet? Kommen sie vorwiegend in ländlichen Gegenden vor oder auch in Städten und wenn ja, dann in der Nähe von Gärten/Parks usw. oder welches sind Parameter, mit denen die Schaben verknüpft sind?

Weitere Infos und Themen über Schaben
Die Waldschabe in der Wiki
Thread: Beobachtungen zum Tastsinn der Waldschaben
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BeitragVerfasst am: 05.11.2009 15:46    Titel: Re: Waldschaben, ein Versuch eines Porträts Antworten mit Zitat

Manchmal hat man Glück. Ich habe einen sehr umfangreichen wissenschaftlichen Beitrag zu den Waldschaben gefunden - Wikipedia sei dank:

http://www-nmbe.unibe.ch/pdf/2067.pdf

Baur, H. Landaulüscher, I. Müller, G. Schmidt, M. Goray, A. (2004):
Taxonomie der Bernstein-Waldschabe Ectobius vittiventris (A. Costa, 1847) (Blattodea: Blattellidae) und ihre Verbreitung in der Schweiz.
Revue Suisse de Zoologie 111(2): 395-424.
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BeitragVerfasst am: 24.11.2009 19:12    Titel: Re: Waldschaben, ein Versuch eines Porträts Antworten mit Zitat

Noch etwas zu den Lebensräumen der Waldschaben und dessen Verhalten:

Man findet sie häufig draussen. Im Sommer konnte ich sie öfters auf Sträuchern beobachten. Allerdings mögen sie auch getrocknete und abgedorrte Blätter. Sind diese noch eingerollt, bieten sie oft gute Verstecke auch für die Jungen. Im Herbst scheinen sie sich gerne in der Laubstreu aufzuhalten. Ich konnte sie schon in trockenem Laub, das auf der Strasse lag, finden und bei feuchten Spätherbsttage unter einem Haselnussstrauch, zwischen dem Laub, verschiedenen abgedorrten Pflanzen usw. als ich nach heruntergefallenen Nüsse suchte. Gerade im Herbst sind sie auch öfters in oder an Töpfen zu finden, die man draussen hält. Es könnte sich dabei auch um eine verzerrte Sichtweise handeln, da im Herbst die Töpfe meist reingeholt werden und durch das Absterben der Vegetation sich das Dickicht lichtet und so erst so manche Schabe entdeckt wird. Tatsache ist jedoch, dass ich häufiger in Töpfen oder an deren Pflanzen die Schaben beobachten konnte. Sie verirren sich aber auch öfters ins Haus oder werden mit Grünzeug (insbesondere belaubte Äste oder Stauden, z.B. Himbeerranken mit Laub) eingetragen. Man findet sie dann auf dem Boden oder an den Hauswänden. Am Boden sind sie gut an ihrem Laufstil zu erkennen. Im Gegensatz zum Beispiel zu Ameisen krabbeln sie nicht kontinuierlich vorwärts, sondern mehr roboterartig, sehr schnell und bremsen abrupt wieder ab, dazu steuern sie, wenn immer sie können Verstecke, Ritzen, Ränder usw. an, welche ihnen Deckung bieten. Dieses Verhalten ist offenbar allgemein für Schaben typisch.
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