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Letzte Chance, Zukunft ohne Not

 
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davX
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 11.09.2017 23:57    Titel: Letzte Chance, Zukunft ohne Not Antworten mit Zitat

Wichtige Bücher sollten einen eigenen Beitrag bekommen. Da gerade Bücher über den Boden und Kompost wichtig sind, so denke ich, hat dieses Buch ganz bestimmt einen eigenen Beitrag verdient.

Zudem denke ich, wäre es sinnvoll, wenn man dann auch interessante Bemerkungen, Zitate und Notizen zum Buch an einer Stelle sammeln könnte. Das wäre einerseits anregend und andererseits könnten alle teilhaben am entdecken neuer interessanten Aussagen und Buchinhalte.

Das Buch:

Francé-Harrar, A. (2008): Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not. Blue Anathan Verlag, Haigerloch - Bittelbronn.

Und da ich jetzt etwas faul bin der Hinweis zum Bezug als Zitat:

Piggilotta hat Folgendes geschrieben:
Na, bei Humusaufbau darf aber die gute Frau Annie Francé Harrar nicht fehlen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Annie_Franc%C3%A9-Harrar

seit neuestem gibt es ihr Buch auch als download:
http://www.ddbpage.net/btq/

Quelle: Soils, Humusaufbau


Zitat zum Inhalt des Buches:
Zitat:

Wovon handelt dieses Buch?
Zuerst beschreibt die Autorin ausführlich die Entstehung und Eigenschaften des Humus. Dabei verwendet sie einen umfassenden Humusbegriff (Humus: lat. Erde, Erdboden). In Annie Francé-Harrars Auffassung ist Humus also eher als „Mutterboden― anzusprechen und geht über die heute von der wissenschaftlichen Bodenkunde als Humus bezeichnete organische Substanz im Boden hinaus. Weitere Kapitel des Buches behandeln den Um- und Abbau der organischen Substanz und ihre mikrobiologischen Aspekte sowie Zerstörung des Humus durch die Tätigkeit des Menschen. Dabei geht sie u. a. ausführlich auf die Zerstörungsprozesse ein, welche den Niedergang Roms und anderer Hochkulturen besiegelten. Das Entwicklungsstadium unserer Zivilisation ist in manchem mit dem des späten Römischen Reiches vergleichbar. Es treten neben verheeren den Folgen auf Wasserhaushalt und Klima soziale Ungleichgewichte und weltweite Spannungen auf. Rom hatte als Ackerbauernstaat angefangen, der seine Lebensgrundlage pflegte, und endete als sklavenhaltender Kapitalismus, der an der Grundlage allen menschlichen Seins – der hauchdünnen humushaltigen Bodenschicht – Raubbau betrieb.

Weiterhin beschäftigt sich das Buch eingehend mit der "Lebensgrundlage Wald".

Die Funktionen und Vorraussetzungen des Waldes als Humusproduzent, Wasserspeicher und Wasserfilter werden ausführlich beschrieben.

Ebenso wird aufgezeigt, wie wichtig das Ökosystem Wald ist, zugleich historische Zusammenhänge einer gesunden Gesellschaft und eines gesunden Waldes und welche Folgen wir zu erwarten haben, wenn dieser vernachlässigt oder gar zerstört wird. Nicht umsonst wurden Großteile der Wälder, wie im alten Griechenland als Naturheiligtümer behandelt, so die Autorin. Anderseits sind bedeutende Imperien untergegangen, weil sie die Aufgaben des Ökosystems Wald nicht respektierten.

Den Abschluss des Buches bildet die Beschreibung der damals bekannten Maßnahmen gegen Bodenerosion und Humusschwund. Dabei betont Annie Francé-Harrar nicht zuletzt die Notwendigkeit einer Humusgewinnung aus Abfällen – ein bis heute nicht wirklich gelöstes Problem – und fordert als gemeinsame Anstrengung der Menschheit eine "Weltorganisation der Humusproduktion".

"Die Letzte Chance für eine Zukunft ohne Not" ist aufgrund der umfassenden Darstellung natürlicher Vorgänge und ihrer Wechselwirkungen mit vom Menschen ausgelösten Prozessen (insbesondere in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Biologie, Geologie) ein gutes Beispiel ganzheitlichen transdiszplinären Denkens. Durch die Verknüpfung der durch die Land- und Forstwirtschaft hervorgerufenen Umweltentwicklungen mit historischen Ereignissen, wie dem Aufstieg und Fall von Hochkulturen ist dieses Buch auch als ein frühes Werk der Umweltgeschichte anzusehen, die heute eine eigenständige Disziplin der Geschichtswissenschaften bildet.

Quelle: Francé-Harrar 2008, S. 11-12

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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8405
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: 12.09.2017 07:41    Titel: Re: Letzte Chance, Zukunft ohne Not Antworten mit Zitat

Das gehört jetz zum Thema Hintergrundwissen, zu den Patenten habe ich was gefunden:
http://stiftung-france.de/forum/viewtopic.php?f=86&t=386

Als Einstieg will ich kurz noch auf eine Passage ziemlich am Anfang des Buches eingehen, die ich mir nun herausgepickt habe. Harrar geht nämlich der Frage nach, was das Wort Humus bedeutet, wie es in verschiedenen Fachwerken und Lexika zu verschiedenen Zeitepochen gedeutet wurde. Da sei die Humustheorie, dass sich Pflanzen aus dem Boden ernähren, welche falsch sei, so liest man in Lexika anfangs des 20. Jahrhunderts. Mitte des 20. Jahrhunderts weisen ebensolche Lexika darauf hin, dass Humus nur eine spezielle Moorerde sei und wirtschaftlich keine nennenswerte Bedeutung habe. In amerikanischen Fachwerken wiederum ist der Humusschwund durch Bodenerosion ein dominierendes Thema, und dass dieser Schwund mit allen Mitteln gestoppt werden müsse.

Dem stellt sie dann die Vorstellungen in alten Kulturen der alten und neuen Welt (Griechenland, Mexiko, Inka-Reich) gegenüber:
Zitat:

Dem Zwiespältigen dieses Problems steht aber doch auch ein Einheitliches gegenüber, das wieder, wenn auch in gänzlich anderer Form, auf seine kosmischen Zusammenhänge hinweist. Dieses Einheitliche besteht darin, daß man die Funktionen des Humus zu jeder Zeit und überall besonderen Göttern ans Herz gelegt hat. Ich erspare mir viel Zeit und Raum, wenn ich darauf verzichte, die Humusgötter der unterschiedlichsten Völker hier aufzuzählen. Wir wissen ja alle, daß es sie gegeben hat und gibt, von der hellenischen Demeter bis zum mexikanischen Regengott und der Maisgöttin der Inkas. Sie sind alle sehr alt, viele von ihnen schon ein bißchen abgenützt, aber die Mehrzahl amtiert immer noch.

Francé-Harrar 2008, S. 21


Erstaunlich fand ich, dass darunter auch der Name Demeter kommt und dieser also eng mit dem Boden verbunden ist. Die Bedeutung des Bodens wird in der biodynamischen Landwirtschaft dadurch nochmals gewürdigt, und die meisten Leute merken es vermutlich nicht, da sie sich nicht näher mit Namen und deren Bedeutungen auseinandersetzen. Ein kleines Aha-Erlebnis am Morgen... Wink
Damit belasse ich es mal fürs Erste.
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
Beiträge: 8405
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BeitragVerfasst am: 14.09.2017 21:14    Titel: Re: Letzte Chance, Zukunft ohne Not Antworten mit Zitat

#2 Aufbau der Erde

Ein weiteres interessantes Zitat, das ich herausgesucht habe. Es geht um den Aufbau der Erde. An sich zwar interessant, aber wie es Francé-Harrar beschreibt, finde ich toll, denn sie zeigt ganz klar den Widerspruch zwischen dem Wissen, das wir über die Erde haben, und der Tatsache, dass wir das Wissen um die Erde gar nicht zu wissen brauchen, um uns auf der Erde zurechtzufinden. Es ist also theoretisch interessant, aber praktisch nicht unbedingt eine Notwendigkeit, dass wir genau wissen, wie es funktioniert und ob unser Wissen auch korrekt ist.

Zitat:

Die irdischen Vorbedingungen
Vierzehn Stoffe kennen wir als Schöpfer unserer Erdrinde. (...)
Diese vierzehn Stoffe sind: Kieselsäure, Kalk, Kohlensäure, Tonerde, Kali, Natron, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Chlor, Magnesia, Eisenoxydul, Eisenoxyd, Mangandioxyd. Das sind dreizehn. Der vierzehnte heißt — Wasser. Alle zusammen sind die Götter unseres irdischen Ahnensaales, zugleich Schöpfer und Geschöpf, früher einmal „Element“ genannt und als eine unteilbare Einheit angesehen, dann aber erkannt als ein in Atome Trennbares.
Auch diese Erkenntnis wird, beiläufig bemerkt, noch nicht die letzte und absolute sein. Denn das Atom ist eine viel zu komplizierte Bildung, als daß mit ihm die Strukturierung der Materie hätte beginnen können. Es müssen ihm ganze Ketten von anderen, viel einfacheren Bildungen vorangegangen sein, die als Vor- und Zwischenstufen dienten. Daß wir heute nichts davon ahnen und auch keine technischen Vorrichtungen besitzen, um das festzustellen, ist kein Argument dagegen.
Praktisch kommt diese Erwägung für uns überhaupt nicht in Betracht. Denn gleich allen anderen Lebewesen besitzt der Mensch die Fähigkeit, zwar die ihn umgebenden Elemente nach jeder Weise zu benützen, dabei aber von ihrer theoretischen Erkenntnis ganz unabhängig zu sein. Alles, womit wir bauen und werken, alles, was wir herstellen und verkaufen, sogar das, was unseres Daseins allerengste Notdurft ist — das alles kennen wir in seinem letzten Aufbau nicht. Trotzdem handeln wir so, als gäbe es für uns nirgendwo einen verhüllenden Schleier von Sais.

Quelle: Francé-Harrar 2008, S. 30

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Piggilotta
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Anmeldungsdatum: 25.07.2015
Beiträge: 45

BeitragVerfasst am: 16.09.2017 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm, das mag ich so nicht stehen lassen,
Zitat:
Es ist also theoretisch interessant, aber praktisch nicht unbedingt eine Notwendigkeit, dass wir genau wissen, wie es funktioniert und ob unser Wissen auch korrekt ist.

Du interpretierst dies hier, oder?
Zitat:
Praktisch kommt diese Erwägung für uns überhaupt nicht in Betracht. Denn gleich allen anderen Lebewesen besitzt der Mensch die Fähigkeit, zwar die ihn umgebenden Elemente nach jeder Weise zu benützen, dabei aber von ihrer theoretischen Erkenntnis ganz unabhängig zu sein. Alles, womit wir bauen und werken, alles, was wir herstellen und verkaufen, sogar das, was unseres Daseins allerengste Notdurft ist — das alles kennen wir in seinem letzten Aufbau nicht. Trotzdem handeln wir so, als gäbe es für uns nirgendwo einen verhüllenden Schleier von Sais.
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_verschleierte_Bild_zu_Sais da geh ich eher mit der "jüngeren Fassung"
Zitat:
Im romantischen Gegenkonzept zu Schiller ist die absolute Wahrheit zwar fassbar, aber nur durch die Erfassung der Innenwelt.

Für mich ist das von dir angesprochene Problem des "nicht wissen könnens" ein Kommunikationsproblem.
Wir sind gewohnt, Sachen, die wir (noch)nicht erklären können, nicht zu akzeptieren, abzuwiegeln, sogar für nicht real zu halten.
Natürlich sind dann auch viele nicht in der Lage, das zu denken.
Wenn man aber, sozusagen, mit sich selber darüber sprechen kann, dann braucht man nicht die Worte, die alle kennen;
man kommt sogar ganz gut ohne Worte aus dabei und kommt um einiges weiter.

Im praktischen Bereich sieht man das was besser: würde man stricken lernen wollen, nur mittels Text - oh weia. Ich möcht so nen Text nicht schreiben müssen, geschweige denn verstehen. So was will ich sehen um es zu verstehen: anfangs langsam, dann im Fluss; dann selber machen, anfangs langsam, dann in Variationen.
Und hinterher kann ich über Pullover eher reden als übers stricken.

Wir können doch von der "theoretischen Unabhängigkeit" nicht auf eine praktische Unfähigkeit schliessen. Hallo ?!

Ich halte das für traditionellen Quatsch. Bzw. eine ungute Entwicklung durch die Rationalisierung nicht nur der Handlungen, sondern auch des "Denkens" ("rationalisiertes denken" ist für mich ein Oxymoron; "Gefühle" raushalten bedeutet sowohl Fehlerquellen wie auch Inspiration leugnen, ist irrational und nicht rationell).
Im Gegenteil, die "Erfassung der Innenwelt", der Umgang mit, tja, realer Komplexität sag ich mal, lässt uns da schon Schrittchen für Schrittchen näher an die Sache ran. Glaub ich zumindest.
Klar, ihr Beispiel mit den Atomen zeigt recht deutlich, dass es, lach, eine Notwendigkeit dafür gibt, zu wisssen, dass wir es halt noch nicht draufhaben. Wenn das Atom ein Topflappen wäre, wäre das (nächst)gesuchte die Luftmasche. Was wunderbar einfaches, weil sie aus nem Faden ne Struktur macht. Kompliziert ist der Text. Und was hat die Wissenschaft aus der Suche nach dem Atom gemacht?
Viel Text bei Verlust des roten Fadens. Entschuldigt die Polemik, ich ärger mich.

Und: dass unser Wissen auch korrekt ist, halte ich schon für wichtig; wobei ich davon ausgehe, dass Wissen und Handlung übereinstimmen.
Oder meinst du so was wie wenn einer instinktiv das richtige macht, obwohl er es anders gelernt hat?
Also zwischen Handlung und Gelerntem ne Diskrepanz ist? Das geht, kostet aber Energie.
Ich kann meinen Boden nicht richtig behandeln wenn ich mir ein völlig falsches Bild mache.
Wenn ich mir den als leblos vorstelle, kann der sterben und wenn ich weis, dass da viel (un)bekanntes Leben drin sein kann, dann entwickelt es sich anders.

Ich halte es eher für notwendig, ungefähr über das Ausmass meines nicht-wissens orientiert zu sein, mir demütig dessen bewusst zu sein.

So, wie zwei Menschen, die stricken können, sich über das Stricken dann auch unterhalten können, glaube ich, dass es möglich ist,
tiefere Erkentniss zu erlangen und zu teilen.
Wichtig wäre, zu wissen, dass man strickt, also was die genutzten Termini mit dem Austausch machen, der Bezugsrahmen klar ist.

O.K., es IST schwer. Aber unmöglich ist anders.

Das Bild mit dem Schleier, der Unmöglichkeit, das "Sein zu erfassen" ist schon schön. Kannte ich nicht, oder nur als Tao, das Unnennbare.

Und stellt euch vor, ich seh sogar nen Zusammenhang zum Forum, zu Kleinnagern.
Dass wir die nicht als "Versuchstiere" halten;
darüber reden, wie oft eigene Bedürfnisse an Tieren ausagiert werden und versuchen, zu ergründen, was deren Bedürfnisse sind;
dass wir festhalten, woher diese Bedürfnisse kommen, Zusammenhänge lieber suchen, statt sie unsererseits festzuklopfen -
vielleicht verwandelt das den Schleier in was immer dünner werdendes.....
So kommt es mir subjektiv jedenfalls vor.
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Anmeldungsdatum: 08.06.2004
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BeitragVerfasst am: 19.09.2017 23:38    Titel: Re: Letzte Chance, Zukunft ohne Not Antworten mit Zitat

Ich sehe das nicht als Problem, sondern als eine philosophische Sache:
Die Fähigkeiten des Menschen, seine Umwelt wahrzunehmen und zu begreifen ist begrenzt und meine Absicht war es festzustellen, dass das auch gut so sei.

Natürlich wenn du jetzt dagegenhälst, man müsse wissen, worüber man dann spreche, dass man eine Ahnung habe, was dieser Boden ist, da gebe ich dir recht. Aber das ist doch alles sehr praktisches Zeug. Zum Überleben muss man wissen, wie geht man mit dem Boden um, wie behandelt man ihn. Zumindest musste man es in einer Zeit vor der Hochkulturen. Das war vielleicht eher Intuition und in Form von Ethik, die man durch Irrtum und Lernen ausarbeitete. Aber die Ignoranz, die wir uns heute leisten, passt eben auch sehr gut zu unserem sehr einseitigen Wissensdurst, der eine sehr zerstörerische Seite hat, weil Wissen effizient und nützlich sein muss, dass man den Planeten weiter ausbeuten kann.

Dem gegenüber steht aus meiner Sicht ein ganzheitlicher Ansatz um die Dinge zu begreifen, der auch Raum lässt für Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss, nicht unbedingt wissen will, nicht unbedingt wissen kann und vielleicht auch mit einer Form von Ethik verbunden sind. Ganz einfach ausgedrückt, wieso gibt es in manchen Völkern heilige Berge, die nicht bestiegen werden sollen? Wieso gibt es heilige Gebiete, die nicht genutzt, sondern geschont, geschützt werden? Es sind Rückzugsgebiete der Natur (oder in der Permakultur eine Zone 5, die der Mensch kaum besucht um zu beobachten/lernen, also kaum nutzt), und gerade Berge sind oft auch recht empfindliche Lebensräume, bei denen die Heiligung dazu führt, dass nur wenige, geweihte Leute sie betreten und auch das nur selten und dadurch sie schonen. Heute nennt man solche Gebiete Naturschutzgebiete oder Nationalpärke oder Reservate (wobei ich damit natürlich die streng geschützten Zonen meine und nicht die touristisch genutzten Zonen, welche viele im Kopf halten, wenn sie an Nationalpärke denken). Und unsere Religion nennt sich Umweltschutz oder Naturschutz. Auch diese Form von Ethik ist entstanden durch Lernen und Fehler.

Und wenn wir dann noch ein anderes Beispiel heranziehen wollen, überlegen wir doch mal, wie sieht es aus, dass wir versuchen uns in die Natur, in Tiere oder Pflanzen hineinzuversetzen und uns fragen, was haben diese für Bedürfnisse? Dieses Grundprinzip nutzen wir für unsere Tiere wahrscheinlich die meisten hier schon lange auf die eine oder andere Art. In der Permakultur haben wir das genau auch wieder. Wenn man wissen will, wieso wächst eine Pflanze an einem Ort oder an einem anderen Ort nicht, kann es helfen, zu versuchen die Pflanzen zu verstehen, was haben sie für Bedürfnisse, welche Bedingungen haben sie und wie wirken diese auf die Pflanze aus? Man fängt an und versucht die Sprache der Natur zu verstehen und sie zu lesen. Auch da sind wir wiederum auf einer ganz anderen Ebene, als wenn wir mechanisch Versuchstiere halten und irgendwelche Versuche machen, um statistische Zahlenreihen zu erhalten. Je nach Fragestellung und Experimentaufbau können die aussagekräftiger oder auch relativ unsinnig sein. Theoretisch und mathematisch kann das alles dann absolut einwandfrei sein, es fehlt aber das Verständnis der Tiere, man hält die Tiere absolut artwidrig und kommt dann letztlich womöglich auf sehr irreführende Resultate... (Eines meiner Lieblingsbeispiele diesbezüglich ist der LD50-Test, welcher mit der Mortalitätsrate die Giftigkeit von Substanzen ausdrücken soll. Was in der Theorie eine sehr schöne Methode ist, ist jedoch das Papier kaum wert und wird in der Praxis durch zahlreiche Faktoren beeinflusst und verfälscht, die kaum zu konrtollieren sind. Die Resultate können daher dann auch irgendwo zwischen sehr groben Richtwerten und moderner Kaffesatzleserei einsortiert werden.)

Ich formuliere daher meine ursprüngliche Aussage nochmals anders:

Nicht die Menge an Wissen ist wichtig, sondern das WIE. Wie gehen wir den Dingen auf den Grund? Wie ist unsere Ethik dabei, wie unser Umgang mit der Umwelt, mit den Lebewesen um uns herum? Wie gehen wir mit unseren Erkenntnissen um, wie stellen wir sicher, dass unser Wissen verantwortungsvoll und nachhaltig genutzt werden kann?

Zitat:

Und stellt euch vor, ich seh sogar nen Zusammenhang zum Forum, zu Kleinnagern.
Dass wir die nicht als "Versuchstiere" halten;
darüber reden, wie oft eigene Bedürfnisse an Tieren ausagiert werden und versuchen, zu ergründen, was deren Bedürfnisse sind;
dass wir festhalten, woher diese Bedürfnisse kommen, Zusammenhänge lieber suchen, statt sie unsererseits festzuklopfen -

Ja da sind wir auch eben wieder bei einem ganzheitlichen Ansatz und es stehen nicht grosse objektive Versuchsreihen im Vordergrund, sondern der Mensch, der beobachtet, seine subjektive Sicht, seine Gefühle und seine Kreativität einbringt, und versucht zu verstehen, wie die Tiere ticken, wie sie selbst die Umwelt wahrnehmen könnten, anstatt ihnen unsere Bedürfnisse überzustülpen oder gar sie als mechanische Automaten zu betrachten, die lediglich gewisse Triebe haben, die befriedigt werden müssen, aber letztlich ganz simple zwar biologische Objekte, aber letztlich doch im Wesentlichen Automaten sind, die nach einfachen Grundprinzipien funktionieren, wie es eben die reduktionistische Wissenschaft annimmt (Occam's Razor, Prinzip der Sparsamkeit).
Der springende Punkt ist aus meiner Sicht, wir dringen mit einer philosophischen Unschärfe in die Materie vor, die tiefer dringt als die exakte Wissenschaft jemals begreifen kann, weil letztere all das als nicht beweisbare und daher unwissenschaftliche Spekulationen verwirft.

Zitat:

Das Bild mit dem Schleier, der Unmöglichkeit, das "Sein zu erfassen" ist schon schön. Kannte ich nicht, oder nur als Tao, das Unnennbare.

Ja, das passt irgendwie auch, weil in der fernöstlichen Lebensanschauung, um das mal etwas salopp auszudrücken, mehr noch der Widerspruch und das Unperfekte in das Gesamtbild integriert wird, während unsere westliche Werte nach einem einseitigen und perfekten Bild streben, das nicht Harmonie und Ausgleich sucht, sondern Perfektion, Effizienz, Exzellenz und die Erfüllung gewisser Ideale.
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